ein bisschen Irland

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Sternenstaub
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Re: ein bisschen Irland

Ungelesener Beitrag von Sternenstaub » Fr 13. Okt 2017, 15:05

Ich umrunde nun etwa eine Stunde, zwar nicht schnell aber stetig, einen großen Teil der Bucht, auf meinem Kartenausschnitt ist als besonders interessant der Kilcatherine Graveyard ( http://www.eyeries.ie/activities-histor ... eology.php )markiert und dort möchte ich hin.
U.a. wurden dort Teile des Filmes Falling for a Dancer gedreht.

Als ich ihn erreiche, bin ich wahrlich nicht enttäuscht. Aber seht selber.

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Es herrscht eine sehr dichte Atmosphäre auf dem Friedhof (anders vermag ich das nicht zu beschreiben), einerseits möchte man den Atem anhalten, andererseits fühle ich mich herrlich los gelöst, sodass ich mich kaum zu trennen vermag.
Aber ich habe ja noch ein Stück Weg vor mir, also setze ich meinen Rucksack wieder auf und gehe langsam und in Gedanken los.

Ich nehme zwar die Gegend und ihre Schönheit weiterhin wahr, aber so ganz richtig bin ich nicht beim Weg. Nach etwa einer halben Stunde komme ich an mehreren verstreut liegenden Gebäuden vorbei, was ich aber nur wahrnehme, weil von einem der Wochenendhäusern (?) eine chic gekleidete Frau mir entgegen kommt, die mich unwillig anschaut, als ich sie frage, wie weit es wohl etwa noch nach Ardgrom ist.
Also das wären noch gut 15 km. Ich bedanke mich und gehe weiter. 15 km noch?? Yikes!!! Etwas entmutigt mache ich mich weiter auf meinen Weg und komme nach einiger Zeit an eine kleine Kreuzung, wo aber nichts ausgeschildert ist. Erstmals seit meiner kleinen Rast auf einem Stein beim ersten Teil meiner heutigen Wanderung mache ich eine wirkliche Pause, indem ich mich auf eine Mauer dort setze und Wasser trinke, das hatte ich unterwegs komplett vergessen. Ich überlege, ob das wirklich sein kann mit der Entfernungsangabe, weil 7- max 8 km, das wäre meine lockere Schätzung gewesen. Während ich ein bisschen ok dort sitze, kommt aus einem sehr schmalen Boreen ein altes Auto, in welchem ein älterer Mann sitzt, er hält direkt vor mir und kurbelt die Scheibe herunter, na, das wäre aber selten, dass hier jemand säße, Ob ich anwachsen wolle. Ich muss lachen und erkläre, dass ich noch nach Ardgrom wolle und mich einfach nur ausruhen würde. Eine Dame hätte mir vor kurzer Zeit erklärt, das seien noch etwa 15 km. hm, er wolle nach Castletownbere über die Passstraße über den Hungry Hill, ob er mich irgendwo absetzen könne? ich denke nach, vorhin war ich ja am Abzweig zur 571, von dort nach a sind es etwa 6 km, wenn ich mich recht erinnere. Wenn er mich da raus schmeißt, kann er weiter nach rechts Richtung Castletownbere fahren und ich links nach A laufen. Das sage ich ihm und er meint, na dann steig mal ein, der Rucksack könne auf den Rücksitz. Na, das ist doch erfreulich, denke ich mir.
Als ich die Tür beim Beifahrersitz öffne und überlege, wie ich mich da drauf setzen soll, grinst er, murmelt etwas von altem Junggesellen und fegt mit drei vier Handbewegungen alles vom Sitz, Zigaretten, Geld in wenigen Scheinen und etliche Münzen, Quittungen undund..
Ich steige ein und grinse zurück, er scheine ja ein reicher Mann zu sein, wenn er so mit dem Geld herum werfen würde. Wir müssen beide lachen, die Situation ist einfach komisch. aufgeräumt fragt er mich, wohin ich denn in A wolle. Ich erzähle ihm, dass Rose dort auf mich wartet, weil Therese mir dort ein Bett für die Nacht besorgt hätte. Achso, bei Rose, ja das ist eine sehr nette Frau und auch Therese wäre ok, er kenne beide Familien. wir fahren quasi die selbe Strecke zurück, die ich vorher gelaufen bin und ich erzähle, dass ich mit den grave yard angeschaut habe und dort wirklich schöne Grabsteine stünden. Ob ich den coastal way gegangen sei, der sei echt schön. als ich ihm erkläre, wo ich genau gewandert bin, gefällt ihm das offensichtlich, eine ganz schön lange Strecke, die ich da mit dem Rucksack gegangen sei. Aber vermutlich sei ich das ja gewöhnt.
Wären wir so reden, kommen wir an die R 571, er blinkt aber links, lächelt mich an und biegt in Richtung a ab, na da werde ich mich sicherlich nicht beschweren. Wir unterhalten uns weiter, plötzlich fährt er dann eine Auffahrt und hupt mehrmals. Er sagt: here we are und steigt aus und ich wuchte meinen Rucksack aus dem Auto. Eine Frau kommt aus dem Haus geeilt, er begrüßt sie mit launigen Worten. Er habe gehört, dass sie auf eine Kathi aus Berlin warte und er sei auserkoren, sie zu liefern, weil er mich gefunden hätte. Obwohl - es hieße doch: wer findet, darf behalten, er zwinkert mir zu, wir müssen alle drei lachen und danach verabschiedet er sich mit Handschlag bei Rose und mir. Rose ist mir gleich sympathisch und nachdem sie mir mein Zimmer gezeigt hat, bittet sie mich in die Küche auf eine Tasse Tee und cookies. Sie erzählt mir etwas über den Ort und das Musicfestival, welches momentan auch bei ihnen sei, gestern sei sie selber mal im Pub gewesen, weil eine gute Band dort gewesen sei. Ich frage, ob es einen shop gibt, was sie bestätigt und nach diesem netten Gespräch mache ich mich erst etwas frisch und gehe dann in den Ort hinein.

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Ich muss sagen, dass er mich nach Eyeries sehr positiv überrascht, so klein ist er erstens nicht und zweitens einfach nicht so "touristisch".

Vom Glenbeg-Lake habe ich schon gelesen, da muss ich auch mal hin irgendwann

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hier geht ein Wanderweg entlang

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Ich bin so vermessen und kaufe mir zwei Dosen Cider und ein Stück Gemüsetarte, sowie zwei Äpfel und kehre nach dem Gang durch das Dorf zurück ins B&B zurück. Inzwischen hat es angefangen zu regnen und ich lese weiter in meinem Irlandbuch und nehme ein leckeres Mahl zu mir.
Und danach: Gute Nacht
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Sternenstaub
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Re: ein bisschen Irland

Ungelesener Beitrag von Sternenstaub » So 15. Okt 2017, 01:18

Der nächste Tag beginnt, mein erster Blick gilt dem Wetter, es hat nämlich die ganze Nacht gestürmt und geregnet. Ich aber hoffe, dass es dennoch aufklart. Ich würde gern an der Küste entlang wandern, bis Lauragh oder weiter. Weit ist das nicht, das sollte auch bei schlechtem Wetter machbar sein.

Aber erst einmal frühstücken, vielleicht sieht es dann besser aus. Ich suche mein Hörgerät, bei direkten Gesprächen trage ich es lieber, es müsste doch in der Hosentasche sein und erstarre förmlich. Es ist weg?! Ich untersuche jedes einzelne Teil meiner Ausrüstung, es ist einfach nicht da. Siedend heiß fällt mir ein, wie ich da etwas unglücklich vom style abgestiegen, bzw besser gesagt gerutscht bin. Und ich ja vorher das Hörgerät wegen diesen lauten Leuten aus dem Ohr genommen hatte. Offensichtlich habe ich da nicht nur ein paar Schrammen dazu gewonnen, sondern etwas wichtiges verloren. ich fluche innerlich etwas vor mich hin, real kann ich das nicht :cool: und denke: dann ist es eben so!!! Zum Glück habe ich eh nur eines meiner Hörgeräte mitgenommen, das andere reicht dann, wenn ich wieder zuhause bin.
Aber trotzdem - jetzt ist Frühstück angesagt!
Rose begrüßt mich mit schlechten Nachrichten, es soll laut Wetterbericht Sturm geben, also fröhliches Wandern scheint damit obsolet und irgendwo Zelten erst recht. Es ist zwar nicht wirklich zersiedelt hier, aber es gibt viele eingezäunte Grundstücke und in die Berge bei Sturm erscheint mir auch nicht als prickelnd. Es gibt zwei sehr große Tische in der Küche, wo locker jeweils 8-10 Leute sitzen können. An dem einen Tisch sitzt das Ehepaar, welches mich am Vortag so lustig über die Vorteile von Stöcken belehrte. Ich grüße laut, sie beachten mich aber nicht. aber ok.
Ein älteres Ehepaar kommt herein, welches Rose an meinen Tisch setzt. Das sind sehr nette Leute, die aus Mayo stammen und ihren hier verheirateten Sohn besuchen wollen, quasi auf dem Weg nach Cork noch einen Umweg gemacht haben, um sich die Gegend anzuschauen. Wir unterhalten uns lebhaft, ja, das geht, weil sie erstens relativ laut sprechen und zweitens ich eh viel von den Lippen ablese. Dann brechen sie auf und verabschieden sich mit Handschlag von mir, das sei ja mal ein nettes Gespräch gewesen. Finde ich auch!
ich will gerade aufstehen, da bittet Rose mich, doch ein wenig zu warten, sie wolle gleich noch mit mir reden. Aber klar, da trinke ich eben noch eine Tasse Tee, bei dem Mistwetter kann man eh nicht viel anderes machen.

