Irland - eine ganz persönliche Reise

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Sternenstaub
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Irland - eine ganz persönliche Reise

Ungelesener Beitrag von Sternenstaub » Mi 11. Apr 2012, 19:46

Vorwort: Teilweise sind das einfach Erinnerungen, teils alte kurze Aufzeichnungen zu Fotos - Fotos gibt es ein paar, die ich inzwischen eingescannt habe. Ich hoffe, dieser Bericht gefällt euch.

Beim Schubladensortieren der Bilder in meinem Kopf stieß ich auf einige Fragmente. Sehr intensiv und emotional besetzt waren sie, sodass ich mich auf eine Reise in meine Erinnerungen aufmachte. Teils Verdrängtes, teils als gesicherte Erkenntnis Abgespeichertes trat da zu Tage.

Ich beschloss das Vergangene aufzuschreiben, bevor es nur noch ein Sumpf von Erinnerungen ist: - meine erste Reise nach Irland

begin with the beginning

Flüge sind zu teuer, wer fliegt 1976 schon per Linienflug dorthin? Also bringt mich am 26.06.1976 der Zug von Duisburg

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nach Zeebrügge, danach die Fähre nach Dover, der Zug nach London, der nächste nach Swansea und wieder die Nachtfähre nach Cork in Irland. Und es ist die Zeit, das Warten überall und stundenlang, die diese Reise zusammenhält. Der Weg ist letztlich wirklich das Ziel.
Meine zwei Bücher stecken im selbstgenähten Rucksack, meine Finger scheinen zu gelähmt, sie herauszuholen und so schaue und schaue und warte und warte ich. Menschen, Landschaften, Häuser ziehen am Zugfenster an mir vorbei. Dazwischen immer wieder Wartezeiten an Bahnhöfen, Fähren, niemand zum Reden dabei. Aber auch keine Lust darauf, überhaupt den Mund zu öffnen, außer fürs Trinken und Atmen.

Es ist jetzt genau 01.00, ich sitze in der Snackbar des Terminals in Zeebrügge und warte aufs Schiff. Der Kaffee belebt mich etwas. Hier ist mehr Betrieb, als ich vermutet hätte. 3 Tische weiter sitzt ein bärtiger Riese und schläft.
Es ist 5 vor 6, gerade war ich eine Stunde an Deck und sah die Sonne im Morgennebel aufgehen. Obwohl ich keine Minute geschlafen habe, fühle mich richtig gut.
Der Zug nach London ist ein regelrechter Bummelzug. Der Betrieb in der U-Bahn ist unwahrscheinlich hektisch, zweimal muss ich umsteigen nach Paddington. Als ich etwas verzweifelt einen alten Mann frage, wie ich dorthin komme, zeigt er auf eine riesige Tafel mit den ganzen Stationen, mein etwas hilfloser Blick darauf lässt ihn lächeln und er sagt: "follow me, girl." Mit schnellen Schritten geht er voraus und er bringt mich tatsächlich bis hin nach Paddington. "good yourney and greetings to the green isle". Er verneigt sich leicht und ist weg, bevor ich ihm danken kann. Gerade noch erreiche ich den zug nach Swansea.

Das Rathaus von Swansea

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Als ich zur Fähre gehe, hält auf etwa halber Strecke ein wackliges, altes Auto. ein drin sitzender Mann, klein, schmächtig, mittleren Alters fragt, ob ich zur cork-Ferry wolle. ok, move in. Am Fährhaus setzt er mich ab und wünscht mir: a very good yourney!


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Auf die Corkferry warte ich 4 Stunden. Ich gehe den Kai entlang und suche mir ein Fleckchen Gras, wo ich die Schiffe beim Ein- und Auslaufen beobachten kann und lege mich lang hin, den Kopf auf den verschränkten Armen. Es scheint mir, als ob die Zeit in Tropfen vom Himmel fällt und ich frage mich : langweile ich mich oder was ist das?
Die Zeit nimmt in meinem Kopf einen solchen Platz ein, dass ich zu nichts anderem fähig bin, als ihr zuzuschauen, wie sie vergeht. Im allerletzen Moment besteige ich die Fähre und falle in meiner Koje in einen traumlosen Schlaf, an dessen Ende wie ein Geschenk das Einlaufen in den Corker Hafen liegt.
Langeweile oder lange Weile?

So gegen 1/2 6 halte ich es nicht mehr in meiner Koje aus und gehe an Deck, gerade rechtzeitig um erstmals irischen Boden zu sehen, immer an der Küste entlang Richtung Cork

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Manchmal denke ich, dass die altmodische Art des Reisens ohne all die Fliegerei schon sehr viel für sich hatte. Man bemerkt noch die Bewegung des Reisens selber und nicht nur Start oder Landung. Vielleicht bilde ich es mir ein, aber das Ankommen ist ein anderes und der Genuss des Reisens intensiver.

Ich weiß die Uhrzeit nicht mehr, wann ich ausbooten kann, es ist irgendwas so gegen 10.00 Uhr am Morgen. Ich wandere in die Stadt hinein, noch ganz benommen von den Eindrücken der letzten zwei Tage. Die Stadt erscheint mir viel zu groß und zu laut. Damals hätte ich nicht gedacht, dass ich Cork einmal lieben würde. Aber erst ist mein Hunger zu stillen, da die Fährüberfahrt ohne Frühstück gewesen ist. Ein kleines "Old Kentucky" liegt etwas versteckt, gerade passend für meine erste Mahlzeit auf irischem Boden.

Ich bestelle toast & butter und völlig überrascht, dass so etwas in einem Restaurant angeboten wurde: ein großes Glas Milch. Echt köstlich ! Ich schultere nun wieder meinen Rucksack und hänge mir die unförmige schwarze Tasche vor den Bauch, die noch mit allerlei vollgestopft ist. Diese Taschen sind damals modern, aus Kunstleder, sehr groß, viereckig.

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Ich suche den Busbahnhof, der noch nicht so komfortabel ausgeschildert und überdacht ist wie heute. Eigentlich ist es nur eine Anreihung von Busschildern und selten steht ein Ziel daran, welches ich identifizieren kann. Ein freundlicher Busfahrer hilft mir weiter, auf seine Frage, wohin ich denn wolle, antworte ich schlicht: "to the sea", was ihn zum Schmunzeln bringt. "Take the bus to Kinsale." ok, ich suche den Bus, finde ihn nicht und nehme einfach den nächsten, der irgendwohin fährt. Hauptsache raus aus der Stadt. An der vierten Station außerhalb der Stadt frage ich den Fahrer, wo ich aussteigen muss, wenn ich hinterher nach Kinsale weiter möchte. Er guckt mich groß an. ok, in etwa die Richtung geht es, aber von X seien es doch noch mal ein 12 Meilen bis Innisshannon zu laufen, von dort aus sollte es einen Bus bis nach Kinsale. geben. Er winkt mir, als ich aussteigen muss und ich springe hinaus. Juchu, endlich laufen.
Wenn der Trageriemen dieser verflixte schwarzen Tasche bloß nicht so einschneiden würde...
Nachdem ich ca. eine Stunde gelaufen bin, bleibe ich stehen. Ob ich versuchen soll zu trampen? Alle, aber wirklich alle Leute haben mir abgeraten zu trampen. Als Mädchen alleine macht man sowas nicht und dann noch in einem fremden Land undund. Ach, alles Quatsch, die Füße beginnen zu schmerzen und ich stelle mich an die Straße und winke. Innerhalb kurzer Zeit hält ein Auto, in dem ein recht dicker Mann sitzt. Er brabbelt mich voll und ich merke, dass er mir verdammt unangenehm ist. Ab und an bewegt sich seine Hand vom Steuerknüppel weg, ich beobachte sie und beschließe grimmig, sie zu schlagen, wenn sie meinem Knie noch näher kommt. Ich muss dazu sagen, dass ich einen Jeansrock trage, nicht wirklich kurz, knie umspielend, aber weiter als bis an die Kante meines Sitzes kommt er nicht. Er erzählt etwas von einem Bankstreik, worunter ich mir nicht so wirklich etwas vorstellen kann. Und wie unangenehm das alles sei, weil er ja nicht an sein Geld könne. Sonst könne er einem hübschen Mädchen ja was ausgeben. Eine Bank, die streikt? Sowas habe ich noch nie gehört. Wie gut, dass ich einige irische Pfund eingetauscht habe, mal schauen, wie weit ich damit komme. Plötzlich meint er missmutig zu mir, ich solle besser ein besseres Englisch lernen, bevor ich andere Länder bereise. Äh, ich hab doch fast nix gesagt. Als ob ich wagen würde, ihn in seinem Monolog zu unterbrechen. Wo ich denn raus wolle? Es wäre nicht mehr weit zu seinem Haus. öh, an der nächsten Straßenkreuzung. Schade, er hätte mir ja sonst daheim einen Tee anbieten können. Örks, nein danke, ich muss wirklich weiter. Und als er mich aus dem Auto entlässt, verabschiede ich mich fast herzlich von ihm, so froh bin aus dieser komischen Situation heraus zu kommen. Sowas ist mir später beim Trampen nie wieder passiert, wie gut, dass ich mich von dem Typen nicht habe entmutigen lassen.

Von hier aus sind es nur noch etwa 2 Meilen nach Innisshannon. Die Tasche drückt und bummert immer wieder gegen Oberkörper und Hüfte. Ich bleibe vor einem kleinen shop stehen und entdecke, dass er gleichzeitig die Postfiliale ist. Nichts wie rein. Ich nehme die Kamera aus der Tasche, packe die Filme in den Rucksack, werfe sonst nur noch einen flüchtigen Blick auf den Inhalt, frage nach Klebeband, verklebe die Tasche und schicke sie nach Deutschland zurück. Porto zahlt Empfänger! Das Problem wäre gelöst. Ich kaufe noch Milch und zwei Äpfel und wandere beschwingt wieder los. Ja, ich bin komplett ohne Verpflegung in Deutschland gestartet. In meinem jugendlichen Leichtsinn dachte ich mir, dass die Menschen ja überall essen und ich schon etwas finden werde. Ich folge der Straße, die Karte meines Grieben-Reiseführers verrät, dass ich da und dort hin muss, um weiter in Richtung Kinsale zu gelangen.

Ich wandere spontan eine andere kleine Straße entlang, nicht mehr die in Richtung Kinsale, die mich zum Shippool Wood bringt. Sitze ein paar Meter ab von der Straße am Fluss, mache ein Milch-Apfel-Picnic schaue über das Wasser zu einigen Schwänen hinüber.

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Still und angenehm schattig ist es hier. Aber leider muss ich ja weiter, heute Nacht möchte ich in der Jugendherberge in Kinsale nächtigen. Heutzutage würde ich mir einfach einen netten, halb versteckten Platz suchen, um dort bis zum nächsten Tag zu bleiben, aber so weit bin ich noch nicht.
Ich verlasse den schönen, weiten Fluss und gehe zur Straße zurück
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Re: Irland - eine ganz persönliche Reise

Ungelesener Beitrag von Sternenstaub » Mi 11. Apr 2012, 19:49

Kinsale - hin und wieder fort

Als ich gerade überlege, ob ich trampen soll, hält neben mir ein kleines Auto. Ein sympathisch ausschauendes älteres Ehepaar fragt mich, wohin ich denn wolle. Als ich Kinsale sage, lacht der Mann, eigentlich würden sie ja morgen dorthin fahren wollen, hm. Die Frau redet lebhaft auf ihn ein, irgendwie kommt mir die Färbung ihres English seltsam vor. Während ich interessiert versuche mich in ihren Slang einzuhören, kommen sie zu einer Entscheidung. Sie fahren bereits heute nach Kinsale und nehmen mich mit. So bekomme ich einen Lift, der diesmal wesentlich erfreulicher ist. Sie kommen aus Australien, um genauer zu sein aus Perth und verbringen die ersten Monate nach dem Rentenbeginn damit durch Irland zu fahren. Als sie hören, dass ich aus Deutschland komme, sind sie ganz begeistert, weil seine Großmutter aus dem Schwarzwald gekommen sei. Der Black Forrest genießt in der gesamten english sprachigen Welt eine für mich fast erstaunliche Wertschätzung, immer wieder werde ich nach diesem Teil Deutschlands gefragt. Sie sind die ersten Australier, die ich persönlich kennen lerne und ich bin recht erstaunt, dass sie mich durchaus zu verstehen scheinen. Als ich von dem dicken Mann erzähle und seiner Empfehlung, ich solle mir doch schleunigst ein besseres English anlernen, lachen sie. "Honey, you are doing very well, in 3 weeks nobody knows, that ya from Germany." Na, das wage ich aber zu bezweifeln. Von 2-5 hatte ich alles mal auf meinen Zeugnissen im Fach Englisch. Dann erreichen wir Kinsale, bedauernd trennen wir uns, ich glaube ihr Bedauern ist wirklich echt - so wie meines - aber Reisende haben zu reisen. "travellers have to travel and you will be a good one, dear" Mit einem Lächeln trennen wir uns.

Von der Ortsmitte Kinsales habe ich noch ein paar Meilen zu laufen, gemäß meinem Reiseführer liegt sie in Richtung James Fort, man müsse an einem bekannten Pub vorbei "The Spaniard" und immer weiter gehen und wäre dann da. Unterwegs komme ich noch an einem shop vorbei und decke mich mit ein paar Lebensmitteln ein: bread, cheddar, apples and tea bags. Wie ich im gelesen habe, kann man in irischen Juhes selber kochen. Wobei als Kochen mir schon Wasser kochen mehr als ausreichend erscheint. ;) Bloß nicht so viel Aufwand betreiben! In dieser Beziehung habe ich mich nicht wirklich verändert, das halte ich auf Reisen noch ganz genauso.
an der Herberge angekommen, beschließe ich mich sofort ins Bett zu negeben, es ist später Nachmittag, fast Abend und ich bin überaus müde. Der warden sagt mir mein Zimmer an und ich gehe hoch und will meinen Leinenschlafsack heraus holen, der ja speziell für Juhes ist. Und? Nix da, der ist auf der Reise nach Duisburg in meiner ungeliebten schwarzen Tasche. Puh, was nun? Und ich entscheide: nichts nun, ich dusche schnell und lege mich dann einfach so unter die kratzige Decke. Das ist ein Problem für morgen!

Meine lockeren Reisepläne sehen vor, dass ich hier in der JH zwei Nächte bleibe, damit ich mir viel von der als malerisch beschriebenen Umgebung anschauen kann. Vor allem interessieren mich die zwei Forts und die Küste generell.

Nach einem wirklich erholsamen Nachtschlaf gehe ich frohgemut mit meinen paar Essenssachen in die Küche. Es ist ein sehr großer Raum, an der einen Wand stehen auf einer großen Arbeitsfläche viele kleine Gaskocher, die man zum Zubereiten der Mahlzeit benuten kann. Daneben sind noch zwei Spülbecken. In einer Ecke an der gegenüber liegenden Wand steht ein großer Kühlschrank, wo man zu kühlende Sachen hineinpacken kann und mehrere Schränke mit Geschirr. Dazwischen und am Fenster stehen lange Tische mit Stühlen. Es wuseln bereits einige Leute an den Kochern hin&her oder sitzen an den Tischen und essen. Ich hole mir erstmal Geschirr aus dem Schrank, Tasse, Teller und Besteck und setze mir in einem kleinen Topf Wasser für meinen Tee auf. Dann suche ich mir einen Platz am Fenster, an dem Tisch sitzen bereits zwei Mädel, die wohl etwa in meinem Alter sind.
Sie kommen aus Dublin und wollen das county Kerry bereisen und fragen auch nach meinem woher & wohin. Nach und nach kommen immer mehr junge Leute herein und auch unser Tisch wird voller. ZB sind zwei sehr junge Mädchen aus Deutschland dabei, die jüngere ist gerade 16 und ihre FReundin 18. Die jüngere ist recht munter und quatscht alle voll, abwechselnd auf Deutsch und English und schnorrt dabei ein bisserl bei allen. Mal hier die Wurst (die sieht ja lecker aus) und dort den Käse (meinen, jjjam, kann ich eine SCheibe haben, da krieg ich echt Hunger drauf.) Gebe ich gern und auch zwei Teebeutel gebe ich ab ;-) Sie sind wohl schon seit 2 Monaten hier unterwegs und das Geld ist sehr knapp. Gut 10 Leute passen um den Tisch, eine Mischung von Iren, Deutschen und Holländern sitzt hier zusammen. Als H (den ich so nenne, weil er aus Hamburg kommt) beginnt sich ein oppulentes Frühstück zu machen mit Schinken& Eiern, sieht man förmlich wie unser kleinen Schnorrerin das Wasser im Mund zusammen läuft. Als sie ihn fragend anguckt, zieht er die Augenbrauen hoch und sagt knapp “Nein!”
Dafür gebe ich ihr noch eine Scheibe Käse und Brot ab, hm Brot muss ich mir auch bald wieder kaufen.
Ich spüle mein bisschen Geschirr ab und gehe zur Anmeldung. Beim Vorbeigehen heute morgen habe ich da gesehen, dass es irgendeine Art von Einmalschlafsäcken geben soll. Eine Frau sitzt nun dort und ich frage sie, was sie kosten und ob sie für die Jugendherberge reichen. Den Preis hab ich vergessen, es war jedenfalls nicht sehr viel. Der hellgrüne Sack ist aus eine Art dünnem Papierflies und sieht relativ stabil aus. Ja, sie sind ja extra für Juhes gemacht, weil man keinen Draußenschlafsack verwenden darf und viele Wanderer keinen Leinensack haben, erklärt sie mir und ich erwerbe den Sack, der viel leichter ist als derjenige, den ich zurück geschickt habe. problem solved – next problem please.

Ich bringe alles hoch und lege es auf mein Bett, hänge mir die Kamera um, jetzt will ich mir erstmal die Forts ansehen. Seltsamerweise wandere ich nicht zum näher gelegenen und sehr bekannten und gut erhaltenem Charles Fort, sondern Richtung Kinsale, dort muss ich hindurch und dann immer an der Küste lang auf eine Halbinsel, auf welcher das James Fort liegt. Genau dort will ich hin. Es ist um etliches älter, halb zerfallen und soll eine schöne Aussicht bieten.
Ich wandere also über die wirklich schöne Küstenstraße nach Kinsale, vorbei auch an diesem Pub, nicht ahnend, dass ich am abend hier in der Abendsonne sitzen werde.

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Am Yachthafen treffe ich auf H, der mit Kamera und Rucksack bewaffnet ebenfalls zum James Fort will. Ob es mich störe, wenn er sich mir anschließen würde? Nö, warum sollte es auch.

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Während er recht viel erzählt, bin ich schweigsam, nicht, weil ich ihn aufgrund des Intermezzos heute morgen ablehnen würde, aber irgendwie bin ich mit meinen Gedanken weit fort.
Weil ich so schweigsam bin, spricht er mich auf das Frühstück an. Er hasse Schnorrer, egal wo und welchen Alters. Achso.
Auf seinen Vorschlag hin, trampen wir das letzte noch reichliche Stück, sodass wir lediglich eine kurze Strecke zum Fort haben.

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Ich schlage vor, dass wir jeder für uns das Fort angucken, weil wir ja vermutlich doch unterschiedliche Geschwindigkeiten hätten und ich die schlechte Angewohnheit, überall stundenlang stehen zu bleiben, um mir die Dinge anzuschauen. ok, das geht in Ordnung für ihn und ich stromere für mich über das Gelände.

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Zweimal treffen wir uns, er fotografiert unwahrscheinlich viel und ich frage ihn, ob er mit meiner Cam einige Fotos von mir machen würde, was er dann tut, wobei er sich wundert, dass ich nicht einmal einen Belichtungsmesser habe. :cool:

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H geht nochmal übers Gelände, während ich einfach dort sitzen bleibe, wo ich bin. Als er zurückkommt, fragt er ungeduldig, ob wir nicht nun zusammen wieder nach Kinsale trampen sollen, er habe Hunger und wolle essen gehen.
Nun ich nicht, Essen gehen ist wirklich nicht in meinem Etat vorgesehen. So trennen wir uns an der Straße, die von der Halbinsel wieder runter führt. Ich laufe an der schönen Kaistraße entlang, während er versucht einen Lift zu bekommen.
Auf dem Weg von Kinsale nach Summer Cove kaufe ich wieder in dem kleinen shop ein. Ein paar Kekse, scones und Käse. Brot wird bis morgen abend schon reichen, denke ich mir.
Es ist recht später Nachmittag als ich wieder an der JH bin, ich dusche mich erstmal, weil ich total verschwitzt bin und entscheide dann, doch nicht noch zum Charles Fort zu gehen. Das soll viel größer und wesentlich touristischer sein und darauf habe ich nach dem eher besinnlichen James Fort keinerlei Lust.

Beim Abendbrot treffe ich wieder die Dubliner Mädchen, auch die deutschen Mädels sind wieder dabei. Die eine konnte heute endlich das erwartete Geld abholen und hat Kuchen gekauft für alle, die so lieb waren und ihr mit Essen ausgeholfen haben. Kuchen mit Tee rundet also das Abendessen ab.
Während wir dort sitzen und uns unterhalten, kommt H (er bekommt natürlich nichts angeboten ;-) ) und fragt mich, ob ich nicht mit zum Pub wolle, es gingen eingie dorthin. na klar, gern, warum nicht. Die vier Mädchen kommen ebenfalls mit, was ihm sichtlich nicht gefällt. Das ist aber nicht mein Problem.

Da es im Pub total voll ist, holen wir uns nur Getränke und stellen und setzen wir uns entweder auf die Bank bzw dem Mäuerchen des kleinen Vorplatzes auf der anderen Straßenseite.