Nachdem sie den nächsten Frühstücksgang bei dem einen Paar serviert hat, setzt sie sich auf eine Tasse Tee noch zu mir. Sie habe nachgedacht und hätte ein extrem schlechtes Gefühl, wenn sie mich nun "thru thunder and storm" schicken würde. Und sie selber sei ab heute Abend für mehrere Tage komplett ausgebucht. Sie würde gleich das Gepäck der Wandergäste zu deren nächstem B&B fahren und ihnen anbieten, auch sie selber mitzunehmen, das Wetter sei einfach grauslich und sie würde mich gern auch mitnehmen. Es würde ja nur das Gepäck offiziell transportiert, wäre also alles bezahlt und sie würde sich freuen, wenn ich ihr Freundschaftsangebot annehmen würde, dass sie mich in Lauragh absetze. Ob ich schon eine Unterkunft habe? Nein? dann bemühe sie sich um eine und telefoniere mal für mich, ob das ok sei? Und ich müsse keine Angst haben, sie hoffe, dass sie bei einer Freundin ein Zimmer bekäme, da wären die anderen Gäste nicht untergebracht. Und sie zwinkert mir dabei zu. Ich finde das total lieb und sage, dass sie ein -Schatz ist, was sie damit quittiert, dass ihr Mann das auch immer sage. wir müssen beide lachen. Ok, dann wird heute halt alles wieder anders als geplant.

Sie geht hinaus und kommt kurze Zeit darauf wieder, sie hat ein Zimmer für mich organisiert, von wo aus ich dann hoffentlich morgen wieder normal weiter wandern könne.
Rose muss noch auf ihren Mann warten, der mit dem Auto unterwegs ist, ich gehe also in mein Zimmer und packe. Danach bezahle ich und das Wanderpärchen kommt ebenfalls aus seinem Zimmer, um zu bezahlen und gemeinsam warten wir darauf, dass Rose uns zu unseren jeweiligen B&Bs fährt. Sie setzen sich sogar an meinen Tisch, Rose hat uns noch Tee auf den Tisch gestellt. Es ist eigentlich eine ganz nette Unterhaltung und ich schimpfe mit mir, weil ich sie doch recht blöd vorher fand. Sie kommen aus "the middle of nowhere" in den US, er ist wohl Dekan oder sowas an einer Uni, aus ihrem Job werde ich nicht ganz schlau, das liegt aber an meinen mangelnden Kenntnissen über Berufe an amerikanischen Unis. Sie sind total erstaunt, dass ich Deutsche bin, warum verstehe ich nicht wirklich ;)
Dann aber kommt Rose, wir können los, sie platziert mich auf den Beifahrersitz, weil das Paar natürlich hinten sitzt. ;)

Es gießt und gießt und windet und windet, als wir die Grenze zum County Kerry überfahren, hört es innerhalb von wenigen Sekunden auf. Sogar die Sonne kommt heraus, was Rose zu dem Ausruf "wheater!!!" bringt. Wir erreichen zuerst mein B&B, ich sage bye zu dem Paar und steige aus. Rose springt ebenfalls aus dem Auto und liefert mich mit den Worten bei meiner neuen Landlady ab, das sei Kathi und ich sei eine besonders nette. Wir umarmen uns zum Abschied, sie lächelt und sagt, ich solle mal wieder vorbei schauen, wenn ich in der Gegend bin. Und das werde ich mit Sicherheit machen!

Norreen zeigt mir mein Zimmer, welches wirklich wunderschön ist, bisher waren eigentlich alle Zimmer mehr als in Ordnung, sie fragt mich, ob ich ein Dinner haben möchte oder doch lieber unten im Café mir etwas zum Abendessen besorgen wolle. Ich danke ihr, nein, ich werde mir eine Kleinigkeit besorgen und was man sich vielleicht in der Nähe anschauen könne. Sie empfiehlt mir, den Derreen Garden anzuschauen, das sei wirklich wunderschön und zu Fuß mehr als gut machbar.

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Ich richte mich in meinem Zimmer ein und beschließe, erst einmal in Richtung des Cafés zu gehen, um in Erfahrung zu bringen, wie lange sie offen haben, und später dann zum Derreen Garden.

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Schön ist es hier!

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und nun auf zum garden!

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ich komme an der Schule vorbei, mir gefällt die Gestaltung

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mein B&B - es ist inzwischen wieder stark bewölkt

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Im garden/parc

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das Herrenhaus

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auf dieser Bank sitze ich für einige Minuten

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es ist schon schön hier, wobei ich Herrschaftssitze eigentlich weniger mag

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viele interessante Ausblicke bieten sich an

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Ich kehre zu meinem B&B zurück, bleibe kurz dort und mache mich dann auf zum Café, um mir ein Sandwich zu besorgen, welches ich dann mit viel Tee gemütlich in meinem Zimmer zu mir nehme. Morgen geht es weiter nach Kenmare...

Und wieder ein Tag um - schon erschreckend, wie die Zeit letztlich verfliegt. Ob ich wohl das in Kenmare erreiche, was ich möchte?
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Re: ein bisschen Irland

Ungelesener Beitrag von Sternenstaub » Mo 16. Okt 2017, 00:31

Der nächste Morgen verspricht besser zu werden, als ich aus dem Fenster schaue, sieht es ganz ok aus. Wobei viel versprechend lediglich bedeutet, dass es weder regnet noch so ausschaut, als ob es in der nächsten halben Stunde nass werden könnte. :cool:

Also erst einmal meine Sachen packen und dann zum Frühstück gehen. Das ist wie immer gut und Norreen unterhält sich eine Weile mit mir. Sie verabschiedet mich freundlich und so gegen 10.00 bin ich on the road again. Mal schauen, wie weit ich heute komme, obwohl ich eher nicht glaube, dass ich es bis Kenmare schaffe.

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Ich hoffe, die Straße wird nicht befahrener, so lässt es sich wirklich ganz gut laufen. Es ist eine relativ schmale Straße, fast schon ein Boreen und ein Stück weiter gibt es ein paar Alternativen, mal schauen, in welche Richtung ich dann gehen werde.

Ein nettes Auto, das würde mir gefallen!

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Es regnet zwar nicht, ist aber ziemlich düster und verhangen, aber an einigen Stellen wird es doch erfreulich heller, das Licht arbeitet sich durch die dichte Wolkendecke.

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Die Strecke gefällt mir gut, das Bergland ist schon sehr faszinierend.

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Ich bin froh, dass die Straße so leer ist, es lässt sich prima laufen und die Sichten nach rechts und links sind sehr beeindruckend.

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ein Wasserfall in der Ferne

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huch, was ist denn das, beinahe wäre ich über das Monster gestolpert und mir fällt erst jetzt auf, dass viele dieser Monster die Straße bevölkern -

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- meine Augen waren jedoch eindeutig von der Landschaft rechts und links meiner Straße gefesselt. Vielleicht sollte ich doch etwas auf den Weg achten? Vor allem, weil die Straße breiter geworden ist und und der Verkehr zugenommen hat. irgendwo kam kurz vorher auch noch eine Straße dazu, der ich aber keine Beachtung geschenkt hatte.
Etwa eine halbe Stunde später, ich bin jetzt etwa 2 1/2 Stunden unterwegs, blinkt auf dem linken Fahrstreifen ein Auto und fährt an den Straßenrand, eine Frau winkt mir zu, steigt auf der linken Seite aus, ob ich einen Lift wolle? Hm, will ich einen Lift? aber klar doch, bisher waren alle Leute total nett, die mich bisher aufgesammelt hatten, warum nicht, vielleicht komme ich ja sogar heut bis Kenmare. also Rucksack verstaut und eingestiegen. Ich stutze, das Lenkrad ist doch auf der falschen Seite, und ich bin auch auf der falschen Seite eingestiegen, zumindest falsch für Irland, das Nummernschild war aber eindeutig irisch, aber ist ja auch egal. Nach ein paar Worten über woher und wohin, fragt mich die Fahrerin plötzlich: "sag mal, bist du Deutsche? Wenn ja, dann können wir ja deutsch sprechen, ich komme auch daher" Und ich: "DESWEGEN ist der Lenker auf der falschen Seite". Wir lachen, plaudern ein wenig und fahren in Richtung Kenmare, bis sie plötzlich fragt: "sag mal, möchtest du eine Tasse Tee mit mir trinken, da kann man besser reden" Als ich das gerne annehme, grinst sie: "dann fahren wir zurück und zu meinem Haus, nach Kenmare können wir auch später fahren. Magst du?" Ja natürlich! So dreht sie, wir fahren ein Stück zurück und in eine kleine Straße hinein bis zu ihrem Haus.

Von der Eingangstür kommt man direkt in die gemütliche Küche, das gefällt mir, für mich ist die Küche definitiv der wichtigste Raum in einem Haus, zumindest wenn es eine wirkliche Wohnküche ist. Wir unterhalten uns lange und intensiv, erzählen aus unseren jeweiligen Leben, das passt einfach. Sie hatte lange den Traum, eine Bäckerei in Irland auf zu machen, obwohl sie von Beruf vorher lange etwas ganz anderes gemacht hat und sie hat das dann auch tatsächlich angepackt und für eine längere Zeit erfolgreich gemacht. Inzwischen ist sie jedoch wieder umgestiegen, hat Bäckerei/Café verkauft, manchmal muss man eben wieder andere Wege gehen.
Da es jedoch langsam immer später wird und sie in Kenmare einkaufen will und ich ja auch weiter möchte/muss, brechen wir unsere tea-session ab, aber bevor sie nach Kenmare fährt, will sie mir noch einige Lieblingsflecken hier zeigen.

Ihr Haus, sehr viel Arbeit steckt darin, es in einen wirklich bewohnbaren Zustand zu bringen.

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Tor zum Nachtbargrundstück, das darauf stehende wirklich schöne große Haus verfällt langsam, es kümmert sich niemand darum, wenn ich das notwendige Kleingeld hätte, würde ich es sofort kaufen.

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die Bucht ganz nahebei

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ist das nicht ein Traum?

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Danach fahren wir nach Kenmare, wo wir uns bedauernd trennen und ich verspreche, mich zu melden, wenn ich keine Unterkunft finde, dann holt sie mich eben ab.

Der nächste Abschnitt über endlose Wanderungen in und außerhalb von Kenmare kommt später, das wird recht text-lastig und ist ein wenig schwer zu schreiben, deswegen stoppe ich jetzt erstmal hier.
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Re: ein bisschen Irland

Ungelesener Beitrag von Sternenstaub » Do 26. Okt 2017, 00:03

ein bisschen nur weiter heute, morgen wird es aber mehr Lesestoff geben und erfreulicheren -

So ab 1/2 3 laufe ich nun hin und her durch Kenmare, der Ortskern ist noch erkennbar, wenn auch sehr viel mehr Rummel überall ist. aber nunje, es ist August und somit Ferienzeit! Es gibt aber auch einige neue Straßen mit neuen Häusern, nach den ruhigen letzten Tagen erscheint es mir, als ob der Ort aus allen Nähten platzt. Schön ist was anderes.

Insgeheim habe ich geplant, das Haus von Nora zu suchen, dort haben mein Sohn und ich vor Jahren einmal auf einer kleinen Zeltwiese genächtigt, es war eine Mischung aus B&B und independant hostel. Und ich hatte versprochen, dass ich wieder herein schaue, wenn ich das nächste Mal in Kenmare bin.

unsere Zelte vor mehr als 10 Jahren auf Noras Wiese

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Und jetzt ist das nächste Mal. Das war damals etwas zwiespältig für mich, einerseits mochte ich sie sehr, andererseits machte mir ihre offensichtliche Einsamkeit zu schaffen. Ich war mir aber sicher, dass sie sich erinnern und freuen würde, wir hatten uns recht viel unterhalten, auch über ernstere Themen.

Nora beim Abschied vor ihrer Haustüre, danach fuhr sie auf dem Weg zur Kirche Douglas und mich zur Busstation in den Ort.

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Nachdem ich mich ziemlich verfranzt habe im Gewirr neuer und alter Straßen sowie alter und neuer Häuser, erreiche ich doch den Ortskern wieder. Dort ist ein kleinerer shop, vielleicht ist es sinnvoll, etwas essbares zu kaufen. Ich gehe also zur Theke, wo man Käse etc bekommen und sich Sandwichs machen lassen kann, ich rede mit dem ältlich erscheinenden Fräulein, jedenfalls wirkt sie dermaßen altertümlich auf mich, dass ich sie im Stillen so nenne. Sie fertigt mir mit viel Ruhe das bestellte Sandwich und ich erzähle ihr spontan, dass ich jemanden suche, sie ist gleich interessiert und lächelt erfreut, weil sie weiß, wer Nora ist. Die Nora, die Zimmer vermietet und schon recht alt ist. Ja, die kennt sie. Sie erklärt mir umfangreich, wie ich gehen soll, wobei ich ehrlicherweise gesagt, ihre Schilderungen etwas wirr finde, aber das kann recht gut auch an mir liegen, vielleicht verstehe ich ja das alles wirr? Sie heiße Helen und ich soll doch Nora Grüße ausrichten und sagen, dass ich sie geschickt hätte.

Vorsichtiger Optimismus macht sich in mir breit, ich habe nämlich schon befürchtet, dass sie vielleicht nicht mehr lebt. Ich bedanke mich und freue mich urplötzlich. Der Weg ist einfacher als befürchtet, ich komme an einer Klinik respektive einer Art Pflegeheim vorbei, das Gebäude kenne ich, bin ich also auf dem richtigen Weg. Kurze Zeit später lande ich nahe einem shopping center, das gab es damals definitiv nicht, rund herum ist ein Neubauviertel und wohin muss ich nun? Wann Helen hier wohl zum letzten Mal in der Nähe war?
Ich frage eine Frau so um die vierzig, ob sie Nora kenne, die müsse hier in der Nähe wohnen und werde recht unfreundlich beschieden, sie kenne hier gar niemanden, obwohl sie vier Jahre hier wohne und lege auch keinen Wert darauf. Autsch! Ich gehe noch einige Minuten durch die Straßen und Sträßchen des Viertels, finde aber keinen Anhaltspunkt.

Da naht auf der Straße ein Traktor, ein sicherlich bereits über 70 Jahre alter Mann sitzt darauf und ist bass erstaunt, als ich ihm hektisch winke. Er hält an und grinst, einen Lift könne er mir nicht geben, aber was er sonst tun könne für mich. Ich erzähle von Nora und ihrem independent hostel, der kleinen Zeltwiese und dass ich sie suche, ob er sie kennen würde. Ausgesprochen freundlich schaut er mich an, er sieht aus, als ob er nach Worten sucht. Ja, er weiß, wer die beschriebene Nora ist, aber : „she passed away nearly two years ago“, zuletzt sei sie in diesem Altersheim dort hinten gewesen, eine sehr nette Frau sei sie gewesen, die ihre alten Eltern gepflegt habe nachdem sie selber in Rente gegangen sei, er habe sie oft bedauert, weil der Vater alles andere als einfach gewesen sei. „He wasn‘t a kind man“. Er fragt, wer mich denn hierhin geschickt habe und als ich erwähne, dass dies Helen vom shop gewesen sei, schnalzt er mit der Zunge, die Gute verlöre manchmal die Übersicht. Er bedauere sehr, mir diese Auskunft geben zu müsse. Ich bedanke mich sehr und sage, ich hätte so etwas bereits befürchtet, er fährt weiter und ich gehe zur Kirche und zum Markt zurück. Und nun?
Die Straßen sind voll von feierwütigen Menschen, es gibt viele B&B, ich frage in zweien und man erklärt mir, so weit sie wüssten, wäre alles belegt, es seien halt die Festwochen.
Aber eigentlich will ich ja hier eh nicht bleiben.
Dort hinten ist noch ein hostel, auch dort erschreckt mich der Rummel und ich beschließe einfach zu versuchen, Kenmare zu entkommen, wer weiß, was sich ergibt. Nach einigen Minuten sehe ich einen bookshop, ich betrete ihn und frage den freundlichen Mann dort, ob er mir sagen könne, ob hier irgendwo Campingplätze seien, ich erinnere mich schwach, dass dem zumindest damals so war. Er überlegt länger, das sei aber ein weiter Weg, leider müsse er noch bis 20.00 im Laden bleiben, sonst würde mich hinfahren, das sei etwas tricky zu finden. Dann zeichnet er mir auf, wie ich laufen soll, ich bedanke mich und mache mich auf den Weg.
Kurz vor dem Ortsende hupt es plötzlich und der Treckerfahrer winkt mir und lächelt mir zu.
Während ich nun stumpfsinnig der Ausfallstraße folge, geht mir Nora nicht aus dem Kopf, ich hätte sie gern wieder gesehen, allein schon um mich zu vergewissern, dass es ihr gut geht.
Seltsam, dass einem manche Menschen, obwohl eigentlich wildfremd mehr bedeuten/beschäftigen als jemand, den man ganz gut kennt. In all den Gedanken verlaufe ich mich, wie könnte es auch anders sein, ist halt ein spezielles Hobby von mir. Ich frage eine Frau, die vor einem Haus steht, die mitleidig sagt, ich sähe müde und erschöpft aus, sie holt mal ihr Auto und fährt mich hin. Es ist ein Mietwagen, erklärt sie, den kenne sie noch nicht so gut, eigentlich müsse sie auch schlafen, sie seien gestern aus Detroit gekommen und sie habe nicht wirklich schlafen können. Als ich mich entschuldige, dass sie nun mich durch die Gegend fahre, lächelt sie, sie habe es ja selber angeboten. Dann setzt sie mich am Campingplatz ab, es ist ein recht kleiner, aber es haben sich doch einige Wohnwagen und Zelte eingefunden. Die Frau an der Rezeption sagt, ich könne mir einen beliebigen Platz aussuchen, ich nehme einen in der Nähe des Sanitärgebäudes. Ich baue das Zelt auf und suche mir einen wirklich blöden Platz aus, es regnet und mir ist das alles egal. Am nächsten Tag werden mein Zelt und auch der Schlafsack recht nass sein, aber who cares? Ich fülle noch meine Wasserflasche und krieche ins Zelt. In der Nacht weckt mich immer wieder heftiger Regen, ich liege stets länger wach und erinnere mich an die Dinge, die Nora aus ihrem Leben erzählt hat.
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Re: ein bisschen Irland

Ungelesener Beitrag von Sternenstaub » Di 31. Okt 2017, 20:53

Am nächsten Morgen regnet es immer noch heftig, so bleibe ich erst einmal liegen, wenn auch so langsam alles um mich herum feucht zu werden beginnt. Ich habe noch keinen Plan für heute, eigentlich wollte ich von Kenmare aus quer durch die Berge nach Killarney gehen, die Strecke kenne ich teilweise schon. Das kann ich wohl vergessen, es gibt einige sehr sumpfige Stellen, die nur über die Bohlenwege passierbar sind. Nach diesem verregneten Sommer kann ich das wohl vergessen, es dürfte ganz schön rutschig und matschig sein. Und der Galway River dürfte auch ungewöhnlich viel Wasser führen, da wird es recht schwierig sein, auf die andere Seite zu gelangen.