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hier trinke ich mein allererstes Guiness. Zwei junge Männer kommen aus dem Pub, einer mit Gitarre und setzt sich zu uns. Wir sehen dem Sonnenuntergang zu und unsere Gespräche werden von leisem Gitarrespielen untermalt. Dieser unbekannte Geschmack des Guiness und die Geräuschkulusse aus Gesprächen und Gitarremusik sind mir noch überaus deutlich in Erinnerung.
Zuletzt geändert von Sternenstaub am So 2. Nov 2014, 14:01, insgesamt 2-mal geändert.
Grund: Fotos wieder eingefügt
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Re: Irland - eine ganz persönliche Reise

Ungelesener Beitrag von Sternenstaub » Mi 11. Apr 2012, 19:50

Travellers have to travel

Nachdem ich mit zwei Guiness die nötige Bettschwere erarbeitet ;-) habe, was notwendig ist, weil in meinem Kopf so viele Gedanken herum spazieren, erwache ich am nächsten Morgen erfrischt auf, springe kurz unter die Dusche, packe meinen Rucksack und gehe frühstücken. Die meisten schlafen wohl noch, es herrscht jedenfalls fast gespenstische Ruhe in der Küche, was mir aber ganz recht ist. Gestern hat mir jemand einen Floh ins Ohr gesetzt: Cape Clear Island,
Da will ich hin, wenn es sich irgendwie ausgeht, die Fähre soll von Baltimore aus übersetzen, bis dahin müsste ich es doch eigentlich schaffen heute.
Cape Clear Island soll noch eine der ursprünglichsten Inseln Irlands sein mit überwiegend gälisch sprechender Bevölkerung. Und - ganz wichtig - es gibt eine Jugendherberge dort. Ich weiß gar nicht mehr, wer zuerst von der Insel gesprochen hat, die Entscheidung ist jedenfalls sehr schnell für mich gefallen. CCI wird mein nächstes Ziel! Ich frage den warden, welche Arbeiten ich erledigen kann, bevor ich mich auf den trip mache. Ich weiß nicht, ob das heute noch so ist, aber damals war es üblich, dass jeder, der in einer JH übernachtet, einen Teil der Reinigungsarbeiten macht. Er fragt mich, wohin ich denn will. Als ich Cape Clear! antworte, lacht er: "good decision. Moove on girl". Heute hat er keine Arbeit für mich, aber vielleicht das nächste Mal, wenn ich mal wieder da bin. Klasse, ich spüle schnell meine Frühstückssachen und mache mich auf den Weg. Bis nach Kinsale laufe ich hinein und auch wieder etwas aus dem Ort hinaus. Dann stelle ich mich an die Straße und erhalte schnell einen lift in Richtung Timoleague, es braucht aber trotzdem 2 Lifts noch, um dorthin zu gelangen. In T muss ich lange auf den nächsten Lift warten, aber der Ort ist schön und ich schaue ein wenig umher.

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und von dort nach Skibbereen. Ich bin besser voran gekommen als erwartet, irgendwann am Nachmittag soll die Fähre nach Cape Clear starten, vielleicht schaffe ich es ja noch rechtzeitig nach Baltimore. An die Leute, die mich da mitnahmen, kann ich mich nicht mehr erinnern, manchmal sind da einfach schwarze Löcher in meiner Erinnerung. Ist ja kein Wunder, wenn man die verflossene Zeit bedenkt.

Kurz hinter der Stadtgrenze von Skibbereen hält ein eleganter großer Wagen, eine schwarze Limousine, in welchem eine Dame und ein kleiner Junge von etwa 5-6 Jahren sitzen. Anders als Dame kann ich sie nicht bezeichnen, alles was ich da sehe ist eindeutig upper class. Die Ausstattung des Autos, ihre beider Kleidung, vornehm wäre da noch viel zu gering gesagt. Sie winkt mir, hinten ins Auto zu dem Jungen zu steigen, den Rucksack (er ist ja klein) packe ich zwischen uns beide. "Hi, I am Dave, who are you" "my name ist Kathi, I am from Germany"

Er mustert mich erst ausdruckslos und dann plappert er los und fragt. Ob ich da alles drinnen hätte, was ich so unterwegs brauche und wieso ich nicht mit dem Taxi fahre. Und? Und? Ich beantworte seine FRagen, so weit ich kann, während mich die Dame amüsiert im Rückspiegel betrachtet.
Irgendwie missfällt es ihm wohl, dass ich alle seine FRagen so schnell beantworte, auch wenn ich ein komisches english spreche, wie er mürrisch anmerkt.
Und fragt mich eine seiner Auffassung nach wohl extrem schwierige Frage. "Do you have a tv in your backpack?" Ich verkneife das Gelächter und antworte ernsthaft: "No, I dont own a tv, so I have none with me". "NO TV??? MUmmy, the lady has no tv!" Ich kann nicht mehr an mich halten und pruste los. Seine Mutter fällt in das Lachen ein, dann kichert auch er los.
Vergnügt fahren wir in Baltimore ein, sie bringen mich noch zum Fähranleger, Dave winkt wie ein Wilder, bis das auto um die Ecke biegt.
Nun bin ich also da. Gut!

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Wie ich an der timetable sehe, habe ich noch gute 2 Stunden Zeit, bis das Schiff übersetzt, also gehe Äpfel & Milch einkaufen und mache dann ein gemütliches Picknick auf der Mauer beim Hafen. Dabei beobachte ich das eher beschauliche Leben um den kleinen Pier. Das Schiff nach CI läuft ein, es ist recht klein. Es ist eine Personenfähre, auf der auch vielerlei Waren befördert werden.

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Ich habe gerade mein Essen beendet, als ein Auto kommt und neben allerlei Säcken jemanden auslädt. Ich staune nicht schlecht, als sich plötzlich H zu mir gesellt, er habe sich schon gedacht, dass ich auch nach CI wolle. öh ja.
Ich springe auf, denn nun können wir zum Schiff. Erst werden all die Waren eingeladen, dann können wir über eine schmale Rampe an Bord. Der Junge, der dem Schiffer hilft, verkauft uns Tickets und langsam manövriert das Schiff aus dem Hafen. Als wir den Schutz der Küste von Baltimore und der vorgelagerten Insel Sherkin Island verlassen, frischt es enorm auf. H geht in die kleine Kabine, weil es doch recht feucht wird, aber ich genieße jeden Augenblick an Deck. Es gibt wenig, was ich mehr liebe als an Deck eines Bootes irgendwohin unterwegs zu sein. Die Schiffsfahrt dauert irgendwas um 1 1/2 Stunden, heute geht es wohl um einiges schneller. aber mir kann eine solche Überfahrt eh nie lang genug sein.
Und dann sehe ich CI vor mir.

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Wir landen an, steigen aus und ich sehe mich in aller Ruhe erst einmal um. Es warten schon einige Leute am Pier, die auf Waren warten oder mit dem Schiff ans Festland fahren wollen. Es gibt Begrüßungen, Säcke mit Waren werden ausgeladen, Ziegelsteine auf Paletten verschnürt, es ist wirklich beeindruckend, was dieses SChiff alles transportiert hat. Immerhin ist es die einzige Verbindung zum Festland. Vor allem im Winter ist bei Sturm die Überfahrt nicht möglich und die Leute sind darauf angewiesen, dass sie genügend Vorräte haben.

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und ich fand eine Insel

Es ist seltsam, hier habe ich Probleme weiter zu schreiben, aber weniger, weil mir die Erinnerungen fehlen, nein, weil es gar so viele sind. Und auch (zu?) viele Emotionen daran geknüpft sind.

Einige habe ich vor einiger Zeit in einem kurzen Bericht niedergeschrieben, siehe

link kommt noch

Aber zurück zum Jahr 1976

Ich steige aus und weiß, dass dies ein Ort ist, der jederzeit und für immer auf meiner inneren Landkarte verzeichnet sein wird. Ich gehe los und bemerke nicht einmal, ob H noch anwesend ist. Er folgt mir überaus erstaunt (wie er später erzählt), als ich erst an jede mögliche Stelle des kleinen Hafens, den darüber trohnenden Friedhof mit seiner zerfallenen Kirche wandere, mich auf ein Mäuerchen setze um hinaus zu schauen, wo die Wellen des Meeres in die Einfahrt strömen. Er kommt erst wieder in meine Gegenwart, als er mich fragt, ob ich nicht langsam zu JH gehen wolle.

Die Jugendherberge? Ach so. Ja natürlich. aber ja, es ist später Nachmittag und ich muss zur Jugendherherge am South Harbour und um ein Bett für die Nacht bitten. Die Fähren landen am North Harbour, aber die Entfernung ist nicht sehr groß, auch wenn es jetzt erstmal ein Stück bergauf geht. Mit Riesenschritten eilt H voran, während ich ihm wesentlich langsamer folge. Diese Insel muss man in ihrer eigenen Geschwindigkeit erwandern und nicht sie erstürmen. Die JH ist nicht sehr groß und es gibt nur eine begrenzte Anzahl von Betten. Aber wir haben Glück und können sogar für zwei Nächte ein Bett ergattern. Normalerweise kann man nur 3 mal in der selben JH nächtigen, danach muss man wieder fort, um anderen den Aufenthalt zu ermöglichen. Für eine mögliche dritte Nacht sind leider die Plätze schon vorbestellt.

aber gut, ich befürchte eh schon, dass wenn ich nicht rechtzeitig flüchte, ich die Insel nicht mehr verlassen kann.
Ich packe meinen Rucksack aufs Zimmer und gehe zum warden, ob es hier einen shop gibt, wo man vielleicht noch etwas kaufen kann. Ja, sowas gibt es, es ist aber eine sehr kleine Verkaufsstelle im North Harbour, am Haus Nr (die Nummer hab ich natürlich vergessen) ist an einem Fenster an der Straße ein Schild SHOP, da soll ich einfach klopfen. Die Uhrzeit sei egal, solange es nicht mitten in der Nacht sei.

H, der das Gespräch mitbekommen hat, sagt, dass er mich begleiten möchte, weil er erstens selber was braucht und zweitens, wer weiß, wo ich sonst noch landen würde. Völlig irritiert sehe ich ihn an, worauf er spöttisch bemerkt, ich sei ja wohl irgendwie völlig desorientiert gewesen, als wir gelandet seien. Ach so, ich blicke gen Himmel und gehe einfach los.
Langsam nervt mich der Typ, er ist ja einerseits nett, aber ich passe nicht in sein Weltbild und er nimmt mir irgendwie den Platz zum Atmen.

Aber ok, wir gehen dann gemeinsam und fast miteinander versöhnt zum North Harbour und er läuft zwar vorbei ;) aber ich finde das eine beschriebene Fenster, ich bin gut darin, das nebensächliche zu sehen ;)

Ich klopfe und nach einigen Minuten wird das Fenster geöffnet. "whot ya wan" - nuschelt uns jemand zu.
"ok, you have cheese?" ok, irgendwas wird rübergereicht, sieht aus wie SChmelzkäse, aber is ok. "Bread?" yup, wird rübergereicht. ok, das reicht für mich. Ich zahle.
H verlangt noch dies und jenes, dies haben sie, jenes nicht. Ich kann an der Stimme nicht das Geschlecht der Verkaufsperson erkennen und amüsiere mich köstlich darüber. H scheint peinlich beührt. Warum eigentlich?
Beschwingt gehe ich zurück und ernte seltsamerweise die Frage, warum ich so renne? Ich?? rennen? neverever. Und wenn doch, mir is gerade so.