Aber erst muss ich die Frage lösen, wie ich nun meine doch recht feuchten Dinge verpacke. Ich bringe erst einmal meinen Rucksack in eine große und vorne offene Halle, die früher offensichtlich für größere landwirtschaftliche Fahrzeuge gedient hat, in der nun Sofas und Tische stehen und in welcher während der Nacht drei Zelte aufgebaut worden sind, die vorher woanders standen. Offensichtlich ist es nicht nur in meinem Zelt nass geworden.
Danach schleppe ich alles aus dem Zeltinneren in die Halle und zuletzt auch das Zelt, welches wirklich innen und außen klatschnass ist. vielleicht sollte ich das Abspannen doch noch einmal üben? :cool: In den anderen Zelten rührt sich noch nichts, also versuche ich möglichst leise alles über die vielen vorhandenen Stühle und Bänke zu hängen.
Und gehe erst einmal in die Küche und koche mir Tee, den ich neben all meinen Plörren auf einem freien Stuhl sitzend trinke. Ich gehe duschen und beginne danach, alle Sachen wieder einzupacken, wobei ich versuche, die Kleidung möglichst trocken in die diversen Tüten zu bekommen, es reicht, wenn zum Schluss noch das nasse Zelt dazwischen gequetscht wird. Seltsamerweise ist nämlich auch der Packsack des Zeltes reichlich feucht, von innen sowie von außen, aber im Moment schert mich das nicht.
Die Sonne kommt heraus und ich lasse mir alle Zeit der Welt, um das Gesicht der Sonne entgegen zu strecken

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Ob ich dieses Auto klauen soll, um damit ins Irgendwo zu fahren?

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dieser Gedanke heitert mich auf und ich koche mir noch einen Tee, frage aber vorher in der Reception, ob hier irgendwo der Bus nach Killarney hält. Ohne es selbst zu bemerken, habe ich mich nämlich entschlossen, mal wieder Bus zu fahren. Das ist scheinbar eine selten gestellte Frage, ok, die meisten hier sind eh mit dem Rad oder dem Auto unterwegs, aber letztlich kann mir das freundlich Besitzerehepaar doch noch helfen. Der Bus fährt in etwa einer Stunde unten von der Hauptstraße ab, da ist irgendwo ein Briefkasten und von dort geht die Post los, im wahrsten Sinne des Wortes.
Vielleicht sollte ich mich jetzt sputen? Ich trinke schnell den Rest meines Tees aus und schwinge den Rucksack auf den Rücken. Auf nach Killarney!
Aber vorher muss ich noch ein längeres Stück Weg unter die Füße nehmen, hoffentlich bin ich rechtzeitig da. Heute nehme ich die Gegend viel bewusster wahr als am gestrigen Tag, als mich die freundliche amerikanische Dame hierhin gefahren hat. Ich passiere den Friedhof, gerade eben gehen zwei Männer in Arbeitsklamotten mit Schaufeln vom Eingangstor in einen Bereich des Friedhofes, den ich gut einsehen kann. Sie beginnen ein Grab auszuheben und ich schaue ihnen irgendwie beteiligt zu. Ob hier auch irgendwo Nora begraben liegt, das ist ja ein Ortsteil, der noch zu Kenmare gehört. Mit Gedanken über die Sterblichkeit gehe ich langsam weiter und gelange zu der großen Straße und finde vermutlich auch den richtigen Briefkasten.

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Es ist sehr wenig Verkehr auf der Straße, etwa 10 Minuten später kommt ein Polizeiauto, eine junge Polizistin springt heraus und klingelt/klopft bei mehreren Häusern. Offensichtlich bittet sie, dass man Autos und ein Motorrad von der Straße entfernt, auf jeden Fall werden sie von den Besitzern weg gefahren und die Straße in Richtung Campingplatz komplett frei gemacht. Eine recht alte Frau kommt langsam zu Fuß heran und spricht mich an. Ob ich auch wegen der Beerdigung hier wäre? Sie berichtigt sich aber sofort, als sie meinen Rucksack sieht, den ich an die Steinmauer beim Briefkasten abgestellt habe, das könne ja nicht sein. Sie ginge jetzt zu Beerdigung, rechtzeitig, um sich einen guten Platz zu sichern, manchmal sei es doch angenehm, zu erleben, dass man nicht die nächste auf dem Friedhof wäre. Ich weiß nicht recht, was ich darauf antworten soll, sie schwenkt ihren Schirm, falls es doch noch einmal regnen sollte, wie sie sagt und wünscht mir einen guten Tag. Achja, der Bus käme mit Sicherheit heute sehr spät.
Zwischenzeitlich sind immer mal wieder Autos angekommen, welche die schmale Straße zum Friedhof eingeschlagen habe, ich denke, das sind aber recht viele.

Da erscheint mit viel Tatütatata, das Blaulicht kreist wie wild, ein weiteres Polizeiauto, welches mitten auf der linken Straßenseite hält. Ein gewichtig drein schauender leicht übergewichtiger Polizeibeamter springt heraus und sperrt diese Straßenseite. Er nickt mir leicht zu und wartet. Ich auch, so langsam beginnt mich das zu faszinieren. 5 Minuten später rollen jede Menge Autos heran, teure Nobelkarossen, Taxis, man sieht Kränze und Blumen in den Autos, einfachere PKWs, es sind sicherlich über 100 Autos, bei 70 höre ich nämlich auf zu zählen und es kommen noch viele mehr. Mittendrin ein Leichenwagen, in welchem man einen reichlich geschmückten Sarg erkennen kann. alle fahren sehr langsam, eine Beerdigung verbietet irgendwelche Hast, es ist ein richtiger Beerdigungskonvoi. Der Polizeibeamte schaut ernst und würdig und irgendwann kommt er zu mir herüber, in 15 Minuten käme der Bus und fährt dann sein Auto an den Straßenrand. Die Flut der Autos ebbt ab, er grinst mir zu, wendet und fährt nach Kenmare zurück. Dort muss sich ein enormer Stau entwickelt haben, weil wohl nur die Trauergäste weiter fahren konnten und irgendwann kommt auch mein Bus. Ich steige ein, sage, einmal bitte nach Killarney und als einziger Fahrgast steige ich zu den 5-6 Leuten im Bus ein.
Ich bin wahrlich beeindruckt, eine solche Beerdigung habe ich noch nie erlebt, eine Richtung der Landstraße wird komplett gesperrt und nur Autos erlaubt, die zur Beerdigung fahren.
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Re: ein bisschen Irland