Ein Pärchen (schreibt man Pärchen jetzt mit zwei ää??) im Aufenthaltsraum - hier erinnere ich mich nicht an die Küche *g* erringt meine Aufmerksamkeit. Die Frau - schätzungsweise Anfang 40, der Mann oder besser Junge vielleicht knapp 20. Offensichtlich ein Liebespaar. Diese Konstellation finde ich spannend, H scheint wiederum peinlich berührt. Ich unterhalte mich lange und lebhaft mit den Zweien.

Tatsächlich ehemalige Lehrerin (die deswegen den Job verloren hat) und ehemaliger Schüler, der lt eigener Aussage viele Probleme hatte, aber nun "safe" ist. Was immer safe sein mag. Aber ganz eindeutig die postive Zueinandergewendetheit der Beiden. Wenn es beiden gut tut, was spricht dagegen, frage ich später H, der noch mit mir eine Runde um den Block machen möchte. Ich entspreche dem, weil ich ja nett bin, wobei mich später frage, warum eigentlich?
Er findet das unmoralisch. Würde er eine Konstellation - Lehrer Anfang 40, Schülerin etwa 20 gleichfalls unmoralisch finden? Auf diese Frage antwortet er nicht.

Ich gehe ins Bett, nachdem ich mich mit den Beiden zum Frühstücken verabredet habe.
Der nächste Morgen - ein sonniger - wir sitzen am Tisch und reden. das Paar und ich - haben uns quasi festgeredet. Sie werden diese Nacht nicht in der JH verbringen, die dritte Nacht ist vorbei, sie werden irgendwo draußen schlafen - vermutlich am Süßwassersee - die Nacht darauf haben sie schon im hostel gebucht. Die Insel hat sie gepackt. Was ich sehr gut verstehen kann. ok, vielleicht sieht man sich. Am Abend soll im Pub ein craic sein.
cu!
Als ich gerade loawandern will, erscheint H. Er habe schon gefrühstückt und würde gern mit mir die Insel anschauen. Mit mir? Ernsthaft frage ich ihn, warum nur? Ich sei so nett. Und lebendig.

hm - ganz viele Fragezeichen tun sich in mir auf. Aber ne, ich kann ihm nicht sagen, dass er mich auf eine mir nicht näher bestimmbare Art nervt.
Aber egal, all das kann mich nicht in meiner guten Laune behindern.

Lets move
Zuletzt geändert von Sternenstaub am So 20. Jul 2014, 17:55, insgesamt 1-mal geändert.
Grund: Fotos wieder eingefügt
um eine Provokation als solche zu erkennen bedarf es auch eines gewissen Scharfblicks.(Sternenstaub)

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Re: Irland - eine ganz persönliche Reise

Ungelesener Beitrag von Sternenstaub » Mi 11. Apr 2012, 19:52

Ich nehme nur meine Wasserflasche, einen Apfel und die Kamera mit, hänge mir die dünne blaue Regenjacke geknotet um die Hüften, während H sich mit einer kompletten Kameratasche und unterschiedlichen Objektiven abschleppt und auch noch einiges an Proviant und eine richtige Regenjacke mitnimmt. Es sieht zwar nicht nach Regen aus, aber das scheint seine Grundausstattung zu sein. Bei der recht geringen Größe der Insel halte ich das alles für vernachlässigungswert, aber ich warte, bis er alles "gepackt" hat. Wir gehen erst in Richtung Leuchtturm, ich verspreche mir davon eine weite Sicht über die Insel. Bei gutem Wetter kann man von verschiedenen Punkten aus den Fastnet Rock mit seinem Lighthouse sehen. Es ist noch leicht kühl, es verspricht aber ein sonniger Tag mit guter Fernsicht zu werden. Wir wandern kleine Pfade und kaum befahrene Sträßchen entlang (nur Einheimische dürfen hier ein Auto haben, diese sind meist sehr klein, aufgrund des Salzgehaltes der Luft rostig und überwiegend uralt). Es ist wundervoll außer mal einem Trekker oder einem fernen Fischerboot keinerlei Motorengeräusche zu hören.

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Als wir oben ankommen, habe ich das Gefühl noch nie in meinem Leben so frei geatmet zu haben. Ganz weit hinten am Horizont sieht man den Fastnet Rock, sehnlichst wünsche ich mir, dort einmal hin zu fahren. Ich weiß, dass er das Ziel eines sehr bekannten Segelrennen (Admiral´s Cup) ist. Ich stelle mir vor, da oben zu stehen und die vielen kleine Boote ankommen zu sehen. Damals weiß ich (natürlich) noch nicht, dass es ein sehr tragisches Rennen geben wird (1979) mit Toten, gekenterten Booten, vielen Verletzten - kann mir überhaupt nicht vorstellen, mit welcher Wucht ein Orkan in diesen doch recht geringen Meerestiefen wüten kann. Trotzdem wirkt dieser weiter Blick aufs Meer sehr beeindruckend, nicht bedrohlich, aber sehr respekt heischend.

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Obwohl die Insel nicht groß ist, streife ich mehrere Stunden umher, manche Teilstücke gehen wir zusammen, dann trennen sich wieder unsere Wege. Nach dem ersten "ich geh schonmal vor" während einer Fotografierorgie von H, weil es mich einfach auf andere Wege zieht und die ganzen Objektivwechsel und Perspektivwechsel etc mir einfach zu langweilig sind und einem darob erstaunten Blick von ihm, stromere ich einfach durch die Gegend, wie es mir grad behagt.

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Am North Harbour treffen wir mal wieder mal zusammen und suchen den kleinen Süßwassersee, der auf dem sogenannten Oberland liegen soll, ich frage einen Bauern, der uns den Weg weist. Ein boreen führt zu ihm hin, er ist wirklich etwas besonderes: ein schilfumstandener See, mehrere Meter hoch über dem Meer. Wenn man einige 20 Schritte weitergeht kommt man zu den Klippen, die steil zum Meer abfallen. Niemals würde ich vom Meer aus so hoch oben einen See vermuten.

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Am See treffen wir auf das Paar, welches sich hier schon einen Platz für ihre Schlafsäcke ausgesucht hat. Sie bringt gerade einen kleinen Kocher in Gang, um Tee zu kochen und fragt mich, ob ich gern eine Tasse haben möchte. Natürlich ja und ich setze mich zu ihr. Ihr Freund murmelt etwas freundliches, geht auf die Klippen zu, schwingt die Beine hinüber und klettert wie eine Bergziege hinunter. Mir stockt förmlich der Atem und H schaut beeindruckt und geht näher zum Klippenrand. Die Frau lacht und erklärt mir, dass sie sich das auch nie zutrauen würde, aber er würde jeden Tag hinunter klettern und im Meer schwimmen.
Ich bin wirklich und wahrhaftig beeindruckt.

Sie holt zwei Becher aus ihrem Rucksack, gibt mir einen und schüttet sich und mir Tee ein. Das tut unwahrscheinlich gut, den heißen Tee zu schlürfen und dabei abwechselnd auf den See und die Klippen zu schauen.
Der Kocher fasziniert mich und auch die Vorstellung so etwas dabei zu haben, um sich irgendwo da draußen Wasser für Tee etc zu kochen. Damals war das ja alles noch viel ungewöhnlicher und für mich, da ich ja seit meinem 6. Lebensjahr Stadtkind bin, vollkommen neu und spannend.
Da es nach dem Stand der Sonne bereits später ist (meine Uhr liegt wie üblich irgendwo herum, vermutlich auf meinem Bett), verabschiede ich mich nun mit Dank für den Tee. "Vielleicht sehen wir uns ja noch später".
ja, das wäre schön.
Im hostel zurück, verschwinde ich erstmal im Zimmer und lege mich aufs Bett. Ich weiß das noch genau, es ging mir so viel im Kopf herum .... und ich merke gar nicht ;) , dass ich einschlafe.
Erst als andere aus dem 6-Bett-Zimmer hereinkommen, werde ich wieder munter, dusche, besehe im Spiegel meinen fetten Sonnenbrand und gehe danach hinunter in die Küche. Als ich wieder mein Brot mit Käse mümmele, werde ich von H gefragt: "Isst du nie etwas anderes als Brot und Käse?" Huch? "Doch sicherlich, aber Geld is grad knapp, die Banken streiken, nech?" Was manche Leute sich für einen Kopp machen, ich werd das nie begreifen.

Aber los nun, von der JH gehen etliche nun los zum Pub, der ist auf der anderen Seite der Bucht, fast schon am North Harbour. Laut schwatzend und lachend gehen wir los, d.h. eigentlich schwatzen mehr die anderen, in Gruppen bin ich eher ruhig.
Der Pub ist sehr voll, ich hätte nie gedacht, dass SO viele Leute überhaupt auf der Insel leben würden. Wir besorgen uns nen pint of Guiness oder ein cider und dann geht es auch schon los. Direkt an der Bar sitzen ein paar (aus meiner Sicht) eher alte Männer, einer hat eine fiddle, der andere sowas wie ein Brett mit Saiten (sowas hab ich noch nie gesehen), während der dritte singt. Und wie der singt! Im Nu ist eine solche Stimmung, das hätte ich nicht für möglich gehalten. Sie singen, spielen mehrere songs und fordern dann auf, dass jeder singen, spielen könne, der dazu Lust und Freude habe. Eine Frau und ein Mann gehen nach vorne, singen ein Lied, und der fiddle-spieler macht mit und spielt dazu. gut, wirklich, aber nicht ganz so gut wie die anderen vorher. In der entstehenden Pause gehen mehrere zur Bar und holen sich neue Getränke. Die Luft ist zum Schneiden dick, die Tür wird geöffnet und köstliche Nachtluft strömt herein. Dadurch, dass sich einige Bier und Cider holen, mischt sich das ganze etwas und ich stehe nun neben einem recht alten Mann mit alten Hosen, dickem Pullover und hohen Gummistiefeln. Der zwinkert mir zu, hübsche Mädels wären heute ja hier. Und wo ich denn her käme und vor allem, wie es mir auf der Insel gefalle. Na, da fällt die Antwort wirklich nicht schwer, obwohl ich noch nicht lange hier wäre, würde ich Cape Clear schon lieben. Er lacht und sagt: jaja, wenn ich nicht so alt wäre.... würd ich dir Cape Clear schon zeigen, girl. Er erscheint mit mit Sicherheit etliche 70 vorbei, hat aber ein überaus tolles Lächeln und ich denk bei mir: boah, ne, der jetzt 45 Jahre jünger, des wärs.
H kommt herbei mit einem half pint, den will er mir ausgeben, meint er. Na gut - denn mal danke.
Ein recht dürrer Typ geht nach vorne, er hält eine tin-whistle in der Hand, der Alte beäugt ihn misstrauisch und vertraut mir an: he is a Dubliner! Seine Blicke sprechen Bände.
Und dann beginnt der Dürre an zu spielen. Und ich wünsche mich von Sekunde zu Sekunde weiter fort, das ist so kläglich falsch, selbst für meine absolut nicht wählerischen Ohren, das tut echt weh. In einer deutschen Kneipe oder Kleinbühne wäre der mit Sicherheit ausgpfiffen worden, aber erstmals erlebe ich die wirklich große Höflichkeit der Iren. Wie kann man ihm jetzt sagen, dass es absolut katastrophal ist, wie er spielt? Die Leute beginnen sich wesentlich leiser zu unterhalten als vorher in den anderen Pausen. Als der Dürre sich verneigt und dann nochmal die whistle an die Lippen hebt, meine ich neben mir ein entsetztes Stöhnen zu hören. Der alte Farmer flüstert neben mir und entschuldigt sich zutiefst für dieses furchtbare Spiel, so etwas Schlimmes hat er sein Lebtag noch nicht gehört und das seien mehr als 70 Jahre, dass er auf dieser schönen Erde lebe. Obwohl ich nur jedes zweite Wort wirklich verstehe, weil er so zornig ist, ist durch seine Mimik sein Entsetzen direkt greifbar.
Als der Dubliner stoppt, ruft der Wirt laut: last order!!! Einige gehen, auch der Dürre, aber uns Leute von der JH hält der Farmer mit einer Handbewegung zurück. "Last order is a joke, we have no police here, who should stop us drinking and singing?"
Es ist immer noch voll, aber doch schon spürbar leerer. Der Wirt holt eine andere tin-whistle von irgendwo her und winkt in unsere Richtung. Mich kann der doch wohl nicht meinen, ich blicke mich um. Der Alte lacht und geht zur Bar. Und spielt.
Steht da vorn in seinen Arbeitsklamotten und dreckigen Gummistiefeln und spielt. Der fiddle-Spieler gesellt sich zu ihm, sie spielen offensichtlich bekannte Lieder, weil mehrere der Einheimischen laut mitsingen oder auf den wenigen Tischen mitklopfen oder Tanzschritte machen. Auch wir von der JH machen weitgehend mit, es ist einfach nur klasse, klasse, klasse.