Ungelesener Beitrag von Sternenstaub » Mi 1. Nov 2017, 22:25

Nach etwa 1-stündiger Schaukelei über die Landstraßen erreichen wir Killarney railway station. Ich schultere meinen Rucksack und bin förmlich erschlagen von den Massen an Menschen, die hier herum laufen. Wohin nun? Mit dem mehr als nassen Zelt auf einen Campingplatz? Ich kenne zwar einen, auf dem ich vor Jahren mal war, aber da erschien mir Killarney fast noch idyllisch im Vergleich zu heute. Ich wackele erst einmal Entschlusslos durch den Ort, was machen bloß die ganzen Autos und Menschen hier? Und folge dann dem Wegweiser zum Touristbüro. Wenigstens hineinschauen und fragen, ob sie etwas freies wissen. Und jaja, ich weiß, dass im Moment "die Wochen" sind und K als Touristenhochburg sicherlich nicht unter zu wenig Gästen zu leiden hat...
Mein Problem dabei ist unter anderem, dass ich ja meinen Rückflug auf den 23.08. umgebucht habe und bereits früh fliege, ich also am 22.08. nach Dublin fahren muss. Wären also noch vier Nächte in Irland, wenn ich die Nacht am Flughafen nicht mit einbeziehe. Zwischendurch noch eine kurze Tour? Bei dem bisher vorherrschendem Wetter? Und mit nassen Klamotten? Irgendwie ist die Luft raus.
Vor dem TO stehend, überdenke ich mögliche Alternativen. Ein einigermaßen nettes B&B suchen und Tagestouren machen? Oder nur eine Nacht B&B und danach auf dem Campingplatz zelten?
Also erst mal für eine Nacht gucken, danach kann ich neu entscheiden. Ich betrete das Office, eine freundliche junge Frau fragt mich nach meinem Begehr, ich erkläre die Situation und sie fragt, ob es bei mir eine Obergrenze bezüglich Preis gibt. Ich überlege und antworte, dass 50 € so ziemlich meiner Schmerzgrenze entspräche. Sie bittet mich, mich zu setzen, das könnte ein paar Anrufe benötigen, so setze ich den Rucksack ab und setze mich auf den gemütlichen Besucherstuhl. Sie ruft mehrere Unterkünfte an, alle sind bereits belegt oder wesentlich teurer und wendet sich dann an ihre wesentlich ältere Kollegin, ob sie noch einen Tipp hat. Diese überlegt und nennt noch einige Namen, alle belegt oder eben halt viel teurer. Es gibt aber auf jeden Fall sogar günstigere B&Bs versichert mir die ältere Kollegin. Zwischendurch ruft ein Kollege dazwischen, sie soll doch mal da oder dort anrufen, offensichtlich möchte man mir unbedingt ein passendes Quartier besorgen. Es entsteht irgendwie eine lustige Atmosphäre, wir müssen mehrmals lachen und als ich sage, es wäre schon ok, dann ginge ich auf den Campingplatz, wehrt die junge Frau entrüstet ab, das sei Ehrensache, dass sie mir ein nettes B&B besorgen würden. Die ältere Kollegin fragt nachdenklich Alderhaven, hast du dort schon angerufen?. Also wird nun dort angerufen und tatsächlich, sie haben - aber nur für eine Nacht - etwas frei, es sei aber ziemlich weit vom TOffice und eine längere Strecke zu laufen. Das Laufen schreckt mich nicht, die Landlady will aber wissen, wie sie mich erkennen könnte, in etwa 10 Minuten bekäme sie das Auto und wenn ich die beschriebene Strecke laufen würde, sammele sie mich dann auf. Ich werde ihr als ältere Lady beschrieben mit weißen Haaren, einem blauen Rucksack und eine auffallende rote Tasche (darin wohnen meine Kamera und die Wasserflasche). Gut, ich soll dann los gehen und sie kommt mir entgegen.
Alle sind happy, dass die schwierige Vermittlung geklappt hat, ich bedanke mich und bekomme mit auf den Weg, dass ich morgen auf jeden Fall herein schauen solle, man wird ggf gern weiter für mich suchen, falls ich mich nicht für den Campingplatz entscheiden sollte. Man überreicht mir noch Karten und einen Stadtplan, wenn ich mich jetzt noch verlaufen sollte, müsste ich ganz schön blöd sein, denke ich mir.
Nachdem ich etwa 15 Minuten gegangen bin, hupt auf der anderen Straßenseite ein Auto und eine Frau winkt mir zu, ich scheine also identifiziert worden zu sein. Mein Rucksack wird verstaut, ich steige ein und ab geht es zum B&B. Wir unterhalten uns über woher und wohin, ich wäre die erste Wanderin seit langem, das fände sie schön, dass es noch Leute gäbe, die zu Fuß unterwegs seien. Sie stellt sich mit Norrie vor und ich mit Kathi, sie ist so in meinem alter, nur vielleicht 1-2 Jahre älter, aber so genau kann man das nie sagen, ist ja eh letztlich egal. Nach ein paar Minuten verlassen wir die Straße und fahren eine lang gestreckte schmale Auffahrt hoch, das ist eher schon ungewöhnlich. Am ende dieser Zufahrt steht ein altes Tudorhaus, wirklich schön anzusehen. Wir steigen aus und Norrie stellt mir den Haushund vor, einen wunderschönen Border Collie (?), welcher freundlich mit seinem Schwanz auf den Boden klopft, als ich ihn mit ein paar freundlichen Worten bedenke. Er ist ein bereits alter Herr und wie Norrie erklärt, verschlafe er den allergrößten Teil des Tages vor der Tür.
Sie geleitet mich ins Haus, ich wohne ganz oben unter dem Dach. Ob ich gern einen Tee haben möchte, sie bereitet ihn mir gleich und übergibt mir ein Tablett mit den Worten, ich solle es später auf den kleinen Tisch im Flur stellen. Ich frage, ob es ein Geschäft in der Nähe gibt, sie erklärt mit den Weg und ich richte mich erst einmal in meinem Zimmer ein. puuuh, wieso bin ich eigentlich kaputt, ich habe doch nichts anstrengendes gemacht heute.

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Der Tee und das mit Butter bestrichene Brot schmecken köstlich und mir fällt auf, dass ich außer dem Morgentee noch nichts zu mir genommen habe. Ich beschließe, bevor ich zu faul werde, los zu gehen und zu dem beschriebenen food store zu gehen, vorher werde ich aber schnell die nassen Sachen auspacken und über die Stühle und eine kleine Heizung hängen bzw im kleinen Bad über die Duschwand.

Relativ kurze Zeit später mache ich mich auf den Weg, spreche kurz mit dem alten Herrn, der mir geduldig zu hört, als ich ihn lobe, weil er so schön und brav ist und wieder mit dem Schwanz klopft.

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oh, was ist denn dort?

Herr oder Frau Rabbit lassen sich nicht von mir beirren und sitzen geruhsam auf der Wiese vor dem Haus, offensichtlich besteht ein agreement zwischen Hund und Kaninchen, dass man friedlich miteinander umgeht.

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ein schönes Haus, nicht wahr?

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Federvieh aller Arten ist auch zu sehen, aber die anderen bekomme ich nicht fotografiert, sie sind zu schnell

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Nach etwa einer Viertelstunde erreiche ich das benannte kleine Einkaufszentrum, lasse mir ein Sandwich machen, kaufe mir noch einen Apfel und eine Dose Cider dazu und gehe zurück.
Den Abend verbringe ich mit Pläne machen für Tagestouren, in meinem Irlandbuch lesen und es mir bei Cider, Sandwich und Tee gut gehen zu lassen.
Morgen ist morgen und was kümmert mich heute, wie es weiter geht?
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Re: ein bisschen Irland

Ungelesener Beitrag von Sternenstaub » Do 2. Nov 2017, 16:37

am nächsten Morgen sind meine Sachen zum Teil noch feucht, also gehe ich erst einmal zum vereinbarten Zeitpunkt hinunter zum Frühstück. Norry zeigt mir meinen Tisch, der einzige, an welchem noch keine Gäste sitzen. Ich wünsche mir Tee, scrambled eggs and Toast zum Frühstück und hole mir Orangensaft und Cornflakes vom Beistelltischchen.
Der Frühstücksraum ist hell und schön, vor dem eigentlichen Raum ist ein Wintergarten angebaut, mein Zweiertisch steht auf dem nachfolgenden Foto ganz recht.
Durch die großen Fenster kann man viele Kaninchen in allen möglichen Größen sehen, die hin und her hoppeln, ganz offensichtlich ist das ihr Zuhause. Später zähle ich beim Blick aus meinem Dachfenster 29 Stück!

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Während ich mein Frühstück genieße, bittet mich Norry noch ein wenig länger sitzen zu bleiben, sie habe sich eine Lösung für mein Übernachtungsproblem überlegt. Da ich eh gerade in einen Ruhemodus gelangt bin, es ist wirklich entspannend den rabbits zuzuschauen und dabei Tee zu trinken, bleibe ich gern sitzen und entspanne von Minute zu Minute mehr.
So nach und nach sind alle Gäste versorgt, bzw haben aufgegessen und sind gegangen, N setzt sich zu mir und erzählt, dass sie bei allen möglichen Bekannten und Freunden bereits vor der Frühstückszeit angerufen habe. Aufgrund des Wochenendes und der übervollen Stadt wie in jedem August, gäbe es aber wohl keine oder jedenfalls sehr wenige Unterkünfte zu einigermaßen vernünftigen Preisen. Da habe sie sich überlegt, ob sie mir ein sehr selten von der Familie genutztes Zimmer anbieten solle. Auch unter dem Dach mit Ausblick nach vorne, über Eck liege ein von den übrigen Gästen nicht genutztes kleines Bad, was mir dann alleine zur Verfügung stünde. Wenn ich wolle, könne sie mir das gleich zeigen. Ich bin wahrlich von so viel Gastfreundlichkeit gerührt und als sie mir das Zimmer zeigt, gefällt es mir sofort und als ich begeistert annehme, lächelt sie und fragt, ob ihre Preisvorstellung für mich ok ist. Ich bedanke mich herzlich und antworte, die sei mehr als ok und ich würde mich freuen, noch ein paar Tage hier in ihrem so schönen Haus bleiben zu können. Sie bittet mich, bis so gegen 11.00 Uhr von dem einen Zimmer in das andere umzuziehen, da die Gäste für das alte Zimmer irgendwann am Nachmittag ankommen. Mein kleines Zimmer macht sie dann spätestens danach fertig, ob mir das reiche. Aber natürlich reicht das und ich beginne sogleich damit meine Sachen hinüber zu schaffen.
Mit meiner Kamera und der roten Tasche bewaffnet, klopfe ich dann später wie verabredet an der Küchentür und gebe die beiden Schlüssel ab, damit die Zimmer gemacht werden können, ich soll dann einfach klingeln, wenn ich zurück komme, ihr Mann würde dann öffnen, wenn sie grad unterwegs sei.

Jau denke ich, das ist es!, als ich auf der Bank vor dem Haus sitze, um zu überlegen, was ich mit dem Rest des Tages mache. Dabei fällt mir auf, wie unwahrscheinlich ruhig es hier ist, Alderhaven liegt ja doch ein ganzes Stück weit von der Straße entfernt, man hört nur einige Vögel und den Wind in den Bäumen. Ich beschließe, der Straße in Richtung der Ausfallstraße zu folgen und unten angekommen mich zwischen einem Besuch des Ross Castle oder dem Muckross House zu entscheiden. Das klingt doch nach einem Plan und langsam truller ich los, die lange private Zufahrtsstraße hinunter.

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das Schild unten an der normalen Straße

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Spontan biege ich nach links ab, die Gegend kommt mir plötzlich bekannt vor. Und ja, ein Stückchen weiter sehe ich ein Hinweisschild zum Whitebridge Campingplatz, da war ich bereits zweimal, einmal in den 80iger Jahren und das zweite Mal 2006. Und da ist ja schon die White Bridge und kurz vorher teilt sich die Straße und über eine andere Brücke quert die schmale Straße den River Flesk

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und es geht hinein in die Landschaft, diese Strecke hat mir in 2006 vom Campingplatz aus sehr gefallen.
Also los! Meine Füße laufen wie von allein diese bekannte Strecke, war doch eine gute Idee, mir Killarney in Tagestouren wieder zugänglich zu machen.

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Das Schild gefällt mir, wer Müll in die Landschaft wirft, sollte es schon spüren.

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Es ist zwar immer noch schön hier, aber rechts und links sind neue Einfamilienhäuser entstanden und es werden mehr, je näher man der N 71 kommt.

Die kleine Straße endet zwischen dem Glen-Eagle-Hotel und einem großen Parkplatz, der neue riesige Anbau an das ursprüngliche Glen Eagle sieht richtig hässlich aus, nur weg hier. Ich entscheide mich zum Muckross Park zu gehen, das ist ein längeres Stück an der N 71 entlang, am besten wegen dem Autolärm die Ohren zuklappen und hoffen, dass man das schnell abgelaufen ist. Endlich kommt ein Zugang zum Park, nichts wie hinein und flott in Richtung See gegangen.

Endlich! Man hört sogar das Plätschern der Wellen

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Mir fällt auf, dass einige Wege, die früher u.a. aus Vogelschutzgründen gesperrt waren, inzwischen frei begeh- und für Räder befahrbar sind, was dazu führt, dass man als Fußgänger ganz schön aufpassen muss, das ist schon fast Massentourismus.

Aber der Blick auf See und Berge entschädigt etwas dafür

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Ich wende mich vom See ab und blicke auf die Ruinen von Muckross Abbey.

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So langsam komme ich in den Bereich des Muckross House, bin gespannt, ob dort noch mehr Touristenscharen herum laufen als früher.

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1976 habe ich mir noch gewünscht, hier wohnen zu können, heute nicht mehr ;)

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Bei jedem Foto bemühe ich mich, das Gewusel nicht abzubilden, beim folgendem gelingt mir das eindeutig...

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Ich überlege mir kurz, in die Cafeteria zu gehen, als ich aber die Menschenmassen und rund herum und die langen Schlangen sehen, die sich dort etwas kaufen wollen, erschrecke ich und mache mich auf den Weg zurück. Am Ausgang des Parks ist eine shutle-bus-station, die gab es früher nicht und als ich dem Fahrplan entnehme, dass heir in 5 Minuten ein Bus zurück nach Killarney fährt, ergreife ich die Gelegenheit, mit die Latscherei an der N 71 zu ersparen und fahre zurück in den Ort.
Auf dem halbstündigen Rückweg zur Pension erstehe ich noch zwei Scones und Äpfel und klingle an der Tür des Alderhaven.
Der Landlord macht mir freundlich lächelnd auf, ich sei bestimmt Kathi und er sei P. und das hier mein Schlüssel.
Ich bedanke mich und steige in mein Nest unter dem Dach.

N hat mir ein Stück Kuchen hingestellt, sie hatte morgens erzählt, dass sie am Nachmittag Besuch erwartet und ich mache mir einen Tee und genieße die Stille.

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Re: ein bisschen Irland

Ungelesener Beitrag von Sternenstaub » Sa 11. Nov 2017, 00:08

Nachdem ich schon zweimal die Weiterführung meines Berichtes verbaselt habe, weil ich das eine Mal tatsächlich nicht auf absenden gegangen bin sondern stattdessen einfach den falschen Button gedrückt habe und alles weg war und das zweite Mal mein Rechner sich vertschüsst hatte, beginne ich nach einigen Tagen der Schreibabstinenz versuchsweise damit, endlich mit meinem Bericht fertig zu werden.
Es steht ja noch die Frage im Raum, ob es am nächsten Tag tatsächlich das Gap of Dunloe wurde.

Am nächsten Morgen stehe ich frohgemut auf und bin zum verabredeten Zeitpunkt am Frühstückstisch. Norrie fragt, ob ich einen pancake haben möchte, ihr Mann stehe heute in der Küche und seine pancakes wären wirklich gut. Natürlich bestelle ich mir einen, er schmeckt überaus köstlich, das Obst darauf, davon würde ich durchaus eine zweite Portion vertragen. Gefragt, was ich denn heute unternehmen möchte, erzähle ich, dass ich nach vielen Jahren nochmals das Gap of Dunloe bewandern möchte, einmal bin ich bereits dort gewandert (1976 glaube ich), einmal habe ich die Strecke mit dem Rad gemacht und einmal mit Pferdekutsche und Boot. Ich frage N, ob es einen Bus dorthin gibt und sie eilt gleich zum Telefon und ruft im Office eines Tourunternehmers an, ja sie setzen Leute dort ab, egal, ob diese dann die Pferdekutschentour machen würden oder zu Fuß unterwegs seien. N erkundigt sich, was das kostet und fragt mich, ob das für mich ok ist. Ist ok (ich habe den Preis aber vergessen) und schon werde ich auf mein Zimmer gescheucht, weil der Taxifahrer, dessen Abholung bereits im Preis ist, in etwa 30 Minuten hier am B&B ankommen wird.
Also schnell, schnell…
Ich packe Regencape, Wasserflasche und Kamera in meine rote Tasche und setze mich wartend vors Haus. Das Taxi kommt und bringt mich in die Nähe des Tourist-Office, schräg gegenüber ist der Ticketverkauf, ich bezahle das Ticket und werde angewiesen, den einen Bus dort zu nehmen, auch wenn etwas anderes drauf stünde, der Bus führe dann später zum Ausgangspunkt des Weges durchs GoD. Ich steige ein, obwohl mir das etwas seltsam vor kommt, weil der Bus als Ziel den Torc-Wasserfall angeschlagen hat, aber ok, die werden das schon wissen.
Nach etwa 20 Minuten, es sind viele Leute inzwischen eingestiegen, braust der Bus los, wendet und fährt zum Wasserfall, worüber sich eine deutsche Familie vor mir mächtig aufregt, sie hätten doch eine Kutschfahrt durchs GoD gebucht und das wäre die falsche Richtung. Da sie gerade laut überlegen, ob er nicht nach vorne gehen soll, um dem Fahrer das zu sagen, mische ich mich ein, es hätte sicherlich seine Richtigkeit, er würde halt zuerst dorthin fahren und dann zum GoD. Ja, aber!!!! Das sei doch die falsche Richtung. Ich zähle bis drei und antworte, dass dies der Fahrer sicherlich wüsste und denke (zum Glück nicht laut): Herr, lass Hirn vom Himmel regnen!
Gerade als seine Frau und die etwa 12 Jahre alten Zwillinge ihn überzeugen wollen, dass er doch nach vorne gehen soll, so gehe das ja nicht, lässt der Fahrer die Touris für den Wasserfall aussteigen, wendet und fährt… wohin? Alle mal scharf nachdenken.
Richtig geraten, zurück nach Killarney, durch K hindurch und Richtung GoD.
Dort angekommen, mache ich mich flott auf den Weg, vorbei an dem kleinen Café, wo die Pferdekutscher auf die Gäste warten und endlich los... Ich freue mich schon, diese Strecke mag ich sehr.

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ein Schaf schaut mich freundlich aus seinem Schutzplatz an, aber vermutlich bilde ich mir das ein, es denkt sich sicherlich, wie kann die so blöd sein und hier bei beginnendem Regen fröhlich und sehr falsch pfeifend durch die Gegend gehen.

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ist es nicht herrlich hier? Das bisschen Regen stört überhaupt nicht!

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Nachdem mich zwei Kutschen überholt haben (in einer sitzt diese ominöse Familie, sie schauten wirklich bitterböse, ob der böse Kutscher den Regen bestellt hat?) kommt von hinten erneut eine Kutsche und an dieser erfreue ich mich. Zwei junge Leute, eine Frau und ein Mann reiten und das offensichtlich durchaus gekonnt, der Rest der Familie sitzt in der Kutsche, alle sehen fröhlich aus, das macht mich heiter, nicht so Miesepeter wie die anderen. Ich traue mich aber nur, sie von hinten auf zu nehmen, ich erinnere mich aber noch ganz stark an die glücklichen Gesichter der Reiter.