Weit nach Mitternacht, nachdem die Music stoppt, leert sich der Pub immer mehr und auch ich beschließe zu gehen. Ich bringe mein Glas zurück an die Bar, Mr tin-whistler lächelt mir breit zu: "Was that a craic???" Aus vollem Herzen antworte ich: "YESSSS!!!! "
Er lacht und sagt etwas auf gälisch, was überaus freundlich klingt.
3-4 von der JH sind schon vorgegangen, einige noch da. Ich gehe hinaus in die klare Nacht, ich könnte tanzen und singen. Es ist zwar sehr dunkel, aber ich erkenne mühelos den Weg.

Ich bin nur wenige Meter gegangen, als hinter mir jemand ruft. H ist scheinbar auch noch geblieben, irgendwie scheine ich ihn immer zu vergessen bzw nicht zu bemerken. ich warte also, damit wir zusammen gehen können. Er fragt, ob es mir nicht zu dunkel sei, bevor ich etwas sagen kann, fasst er nach meiner Hand. Oh. Irgendwie ist die Situation angespannt und ich höre, wie er heftig neben mir atmet. Was nun? Aber in mir ist so viel Lachen heute Nacht, dass ich etwas davon weitergeben muss. Ich küsse ihn recht lange, aber bevor er sich vielleicht etwas darauf einbildet, löse ich mich von ihm und gehe einfach weiter.
Der Warden hat für uns die Türe offen gelassen, sodass wir problemlos ins Haus können.

Später am nächsten Morgen schreibe ich in mein Tagebuch und einiges später, was ich da schrieb auch ins Album zu meinen Fotos:

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Re: Irland - eine ganz persönliche Reise

Ungelesener Beitrag von Sternenstaub » Mi 11. Apr 2012, 19:54

]The leaving -

Am nächsten Morgen bekomme ich vom warden die Aufgabe, die Küche zu putzen, was ich nach dem FRühstück dann auch schnell mache, bevor ich mich von den anderen verabschiede, meinen Rucksack schultere und langsam zum NorthHarbour gehe.
Das Schiff wird mich heute wieder zum Festland bringen. Meine Stimmung ist eine ganz seltsame, einerseits kann ich nicht schnell genug fortkommen, andererseits habe ich bereits jetzt Sehnsucht nach der Insel. Nach meiner Insel, das wird mir klar, als ich auf dem Bänkchen vor dem Friedhof sitze.
Mit Riesenschritten kommt H angeeilt, wieso ich denn fortgelaufen wäre. Wir nähmen doch eh die gleiche Fähre.
Ich antworte darauf nicht. Was könnte ich schon sagen, außer dass ich mich allein von Cape Clear verabschieden will.
Da er mich fragend und auch leicht verletzt anschaut, versuche ich es zu erklären.
"Du verabschiedest dich von einer Insel?" Er guckt erst fassungslos, dann verdreht er die Augen. Am liebsten würde ich ihn irgendwo in der Bucht versenken, aber das wäre echt zu viel Aufwand.
"Du gestattest, ich gehe noch ein paar Schritte allein..." Ich springe auf, würdige ihn keines Blickes und gehe schnellen Schrittes das Hafenbecken entlang bis zum äußersten Zipfel und sehe den kreischenden und wilde Flugmanöver ausführenden Möwen zu. Der Wind weht mit Macht und ich stelle mir vor, dass er zum Sturm wird und ich hier bleiben kann, so lange ich es will.
Doch da sehe ich das Schiff herannahen, bald schon muss ich fort. Als es an mir vorüberfährt, drehe ich mich um und beobachte, wie es anlegt. Inzwischen sind eine Menge Leute gekommen, etwas über 20 werden es wohl sein, auch einige von der JH sind dabei. Widerwillig gehe ich zum Anlegesteg und fast als letzte über die wacklige Holzplanke an Bord.
Als wir die Bucht verlassen, brist es sehr auf und ich bin nahezu allein auf dem Vorschiff. Nur zwei ältere Männer stehen dort und schauen zurück zur Insel. Als es zu regnen beginnt, gehen sie hinein, der eine stoppt bei mir: "saw you at the Craic, girl. Dont be sad, you will come back"
Und ich stehe dort im Regen und bin glücklich.
Als mir doch langsam die Nässe bewusst wird, ziehe ich meine Regenjacke über. Eigentlich bringt das nix mehr, aber es ist mir so egal. Wer nass wird, wird auch wieder trocken.

Ich steige bewusst unter den letzten aus und ja, richtig spekuliert, H eilt die Straße hoch, damit er den ersten guten Lift bekommt. Ich lasse mir Zeit, schaue mir das Städtchen genauer an und stelle mich, inzwischen fast wieder getrocknet an die Straße. Weiter in Richtung Süden will ich, mal schauen, wohin es mich heute verschlägt. Ich habe drei, vier Lifts, an die ich mich aber nur noch vage erinnere, der letzte bringt mich dann nach Bantry. Über Bantry steht sehr viel in meinem Reiseführer, aber das ist mir eigentlich alles zu viel und ich beschließe so bald als möglich weiter zu trampen.

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Ich wandere an der schönen Baistraße aus Bantry hinaus, vielleicht gehe ich ja einfach so weiter. Da das hier eine Nationalstraße ist, ist es etwas lauter und befahrener und ich überlege, ob ich mich einfach so nach links halte und nicht der großen Straße nach Glengarrif, Kenmare folge. Da hält neben mir ein Auto an, welches sehr neu aussieht. Und der Typ, etwa Anfang 40 quatscht mich auf Deutsch an. Jaja, man sähe, dass ich Deutsche sei, wer läuft hier sonst schon als Mädel mit einem Rucksack herum. Haha. Ob er mich ein Stück mitnehmen solle. Nuja, warum nicht. Ich steige ein. Er komme gerade vom Golfplatz, fahre nun nach Glengarrif ins Restaurant und dann führe er zurück zu einem kleinen Kaff, wo er sich ein Bungalow gemietet hätte. Mit dem Mietwagen sei er nach dem Flug von Dublin hierhin gefahren. Das nächste Mal würde er sich aber etwas suchen, wo mehr los sei. Und bei allem erzählt er , was er wofür bezahlt hat und das zwar alles spottbillig ist, aber für mehr Geld bekäme man vermutlich eine bessere Leistung. Nachdem er mich einige Zeit zugetextet hat, fragt er, woher denn ich komme. Ich erzähle ihm ein bisserl von mir. Das ist sozusagen die Gegenleistung fürs Mitnhmen, den Fahrer zu unterhalten. Das ist immer so, stört mich nicht, im Gegenteil, aber der Typ is mir doch ein wenig suspekt. Was interessiert es mich, was er für seine Hütte bezahlt hat und dass der Bankstreik ihm überhaupt nichts ausmache, weil er mehr als genug Geld dabei habe. Achja, der Bankstreik solle in zwei Tagen enden.
Ob ich denn noch genug Geld habe. Öh ja, es reicht. Und ich begehe den Fehler zu antworten, dass ich tatsächlich noch 10 Pfund hätte und das bis Killarney doch dicke reichen würde. Inzwischen sind wir in Glengarrif angekommen, stehen vor dem Hotel, wo er essen will. Er redet auf mich ein, dies wäre doch viel zu wenig, das ginge doch gar nicht. Er lade mich zum Essen ein, ich könne bei ihm übernachten und bleiben, bis der Bankstreik vorbei sei. Ob das nicht ein gutes Angebot wäre? Und streicht mir dabei leicht übers Bein. Ob er meint, das wirke anturnend?
"Mist" denke ich genervt, wie komme ich da nun wieder heraus. Ich steige aus, nehme meinen Rucksack vom Rücksitz und bedanke mich, dies wäre ja wirklich ein sehrsehr nettes Angebot, aber ich hätte noch mehr als genug Käse&Brot&Tee und die JH koste nun wirklich nicht die Welt. Außerdem würde ich aus Prinzip nicht mit unbekannten Männern irgendwohin gehen... *Zwinker, Augenaufschlag*
Und weg. Richtig böse schaut er hinter mir her, aber das is mir nun wirklich egal. Wie blöd können Kerle nur sein? Mindestens 30 kg Übergewicht, viel zu alt, kann seine Griffel nicht bei sich behalten und das soll jetzt auf wen anziehend wirken?