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Ich plaudere ein wenig mit dem Pferdchen, es hört mir sogar eine Weile zu, bevor es sich dann trollt.

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Obwohl mir leider immer wieder Autos entgegen kommen, hat diese Landschaft schon etwas meditatives, wenn man hindurch wandert.

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ein Wasserfall zu meiner Rechten fasziniert mich, ich kenne ja das Tal, so viele und reichlich wasserführende habe ich hier noch nie gesehen, es scheint wirklich sehr viel mehr als üblich geregnet zu haben.

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Es wird ein wenig heller und ein Stück weit lieblicher nun

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Ein Haus - dem Verfall preisgegeben - ich erinnere mich, hier habe ich mit meiner Schwester in 1976 Tee getrunken und scones gegessen.

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die Straße windet sich durch das enger werdende Tal

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Wenn nicht immer wieder viel zu große Autos diesen Weg fahren würden, wäre das Ganze noch viele, viele Male schöner. früher durften nur Anlieger hier entlang, außer eben Rädern, Kutschen, Wanderer, das hat sich leider geändert. Der Fluch der touristischen Verwertung.

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Ich tröste mich mit dem Gedanken, dass August und somit Hauptreisezeit ist und bei schlechtem Wetter die Leute denken: da machen wir eine Autotour. Und hoffe, dass es in anderen Monaten nicht so überfüllt ist.

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Es wird immer dunkler und dunkler, regnet heftiger - aber das passt zu meiner Stimmung - aber plötzlich sehe ich weit vor mir im Sonnenlicht einen Wasserfall leuchten

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ein geradezu magisches Licht und ich stehe da und staune, wie schön das ist.

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Leider fotografiere ich zu spät und auch generell zu schlecht, es ist mir nicht gelungen, diesen magischen Moment einzufangen, aber wenn ich zur Ruhe komme und die Augen schließe, erhasche ich ihn immer noch.

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Plötzlich erinnere ich mich, dass der Busfahrer mir beim aussteigen gesagt hat, dass um 15.00 oder kurz danach seines Wissens das letzte Boot fahren würde und ich mich somit sputen müsse. aber habe ich getrödelt? äääh, ja! Mist, erstmals schaue ich nach der Uhrzeit, das wird mehr als knapp, wenn der gute Mann recht hat.

Ich lege also etwas an speed zu und erreiche die mir bekannte Kirche, die kurz vor dem Bootshalt liegt. Es gibt dort auch ein hostel, aber ich will ja zurück in mein B&B.

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Kurz darauf sehe ich einen Mann an seinem Haus nahe der Straße und frage ihn, wie weit es etwa noch zur Anlegestelle ist, er meint skeptisch, das wäre noch ein Stück hin und das Boot vermutlich bereits weg. Ich solle doch einfach zurück kommen, wenn ich es nicht mehr erreiche, er führte mich dann nach K. ich bedanke mich und eile weiter.
Natürlich hat das Boot längst abgelegt, wie mir die Frau beim Café dort mitteilt, ich bestelle also eine Kanne Tee und ein Sandwich und überlege, was ich nun machen soll. Bis K sind es noch mehrere Kilometer, es widerstrebt mir aber den freundlichen Menschen von vorhin darum zu bitten, mich nach K zu fahren.

Herr oder Frau Buchfink

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berät mich und so entschließe ich mich, dem Wanderweg zur großen Straße zu folge und dann zu schauen, was geht.

Die weitere Wanderung ist recht anstrengend und dauert lange. Der Weg, rechts ist Sumpf und links offenes Wasser, mutiert zum Bach, an zwei Stellen läuft Wasser in meine Wanderstiefel, aber das ist eben so, stoisch laufe ich scheinbare Ewigkeiten weiter. Zum ersten Mal am heutigen Tag bin ich dankbar, dass ich mein Regencape habe, sonst schwitze ich mehr als sonst was, aber ich hätte ohne es sicherlich keinen trockenen Faden mehr am Körper.

Nach elendig langer Zeit erreiche ich die N 71 und wenn ich den Autoverkehr sehe, möchte ich am liebsten gleich wieder zurück wandern, dann sehe ich ein Schild, es sind mehr als 10 km bis K. Oh nein, bitte nicht. Das packe ich heute nicht mehr, ob ich versuchen soll, zu trampen?
wird mir wohl nichts anderes übrig bleiben.

Ich gehe also immer ein paar mehr Meter, bleibe stehen und halte den Daumen raus, aber niemand hält an. Dabei gehe ich (fälschlicherweise wie ich weiß) auf der linken Seite, als Wanderer geht man je entgegengesetzt zum Verkehrsfluss, aber wie soll ich bei den vielen Autos gleichzeitig auf der richtigen Seite gehen und darum bitten, dass mich jemand mit nimmt?
Ein Auto hält plötzlich an und ein gewichtig aussehender Mann (im wahrsten Sinne des Wortes) blafft mich an, ich ginge auf der falschen Seite, das wäre total gefährlich. Der junge Mann hinten im Auto, offensichtlich sein Sohn (das sagt mir die Ähnlichkeit) schaut mich verzeihungheischend an und ich antworte dem Herrn, dies sei mir durchaus bewusst, da ich aber einen Lift brauchen würde, ginge das nicht an. Außerdem ginge ich mit großen Ohren nach hinten und würde immer zur Seite treten, wenn wieder eine Horde von Autos käme. Der junge Mann wagt den Vorschlag zu machen, sie könnten mich doch mitnehmen, der Fahrer schnaubt ungeduldig und fährt mit einem Affenzahn wieder an. Danke fürs Gespräch, Sir!!!!
Ich bin jetzt richtig stinkig und wechsele nach einiger Zeit auf die rechte Seite, dann falle ich eben irgendwo um und sie müssen die Rettung holen, paaah!!! was geht den Idioten an, wo ich lang laufe?

Während ich einige Zeit so räsoniere und gar nicht mehr versuche einen Lift zu bekommen, hupt es plötzlich auf der linken Seite, ich schrecke auf und erblicke einen roten Sportwagen, der auf den Seitenstreifen gefahren ist. Die Gestik des Fahrers macht mir klar, dass er wissen will, ob er mich mitnehmen soll. aber ja doch. Nachdem ich zig Autos auf beiden Seiten habe vorbei fahren lassen, eile ich auf die andere Straßenseite. ich ziehe mein Cape aus und knülle es zusammen, damit ich nicht alles voll tropfe. Die Beifahrerin steigt aus und klettert nach hinten und sagt, ich solle vorne einsteigen. ok, dann mache ich das mal. Der Fahrer der schnellen Karre lächelt mich an, wohin ich denn wolle. Als ich antworte irgendwohin nach K, wohin es ihnen passt, entgegnet er nein, nein, sie führen mich schon zu meiner Unterkunft, ob ich ein B&B hätte, ich solle nur sagen, wie sie fahren sollen. als ich sage, das sei doch nicht notwendig, lacht er, er würde gerade seine gute-Pfadfinder-Tat des Tages machen und ich solle ihn nicht davon abhalten, muss ich laut lachen.
Es ist ein total witziges und entspanntes Gespräch, sie kommen aus Cashel, ob ich das kenne und natürlich sage ich ja, ich kenne es schließlich. Sie wohnen im Glen Eagle und egal, wo mein B&B wäre, sie führen mich dorthin. Er fragt, wo ich bisher denn gewesen bin und als ich vom Beara Way und Dursey Island und der Kabinenbahn erzähle, bekommt er große Augen, das sei ja klasse. Am wir zum Glen Eagle kommen, fragt er, wie er nun fahren solle und da er erzählt hat, dass ihm K nicht so gut gefalle, weil eigentlich langweilig und zu laut, beschließe ich ihn über die Straße zu lotsen, die ich gestern gewandert bin, DAS kennt er sicherlich noch nicht. Ich erzähle also während der Fahrt und er sagt, da müsse er jemand mitnehmen, um mal wirklich interessante Dinge über die Gegend zu erfahren und grinst, als er mich fragt, ob das meine gute Tat des Tages wäre. Er wirft einen Blick nach hinten, seiner Freundin würden ja die langweiligen Dinge reichen und ich denke: autsch. Da sie aber gerade an ihrem handy spielt, hat sie das sicherlich nicht mitbekommen und da er meinen Blick bemerkt hat, grinst er noch einmal. Ich lotse ihn die Auffahrt hoch und er ist offensichtlich über diesen Teil Killarneys erstaunt und als ich mich beim aussteigen bedanke, antwortet er, er habe zu danken, das wäre mal ein nettes und lustiges Gespräch gewesen, er sollte mal öfters jemanden mitnehmen.
Er wendet, winkt noch einmal und ich schließe die Tür auf.

N bemerkt, dass ich angekommen bin und fragt mich, wie ich den regnerischen Tag überstanden hätte, als ich antworte, gut und lustig, schüttelt sie lächelnd den Kopf, sie mache mir jetzt einen Tee und würde ihn gleich nach oben bringen.
Ich schaffe es gerade noch, mich umzuziehen, als sie schon klopft und den versprochenen Tee bringt. ich danke ihr und freue mich auf den gemütlichen Abend.

heute bin ich echt platt

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Re: ein bisschen Irland

Ungelesener Beitrag von Sternenstaub » Mi 15. Nov 2017, 01:22

another walk on another day

Heute ist also mein letzter Tag in Irland gekommen und ich grüble, was ich damit anfangen soll.
das Ross Castle fällt mir wieder ein, dort war ich auch bei meinen ersten zwei Aufenthalten in Irland und fand es ein wenig drohend und sehr düster. Plötzlich befürchte ich, dass es ebenfalls touristisch zu sehr vermarktet ist, aber ich muss nun hin und hoffe, dass es einfach nicht so ist.

Im Frühstücksraum bekomme ich mit, dass zwei Mädchen aus Deutschland angekommen sind, ich unterhalte mich ein wenig mit ihnen und denke unvermittelt: die sind aber nett!

Ich bestelle mir einen pancake zum Frühstück, er ist wieder köstlich. Wie üblich plausche ich noch ein wenig mit N, sie hat ihren kleinsten Enkelsohn über Nacht gehabt und erklärt, sie sei auch nicht mehr so jung wie früher. Im vorderen Frühstücksraum hängen viele Fotos ihrer großer Familie und ich frage interessiert, wen die Fotos alle darstellen, sie hat 5 Kinder und wenn ich das noch richtig weiß inzwischen 9 Enkel. Weia, das mag ich mir persönlich gar nicht vorstellen und als ich das auch so äußere, lacht sie, ja, manchmal wäre ihr das auch zu viel. Aber bald wäre ja die Saison vorbei und dann würde alles ein wenig ruhiger. Als ich spontan antworte, dass ich mir vorstellen könne, dass man froh sei, wenn endlich mal alle Gäste abgereist seien, drückt sie mich ein wenig, manche Gäste wären überhaupt nicht nervig. Das macht mich etwas verlegen, es freut mich aber natürlich.

Ich gehe nach oben und überlege, was ich mitnehmen werde auf die kurze Wanderung, eigentlich gar nix außer Kamera und Regencape. Ich folge also der Straße unten nach rechts, immer gerade aus, bis zu N 71, wieder nach rechts und erschrecke, welche Massen an Radfahrern unterwegs sind, die vermutlich zum letzten Mal vor zig Jahren auf so einem Teil gesessen haben. Offensichtlich machen alle heute eine Radtour zum Ross Castle, das wird ja was werden.
Und es wird was - das Castle deprimiert mich schlicht, so rein gewaschen, als ob es gestern erbaut worden wäre, da ist keine Atmosphäre, kein gar nichts mehr. Ich könnte heulen, aber den Massen an Touristen gefällt es offensichtlich. ok, sie wissen ja nicht, wie es war und ich werfe mir Arroganz vor, es kann halt nicht alles so bleiben wie es war.

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Aber die Aussicht auf den See kann einfach nicht verdorben werden, dafür bin ich echt dankbar!

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Ich habe zwar noch nicht wirklich Hunger, wovon auch? - bestelle mir aber in der Art Imbissbude ein Sandwich und einen Tee. Irgendwie muss ich die Zeit ja herum bekommen.

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diese Treppe ist ganz offensichtlich neu, die gab es früher nicht und führt zu den Sanitärräumen, nu ja. :mad:

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Ich beschließe, mich auf den Rückweg zu machen, offensichtlich sind einige früher gesperrte Wege heute nun offen und gehe eine ausgeschilderte Strecke ins Centrum.

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Das dauert so seine Zeit, ist aber eher unspannend, ich schaue bei der Railway und ebenfalls bei der Busstation, wann es von dort jeweils nach Dublin geht, kaufe mir noch ein Sandwich für den Abend und zwei Dosen Cider (es ist mir gerade danach) und gehe durch die Stadt, wobei ich noch Mitbringsel für meine Lieben einkaufe, zurück zum Alderhaven.

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Als ich dort ankomme und mich aufseufzend vor das Haus setze - es ist so wundervoll friedlich hier, kommt N heraus und bittet mich, doch einige Fotos von ihrem Haus zu machen, ich hätte eine wirklich tolle Kamera und irgendwie käme es nie dazu, vernünftige Fotos vom Haus zu machen. Ich erfülle diesen Wunsch gerne, kann ich doch so einiges z8urück geben für die Gastfreundschaft, die ich hier genieße!

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Als ich mich nach dem Fotoshooting wieder vor das Haus setze, kommt der Haushund langsam angeschlichen, legt sich vor mich und seinen Kopf auf meine Füße. Ein wirkliches Kompliment, denke ich.

N fragt mich, wann ich am nächsten Morgen los müsse, ihr Mann wolle mich zum Bahnhof fahren, Railway und Busbahnhof liegen nahe bei einander.

Ich verbringe noch einen gemütlichen Abend im Zimmer bei meinem Cider und Sandwich, lese einige Passagen in meinem Irlandbuch und schlafe eher spät ein.

Am darauf folgenden Morgen werde ich zu den beiden deutschen Mädels gesetzt, ich unterhalte mich wirklich nett mit ihnen und kurz darauf bringt mich Norries Mann nach der Verabschiedung, bei der ich verspreche die Fotos bald zu schicken, zum Bahnhof. Wir unterhalten uns gut auf der kurzen Fahrt und ich denke mir, der passt zu N!

Ich habe mich für den Bus entscheiden, der fährt auch gleich zum Flughafen und stehe wartend an der Busstation, als ich auf ein Ehepaar aufmerksam werde, die recht nervös sind, ob das mit dem Bus klappt und ob das richtige Steig ist. Ich beruhige sie, ja das sei der richtige Abfahrtsteig, ich hätte extra gefragt und so kommen wir ins Gespräch. Er ist wohl Ire, wohnt aber schon lange nicht mehr in Irland, sie ist Engländerin und sie wohnen in ? fragt mich nicht, ich habe es wieder vergessen, weißt nur noch, das es eine größere Industriestadt ist. Mir ist besonders ein Satz der Frau im Gedächtnis geblieben, als ich ihr auf ihre Fragen, was ich denn in Irland gemacht hätte, geantwortet habe: the people here are so trusting, now I understand my husband much better. Sie waren wohl noch niemals gemeinsam in Irland und sie sagt, es wäre eine Art Kulturschock für sie gewesen.
Der Bus kommt, wir steigen ein und ich denke darüber nach, was sie gesagt hat.
Nach vielen Stunden komme ich endlich am Flughafen an, suche mir eine Stelle, wo ich einigermaßen auf meiner Matte pennen kann, was relativ schwierig ist, kann aber doch einige Zeit schlummern, so gegen 5.00 Uhr beginnt dann das boarding und meine Zeit in Irland ist vorbei.

morgens vor dem gate - von meiner matte fotografiert....

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Fazit erwünscht?
um eine Provokation als solche zu erkennen bedarf es auch eines gewissen Scharfblicks.(Sternenstaub)

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Re: ein bisschen Irland

Ungelesener Beitrag von Peter » Mi 15. Nov 2017, 08:18

Sicher ist ein Fazit erwünscht ;-)
Und ich glaube ich muss mal nach Irland.

:elch:

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Re: ein bisschen Irland

Ungelesener Beitrag von Sternenstaub » Mi 15. Nov 2017, 23:36

aber fahr bloß nicht im August. :cool:
ich persönlich finde Mai und September am schönsten dort.

mein Fazit:
obwohl die Tour absolut nicht so gelaufen ist, wie ich ursprünglich geplant hatte, denke ich, dass ich das Beste daraus gemacht habe. Der reduzierte Zeitrahmen war ja meine Entscheidung, manches geht eben zu gewissen Zeiten nicht, da muss man Prioritäten setzen und die liegen bei mir einfach oft bei der Familie. Das heißt nicht, dass ich denke, ich müsste ständig verfügbar sein, im Gegenteil, aber manchmal muss man halt abwägen.
Die Bedingungen waren wettermäßig ziemlich außer der Norm, eigentlich diesen ganzen Sommer. Und ich bin dann realistisch genug, erstens auf die Einheimischen zu hören und zweitens zu sehen, dass es Dinge gibt, die ich halt nicht kann. Meine Höhenangst - da kann ich sicherlich noch etwas basteln, die hatte ich früher im Elbi auch, kann aber jetzt durchaus Steine auf Leitern erklettern, das war schon ein großer Schritt für mich. Und ich akzeptiere durchaus, dass ich manches einfach nicht erzwingen kann. Dann ist es eben so. Meistens bin ich aber so flexibel, eben eine andere Lösung zu finden, in Irland wird die teilweise auch für einen gefunden. ;) - das gehört für mich zum Besonderen dort.
Ich habe mal wieder gemerkt, dass mir das Vagabundieren mehr liegt, als nach einer festen Norm, einem festen und unverrückbaren Plan eine Strecke abzuspulen. Wichtig sind mir auch die Begegnungen in einem Land, etwas von der Kultur zu erhaschen, wobei ich es durchaus auch sehr mag, einige Tage ganz allein für mich durch die Gegend zu trullern.
Spannend ist es für mich, spontanen Ideen zu folgen, mir Umwege zu suchen, aber meist komme ich dann doch am Ziel an. ok, da ist einiges noch verbesserungswürdig. ;)
um eine Provokation als solche zu erkennen bedarf es auch eines gewissen Scharfblicks.(Sternenstaub)

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