nuja - egal, ich gönne mir ein Eis am kleinen Lebensmittelladen und wandere vergnügt ans Ortsausgangsschild. Es ist irgendwas am späten Nachmittag, ob ich es noch nach Bonane schaffe, wo eine JH liegt?
Ich wandere immer wieder ein bisschen durch die hügelige Landschaft, bleibe dann mal wieder stehen, gehe weiter. Immer dann, wenn ich grad gehe, kommen Autos vorbei. Dann an einer Straßeneinmündung habe ich keine Lust mehr und warte etwas länger. Das dritte Auto stoppt, ein Ehepaar mit 3 Kindern stopft mich irgendwie noch ins Auto und fährt mich direkt bis zur JH. Ich bedanke mich und winke hinterher. Es ist nahezu Abendbrotzeit, der warden weist mir ein Bett zu, erklärt aber bedauernd, dass die Wasserleitung seit ein paar Tagen defekt sei. Aber man hole das Wasser immer aus den Fluss. Gleich geht er mit einigen Leuten los, um wieder welches zu holen, wenn ich mitwolle, solle ich mich beeilen.
Klar doch, ich werfe meinen Rucksack aufs Bett, nehme meine Wasserflasche und eile zurück. Inzwischen stehen etwa 10 Leute parat mit allerlei Gefäßen bewaffnet, auch ich bekomme noch eine große Henkelkanne.
Der Weg dauert etwa 15 Minuten über einen schmalen Weg und Wiesen. Wir stehen am Fluss, der eher ein Flüsschen ist und versuchen auf Steinen balancierend unsere diversen Gefäße zu befüllen. Zwei Jungen fallen dabei ins Wasser, mit viel Gelächter helfen wir ihnen wieder heraus. Bei der Rettungsaktion sind wir alle auf seltsame Art und Weise nass geworden, da es aber immer noch sehr heiß ist, stört das niemanden.
Also los, alles zurück geschleppt, wobei wir mehrmals stehen bleiben, es ist doch ungewohnt eine große Kanne oder mit jemand anderem eine riesige Blechwanne zu tragen.Wir tragen das alles in die Küche, damit sich jeder nehmen kann, was er braucht. Zu meinem Erstaunen sehe ich H an einem der Tische sitzen und wie immer ein oppulentes Mahl verzehren. Meine vielleicht etwas unfreundliche Frage, woher er denn das Wasser habe, (mehr fiel mir im Moment nicht ein) kontert er, man habe ihm schon in Glengarrif erzählt, dass es kein Wasser gäbe und so habe er sich 3 Flaschen mitgebracht, Flusswasser würde er allenfalls zum Waschen nehmen.

Für einen kleinen Moment scheint das Wunder, dass es hier einen Fluss gibt, dessen Wasser man trinken kann zu verblassen, aber dann sage ich nur, er habe einen echten Spaß versäumt. Ich habe mir gerade Wasser gekocht, als die beiden Dubliner Mädchen, die ich zuletzt in Kinsale gesehen habe, hereinkommen. Gerade seien sie erst angekommen, ob ich ihnen zeigen würde, wo der Fluss denn sei. Da sie recht müde aussehen, gebe ich ihnen etwas von meinem Wasseranteil ab. Fürs Frühstück können wir ja wieder neues holen.
H geht mit einem deutschen Pärchen, die er wohl unterwegs getroffen hat in den Ort zum Pub, der etwa 2 Meilen entfernt ist und fragt, ob ich mitkommen wolle.
Ne, will ich nicht. Für son Kram gebe ich doch kein Geld aus, außerdem habe ich absolut keine Lust mir Vorträge über eventuell verkeimtes Wasser anzuhören, womit er die beiden Deutschen am Nachbartisch so nett während des Abendbrotes unterhalten hat.
Als ich dann in meinem Bett liege und an den Fluss denke, dessen Wasser man wundervollerweise trinken kann, entschließe ich, noch eine weitere Nacht hier zu bleiben. Auch wenn ich meine Insel verlassen musste, habe ich diesen Fluss gefunden.
Vielleicht wandere ich ein wenig in den Bergen herum oder oder. ..
Vielleicht hole ich mir auch Extrawasser zum Waschen von etwas Wäsche. Ich wasche immer mal wieder einen Slip oder ein Tshirt aus, aber vielleicht sollte ich doch mal alle drei Thirts und alles, was riecht waschen, ich habe ja noch eine Art Hemdchen, was ich tagsüber tragen kann, bis das alles trocken ist. Während des Plänemachen schlafe ich ein.

-der Rest kommt später-
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Re: Irland - eine ganz persönliche Reise

Ungelesener Beitrag von Sternenstaub » Mi 11. Apr 2012, 21:24

fietsen is moi

Früh wache ich auf, wasche mich ntowdürftig mit etwas Restwasser und mit 3-4 anderen mache ich mich auf den Weg, neues Wasser zu holen. Die Dublinerinnen sind dabei und noch zwei andere Mädchen. Der Himmel ist wolkenlos und es verheißt wieder ein heißer Tag zu werden.

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Als wir gemütlich Tee trinkend in der Küche sitzen, kommen auch langsam die anderen, einige wollen bereits heute wieder weiterziehen, z.B. das eine deutsche Paar, wie ich jetzt erfahre sind sie mit Rädern unterwegs und wollen heute noch nach Killarney. Wir unterhalten uns über ihre Tour, H kommt hinzu und fragt, ob ich Lust hätte zu radeln. Das würde ihm mehr liegen als das Wandern.
Radeln? oh ja, ich liebe es mit dem Rad unterwegs zu sein, aber wo bekommt man welche hier in der Einöde.
Also Räder bekäme man in Glengarriff - H wird sogar richtig munter, als er das erzählt und als ich ihn kritisch frage, wie er es hier mit Flusswasser aushalten würde, lacht er sogar. hm
Also ok, heute wird geradelt.
Aber erst hole ich noch einmal Wasser und wasche meine paar Sachen. Das ruft gleich wieder einen kritischen Kommentar von H hervor, er habe 10 ! Hemden und genügend Wäsche für etwa 10 Tage dabei und vermutlich in Killarney würde er das alles in einem Waschsalaon waschen. Wieso ich denn waschen müsse? Vermutlich sei mein Rucksack zu klein.örks. 10 Hemden???? Kein Wunder, dass der Junge einen kolossal riesigen Rucksack mit außengestellt trägt, da würde mühelos auch ein TV hinein passen. Was für ein sChwachfug, denke ich mir, bin aber zu höflich, es zu sagen. Und ab heute nenne ich ihn innerlich nur noch "den Jungen". Hallo, wir leben hier im abenteuer und er nimmt 10 Hemden mit! Was für ein wunder, dass er nicht 40 kg auf dem Buckel trägt - nu ja - er trägt das ja nur kurzzeitig - kein wunder, dass er nicht wandern mag.
Ich ziehe mein Hemdchen an, heute würde man dazu wohl Top sagen, wasche alles durch und lege es aufs Fensterbrett.
Und bin bereit für jedes abenteuer.
Ein netter älterer Herr aus NY nimmt uns mit und setzt uns genau in der Ortsmitte von Gleng ab. Meine besondere Sympathie gewinnt er, als er darauf besteht, dass "the young lady shall sit on my left side". Warum Männer immer meinen, sie müssten sich neben den Fahrer setzen, während ide Mädels hinten Platz nehmen müssen, hat sich mir noch nie erschlossen. Als H einwendet, er spräche besser entlisch (ach ja????), lacht der Fahrer, ich wäre aber hübscher. Der Kommentar von H hinterher: "musstest du so mit ihm flirten?"
Ja, musste ich, machte dem und auch mir Spaß. whot the fuck, geht ihn das an?
Es kriselt leicht, aber das Fahren auf der schönen Küstenstraße, die erst anstrengend, dann aber nur noch schön ist, mildert die Spannungen. ;)
Wie man hier an den Fotos sehen kann.

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Wir radeln bis nach Bantry, um die ganze langgestreckte Bucht herum und auch noch etwas hinaus. In Bantry kauft H sich eine tinwhistle, zu meinem Erstaunen scheint er recht musikalisch zu sein und erfreut sich auch an den im Musikergeschäft ausgestellten Gitarren. Hätte nicht gedacht, dass er spontan genug ist, um sich an Musik zu erfreuen. Als wir dann nach einem überwiegend erfreulichen Tag (ok, H kaufte noch 5 Flaschen Wasser und ich keine ;) ), dachte ich so bei mir: SO übel ist er gar nicht.

Am späten Nachmittag bekommen wir sofort einen Lift zur JH und ich vergnüge mich noch mit den anderen, indem wir im Halbdunklen zum Fluss gehen und dort ein wenig mit den Füßen im Wasser plantschen. Auch an diesem Abend gehe ich nicht mit zum Pub, sondern gleich nach dem packen meines Rucksackes für morgen ins Bett. Warm und angenehm müde schlafe ich ein.

Killarney und ein bisserl weiter -

Der nächste Morgen findet mich schon früh am Fluss, ich wasche mich, weit und breit ist kein menschliches Wesen zu sehen. Wie gut das tut. Das Waschen aber auch die Stille. Ich setze mich auf einen Stein am Fluss, halte die Füße hinein und denke nach. Das entwickelt sich alles in eine Richtung, die mir unbehaglich ist. H hat mich gestern gefragt, ob ich nicht Lust hätte, erstmal nach Killarney und dann nach Valencia Island mit ihm zu trampen. Wir kämen doch gut miteinander aus und zu zweit sei es doch sicherlich schöner als alleine. Ist das so? Eigentlich fühle ich mich allein wohler, fühle mich vereinnahmt. Als ich das erwähne, schüttelt er mal wieder den Kopf über mich. Es wäre doch nichts dabei und würde doch keinen von uns verpflichten. Man könne es doch einfach versuchen.

Mit dem Wasser für Tee und meiner inzwischen fast schon persönlichen Kanne wandere ich langsam zurück. Der Tee schmeckt köstlich, das obligatorische Brot mit Käse ebenfalls zwinkern - langsam wird Geld und auch Nahrung immer knapper und in K ist auch eine Bank. Vielleicht wäre es doch am vernünftigsten, nicht noch einen Tag länger zu bleiben, sondern wirklich mich um Bargeld zu kümmern. ok, also erstmal bis nach K H strahlt, als ich ihm meinen Entschluss mitteile, das wäre doch schon einmal was. hm Ich frage beim warden, ob er eine Aufgabe für mich hat und fege zwei Schlafräume und den Flur aus, als ich fertig bin, ist auch H aufbruchbereit. Wir stellen uns an die Straße und bald schon hält ein kleines Wohnmobil. Sowas habe ich noch nie von innen gesehen und ich bin ganz begeistert von diesem kleinen Heim auf Rädern. Ein Paar, so in den Dreißigern - sie kommen aus England und wollen einen verlängerten Wochenendausflug mit ihrem Mobil machen und die Gegend um K anschauen, die ja so berühmt ist. Sie hätten das Mobil erst neu und würden nun allerlei Reisen unternehmen. H guckt skeptisch, was ich aber ignoriere und mich mit den Beiden - hauptsächlich mit der Frau unterhalte. Über Kenmare fahren wir an der Küste entlang und dann die Passstraße hoch zum Molls Gap, wo wir eine erste Pause machen und im guest room einen Tee trinken und scones essen. das kann mir zwar überhaupt nicht leisten, es reicht gerade eben noch für diese Köstlichkeiten, aber irgendwie ist mir das völlig egal. Es wird schon irgendwie Geld in K aufzutreiben sein. Die scones sehen so überaus köstlich aus. Mir sind die beiden sympathisch und so beantworte ich ihre Fragen nach woher&wohin, bevor wir weiter zum Ladies View fahren und kurz darauf ein zweites Mal an einem kleinen Parkplatz halten, um uns etwas die Beine zu vertreten.

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Da wir zur JH wollen fahren sie durch den Ort und setzen uns genau vor ihr ab. Ich bedanke mich herzlich und wünsche ihnen viel Spaß noch, während H recht einsilbig ist.

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Als allererstes frage ich den warden, ob denn der Bankstreik endlich vorbei ist, weil ich überhaupt kein Geld mehr habe und er antwortet mir lächelnd, dass er heute endlich selber auch welches abholen konnte. So etwa 2 Stunden wäre noch geöffnet. Ich bringe also schnell meinen Rucksack aufs Zimmer, um noch die paar Meilen zurück nach K zu laufen. Wie nicht anders zu erwarten geht auch H zur Bank.
Misstrauisch frage ich ihn, ob er mir etwa auflauert, was ihn sichtlich empört. Auflauern wäre doch wohl echt zu viel gesagt, aber wenn wir doch beide zur Bank müssten, wäre es doch sinnvoll/normal, wenn wir zusammen gingen. ok, das ist nicht ganz falsch und so wandern wir zurück in den Ort, der damals noch wesentlich überschaubarer ist als heute. Die Bank ist schnell gefunden, sie ist tatsächlich geöffnet und ich löse doch recht erleichtert einen Euroscheck ein. Ja, das hieß damals schon Euroschek - bezogen auf Europa-Scheck und nicht etwa den damals nicht einmal angedachten Euro ;).
Wir machen einen einen kleinen Schaufensterbummel, was so lange lustig ist, bis H mich fragt, ob ich mir nicht neue Schuhe kaufen wolle? Auf meinen mehr als fragenden Blick sagt er nicht ganz unberechtigt, dass vielleicht doch mehr als ein paar leichter Stoffschuhe - damals auch Segelschuhe genannt - gut wären und da wären doch ein paar preiswerte Sandalen. Sogar mit Absatz. was mich nun wirklich an seinem Verstand zweifeln lässt, was brauche ich beim Wandern und Trampen Schuhe mit Absatz???? Ob ich mir auch noch Schminke und ein kleines Schwarzes kaufen solle, frage ich ihn sarkastisch und er meint doch allen Ernstes, da sähe ich bestimmt nicht schlecht drin aus. arrggh
Also Schuhe kaufen IST nicht, ich halte das für eine unnötige Geldausgabe und wer weiß, wo ich das nächste Mal an Geld komme. Durchaus nicht jeder Ort hat hier eine Bank und unter Umständen kriege ich erst in einer Woche wieder Nachschub. Dafür lasse ich mich aber überreden in einen kleinen Imbiss zu gehen, der mir preiswert genug erscheint und hier verblüfft er mich vollkommen.
Also die Leute vorhin - das Paar da - denen würde nie und nimmer dieses Mobil gehören. sowas wäre total teuer, das wäre sicherlich nur gemietet und sie würden nur angeben wegen ihren Jobs und der Wochenendreise. Ich bin echt perplex. Was soll das? Ist doch unwichtig, ob ihnen das nun wirklich gehört und das sind doch alles bloß Vermutungen, die er äußert. Außerdem ist es vollkommen egal! Und weder in die eine noch in die andere Richtung beweisbar. Was kümmert mich der Scheiß? als ich das wortwörtlich sage, ist er beleidigt.
Schweigsam gehen wir zurück. Ich verziehe mich bald aufs Zimmer, aber nicht bevor ich nicht die heiße Dusche genossen habe.
Und wieder ein Tag rum. Was mache ich morgen? Versuchen, H zu "entkommen"? Nach Valencia Island? Dort soll es sehr interessant sein. Mein Grieben-Reisefühter erzählt etwas über die erste Verbindung nach Amerika per Telegraph, irgendeinem wichtigen ersten Flug und viele Auswandererschiffe, die von Valencia gestartet sind.
Weiß nicht, morgen ist morgen. Mal sehen.
Zuletzt geändert von Sternenstaub am So 2. Nov 2014, 14:55, insgesamt 2-mal geändert.
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Re: Irland - eine ganz persönliche Reise

Ungelesener Beitrag von Peter » Mi 11. Apr 2012, 23:01

Wunderbar... ob ich eine Reisebeschreibung aus den frühen 80ern noch hinbekomme...?

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Re: Irland - eine ganz persönliche Reise

Ungelesener Beitrag von troubadix » Do 12. Apr 2012, 00:23

Habe deinen schönen Bericht wieder mit Freude gelesen. Mir gefällt er auch deswegen, weil es auch "meine" Zeit ist.

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Re: Irland - eine ganz persönliche Reise

Ungelesener Beitrag von Erny » Do 12. Apr 2012, 04:53

Peter hat geschrieben:Wunderbar... ob ich eine Reisebeschreibung aus den frühen 80ern noch hinbekomme...?
Ich hatte Sternenstaubs Reisebericht schon bei ODS bewundert.
Nachdem ich den Bericht bei ODS gelesen habe, hatte ich mich mal selbst versucht - und kläglich aufgegeben.

Ich bekomme nur noch einzelne Erlebnisse zusammen. Der Sturm 1977 in Schottland auf dem Berg. Irland 1978, die Übernachtung in der alten Schule.Finnland, 1979die Sommerwanderung durchs Moor, auf Winterwanderwegen. Irland, 1980, abends neben dem Fluss auf einem Hügel gezeltet, am nächsten Morgen, im Fluss. usw. usw.

Aber so richtig eine Tourenbeschreibung von damals. - Da ist bei mir von damals einfach zu viel weg. - Leider.

Erny

hikingharry

Re: Irland - eine ganz persönliche Reise

Ungelesener Beitrag von hikingharry » Fr 13. Apr 2012, 21:23

Danke für diesen wunderschön geschriebenen Bericht. Dieses "Zeit" genießen war schon etwa Besonderes.

Gruß hikingharry

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Re: Irland - eine ganz persönliche Reise

Ungelesener Beitrag von Sternenstaub » Fr 13. Apr 2012, 23:35

lieben Dank für eure Kommentare.

Morgen gehts weiter.
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Re: Irland - eine ganz persönliche Reise

Ungelesener Beitrag von Sternenstaub » Sa 14. Apr 2012, 14:01

Gut gelaunt wache ich auf und entschließe mich einen easy going Tag einzulegen. Am Frühstückstisch sitze ich mit zwei deutschen Mädels zusammen, die vorgestern per Rad übers Gap of Dunloe nach K gekommen sind. Rad fahren? Eigentlich hätte ich dazu schon Lust. Vielleicht gehe ich heut nach K und leihe mir dort ein Fahrrad. Als ich ihnen gerade erzähle, dass ich mir das überlege, kommt der inzwischen schon obligatorische H und verkündet, dass er das eine prime Idee findet und mitfährt. langsam resigniere ich. ok, dann kommt er eben mit. Der, der Junge!!
Offensichtlich ist es unmöglich ihn abzuschütteln, er hat mich scheinbar irgendwie adoptiert und ich werde mir verdammt nochmal nicht dadurch die Laune verderben lassen.
Manchmal verfluche ich mein viel zu friedliches und geduldiges Selbst.

Wir wandern also gemeinsam nach Killarney hinein und finden bald auch einen Shop, wo Räder zu mieten sind. Auch damals war Killarney durchaus schon touristisch, aber im Vergleich zu heute ist es echt noch ein beschaulicher Ort. Ich schlage vor, dass wir erst zum Ross Castle, dann in den nationalpark hineinfahren, später bis Molls Gap hoch (das ist schon eine ganz schöne Steigung) und von dort mal gucken, wohin. Wir fahren also an der mächtigen Kirche vorbei, die mir für diesen kleinen Ort viel zu groß erscheint, fast schon bedrohlich.

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Danach biegen wir zum Ross Castle ab, bleiben aber nicht lange, da gerade eine Busladung Touristen dort aussteigt und radeln zum Eingang des Muckross Park

Mit Blick auf den See macht wir eine kurze Rast.

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fahren dann zur Muckross Abbey und gehen über den kleinen Friedhof und durch die Ruinen.

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wir kommen zum Muckross House und ich verliebe mich in dieses Anwesen, direkt am Muckross Lake gelegen. Später werde ich noch öfters hierhin kommen und obwohl die Besucherströme immer stärker werden mit den Jahren, liebe ich noch immer dieses Haus und seine Lage.

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Wir schieben die Räder hinüber zum Torc-Wasserfall, schließen sie dort an und klettern etwas den Weg am Wasserfall hoch. Schön ist es hier und von einer kleinen Plattform aus hat man einen wundervollen Blick über die Seen.

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Vom Wasserfall radeln wir über Ladies View, einem sehr bekannten und meist überfüllten Aussichtspunkt mit Café etc, wo wir aber nur kurz anhalten bis hoch zum Molls Gap. Das ist ganz schön anstrengend, die Steigung ist schon enorm. Am Gap kann ich mich nicht satt sehen, die Aussicht ist wirklich atem beraubend.

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Leider sind nun die Batterien in meiner Kamera recht leer und es gelingt mir auf dieser Tour kein weiteres Foto mehr. Also muss ich morgen unbedingt einen Fotoladen finden, um neue zu kaufen. H schlägt vor, weiter nach Kenmare zu radeln. Diese Strecke hier sind wir ja bereits mit den britischen Wohnmobilisten gefahren und vor allem sei es weiter als die Strecke, die die deutschen Mädels gefahren sind. Häh? Was spielt denn das für eine Rolle?
aber ok. Von Molls Gap ist das Radeln relativ easy, es geht zwar immer mal wieder auf und ab, aber die Steigungen nehmen nicht mehr so abrupt zu wie auf der Strecke zum Gap. Kenmare liegt etwa 35 km Luftlinie von Killarney entfernt.

Als wir dort ankommen ist es mir viel zu laut und zu hektisch, deswegen kaufe ich nur ein paar Souvernirs für die Daheimgebliebenen und dann machen wir uns auf die Rückfahrt. Auf dem Rückweg sehe ich wie eine Frau nahe der Staße in so einen seltsamen Sack kriecht, mein erstes Zusammentreffen mit einem Biwaksack, ich bin total fasziniert und würde sie am liebsten ansprechen, aber mein Begleiter findet das unmöglich. Ich könnte ihn irgendwohin treten. Das Leben könnte so einfach sein, wenn manche Menschen nicht so seltsam wären. Morgen werde ich garantiert alleine los trullern, das schwöre ich mir.
Die Fahrt entlang der Straße nach Molls Gap versetzt mich aber wieder in gute Laune, ich liebe es durch Wind und Wetter zu fahren. Am Gap verschnaufen wir etwas und dann geht es diese steile Passage hinter nach Ladys View. Die Strecke ist recht eng und führt durch mehrere kleinere und einen größeren Tunnel. Als mir ein Reisebus im Tunnel entgegenkommt, kriege ich doch das große Flattern, ich bremse mehr, als dass ich fahre, da kann man echt nicht so runter brettern. Jedenfalls, wenn einem sein Leben lieb ist. Hinter mir gibt es wohl Probleme, der Reisebus kommt nicht an einem ihm entgegen kommenden anderen Bus vorbei. Der eine setzt etwas zurück und dann schieben sie sich in Millimeterarbeit aneinander vorbei. Das dauert natürlich und es staut sich in beide Richtungen. Zum Glück waren wir nicht hinter einem der Busse, das wäre ja was geworden, dahinter zu stehen und im Tunnel all die Abgase einzuatmen.
Gemütlich radeln wir nach Killarney zurück, zumindest ich, H prescht nach kurzer Zeit wie ein Wilder vorneweg. Soll er doch. Wir verlieren uns aus den Augen und ich bringe mein Rad zurück, schlendere noch etwas in dem anderen Parkteil herum, dessen Eingang mehr in der Otrsmitte Richtung Jugendherberge ist. Ich kaufe in einem kleinen Shop noch etwas Brot und Marmelade, ein bisserl Süßkram, zum glück kann ich auch batterien für meine Kamera dort bekommen und gehe dann zur Jugendherberge zurück.

Die ist wirklich ein prachtvoller alter Bau, ich könnte mir gut vorstellen, hier zu wohnen, die großen Fenster und die großen hohen Räume sind wirklich schön.

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Ich wasche mich etwas, koche mir einen Tee und beschließe dann, mich mit einem Buch (im Aufenthaltsraum steht ein Regal mit Büchern) irgendwo auf die Wiese zu setzen. Inzwischen ist ein holländisches Paar gekommen, welches auf dem Grundstück bei der JH zeltet, ich unterhalte mich mit ihnen und sie erzählen mir, dass man bei vielen Jugendherbergen auch zelten darf. Als ich sehe, dass H aus Richtung Killarney angeradelt kommt, verziehe ich mich hinter das Haus, wo freundlicherweise jemand einen Stuhl hat stehen lassen und mache es mir gemütlich.
Irgendwann gegen Abendbrotzeit beginnt es zu regnen, erst nur ein wenig und dann fester. Ich habe keine Lust auf Gesellschaft heute, koche mir nur einen Tee und verziehe mich dann mit meinen Keksen in den Schlafraum. Heute ist keiner außer mir hier untergebracht und ich verbringe einen geruhsamen Abend
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Re: Irland - eine ganz persönliche Reise

Ungelesener Beitrag von Sternenstaub » Sa 14. Apr 2012, 14:19

going to Valencia

Die Nacht hat nicht nur erholsamen Schlaf sondern auch Gewissheit gebracht. Ich trampe nach Valencia Island! Die Route geht über den Ring of Kerry und sicherlich kann man viele schöne und interessante Dinge unterwegs sehen.
Frohgemut stehe ich recht früh auf, mache mich reisefertig, frühstücke kurz in der Küche, fege schnell meinen Schlafraum aus und frage den warden, ob er noch anderes für mich zu tun hat. Er schaut in den Schlafraum, auch in der Küche und in den Duschen sieht alles gut aus und lächelnd fragt er nach meinen Plänen. Als ich ihm von meinem Plan nach Valencia zu gehen erzähle, bittet er mich einen Gruß an Knightstown auszurichten, seine Familie kommt von dort, danach entlässt er mich und wünscht mir eine wundervolle Zeit.
Und die werde ich haben. Ich gehe länger an der Straße entlang bis ich zum Ortsausgangsschild komme. Mal schauen, ob mich jemand mitnimmt oder ob ich ein Stück wandere. Es ist kurz nach 7.00 und ich habe Glück, ein kleiner Lieferwagen hält an und nimmt mich mit. Jucheee, es geht weiter.
Drei, vier Autos nehmen mich hintereinander mit, keiner der Fahrer hinterließ eine wirkliche Erinnenrung und so bin ich schon um die Mittagszeit in Cahersiveen, von wo eine Fähre nach Valencia gehen soll. Der Ort selber ist in meinen Augen recht unattraktiv, ich hole ein paar Chips auf die Hand und gehe zum Fährhafen, finde auch gleich die Ferry. Am frühen Nachmittag landen wir in Knightstown, das Wetter ist diesig und wenig verheißungsvoll - auch während der Überfahrt. Es sieht bleiern und wenig erfreulich aus, deswegen bleibe auch ich in der kleinen Kabine. In Knightstown lasten die Wolken und das trübsinnige Wetter tief auf dem Ort, dem Meer und auch auf mir. Ich suche und finde die Jugendherberge, melde mich an und verziehe mich fast sofort aufs Zimmer. Später raffe ich mich doch noch auf und gehe erst zum Hafen und dann in der Nähe der Juhe ans Meer. Obwohl hier alles nah am Meer ist.

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Und das ist auch das, was mich immer wieder so fasziniert. Wasser ist DAS belebende Element auf meiner Reise.
Ich gehe in den Aufenthaltsraum und sehe zum ersten Mal ein offenes Torffeuer, ich setze mich nahe heran und wärme mich etwas auf. Dabei komme ich mit 3-4 Leuten ins Gespräch, die schon 2 Nächte hier sind und einiges über die Insel erzählen. Wobei mich wundert, dass sie auch hier versucht haben zu trampen und nicht auf die Idee kamen zu wandern. Meine desbezüglichen Fragen erstaunen vor allem einen Typen, der meint, wozu denn laufen, hier ist doch alles flach. Achso.
Früh schon verziehe ich mich in den Schlafraum, die Jugendherberge ist nicht sehr groß, es sind nicht viele Leute da, was mir ganz angenehm ist. Zum Essen habe ich überhaupt keinen Lust, naja, ich kann ja morgen etwas mehr frühstücken.

Am nächsten Morgen wache ich mit krummer Stimmung auf, trinke nur einen Tee und nehme lieber mein restliches Brot, Apfel, Käse und Wasser mit auf eine kleine Wanderung. Ich gehe recht ziellos los, halte mich aber möglichst immer in Nähe des Meeres und suche einen kleinen Platz, an welchem ich Rast machen kann. Der Weg scheint zu einer Art Kiesgrube (oder was immer das ist) zu führen, es wird aber nicht gearbeitet. Es geht etwas steil hoch (ach ich dachter, hier wäre alles flach?) , ich komme an einem kleinen Marienschrein vorbei und bald darauf auf ein erhöhtes Fleckchen mit Blick aufs Meer. Dort setze ich mich hin, frühstücke in Ruhe und denke so vor mich hin.

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Ich schaue über die wunderschöne Bucht und kann nicht sagen, warum ich mich unwohl fühle.
Danach gehe ich langsam zur Herberge zurück und sehe auf den Plan der neben der Reception hängt, wohin ich vielleicht eine Wandeurng machen könnte. Ich beschließe im Ort etwas Proviant zu kaufen, ich habe gestern einen kleinen Shop neben dem Hotel gesehen, danach werde ich einfach wandern gehen, mal gucken, wie weit ich komme, die Insel ist durchaus größer als Cape Clear.

Gerade als ich los will, kommt eine junge Frau von der Fähre, total durchnässt, die bereits gestern hier war. Sie hatte die Morgenfähre genommen und im strömenden Regen in Cahersiveen gestanden und keinen Lift bekommen. So ist sie frustriert zurück gefahren, will jetzt erstmal trocken und warm werden. Hier auf Valencia ist kein Tropfen Regen gefallen, es war nur teils diesig und es wird immer wärmer.
Ich kaufe mir etwas Obst, die obligatorischen Äpfel, was anderes gibt es eher nicht und ein Päckchen Kekse, dann wandere ich los. Immer einer Straße folgend, die leicht aufwärts führt - durch ansosnten eher flaches Gelände. Am anderen Ende der Insel soll es eine Brücke zum Festland geben, mal schauen, ob ich so weit komme. Die größere Straße (nunja, heute würde man sie nicht als größer bezeichnen ;) ) wird mir langweilig und ich folge einem boreen nach rechts tiefer ins Farmland hinein. Von einem Grundstück kommt ein lustiger Hund gerannt, der mir schwanzwedelnd folgt und sich sogar streicheln lässt. Mal läuft er vor mir her, dann kommt er wieder angesprungen.

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Als ich entscheide, dass es Zeit für eine Rast wird, legt er sich neben mich ins Gras.
Plötzlich kommt ein Trecker angefahren, der Fahrer hält an und springt herunter. Ob ich einen Hund gesehen habe. öh? ja - und weise auf den Hund, der plötzlich wie wild aufspringt und sich vor Liebesbeweisen kaum zu fassen weiß, er bellt und freut sich und wirft sich selber vor Freude fast um. Der Farmer entschuldigt sich, der Hund gehöre seiner Frau und seitdem sie jetzt im Krankenhaus sei, laufe er hinter jeder Frau her und er habe Angst, dass er nicht mehr zurück wüsste, wenn er zu weit von der Farm entfernt wäre. Er bleibe sonst immer am Haus bei der Frau. Es gäbe nämlich ab und an Probleme mit verwilderten Hunden, die von den Farmen fortgelaufen wären. Und da wäre mancher recht schnell dabei, die mit der Flinte zu erlegen, weil sie auch Schafe reißen würden. Und das wolle er der Frau doch nicht antun, dass sie heim käme und der Dicke wäre nicht da. Das verstehe ich natürlich alles sehr gut. Der Hund springt auf einen freien Platz neben dem Fahrersitz und scheint mich hechelnd anzulachen.
Zuletzt sagt der Farmer noch einmal eindrücklich:
let never a dog follow you!

Ich bin beeindruckt, aber auch skeptisch, ob das wohl alles so wirklich ist? Ein Hund verläuft sich und wildert dann unter den Schafen? Aber andererseits, ich bin diejenige, die hier nicht wohnt und keine Ahnung hat, von Hunden schonmal gar nicht. Und seitdem lasse ich nicht mehr zu, dass ein Hund mir folgt.

Ich wandere weiter und komme nun durch eine Gegend, in der verlassene und teils schon verfallene Cottages stehen. Wer mag hier gewohnt haben und warum sind sie gegangen? Oder mussten sie gar gegen ihre Willen gehen? Ich habe natürlich von der famine gehört und von der Vertreibung der Pachtbauern aus ihren Häusern, als sie während der Hungersnöte den Pachtzins nicht an den Landlord zahlen konnten.

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Dieser Ort hier ist irgendwie vage für mich, ich kriege kein feeling dafür, ganz im Gegensatz zu den Orten, wo ich bisher war. Wenn ich näher über diese Ungerechtigkeiten nachdenke, erfüllt mich erst Zorn und dann Mitleid mit denen, die teils recht brutal und mit Polizei- und auch Militärgewalt vertrieben wurden.

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Es kommen zwar immer wieder fast schon kitschig idyllische Eckchen, aber auch dieses so typisch irische Fotomotiv zeigt ein verlassenes Haus. Blinde Scheiben und wenn man hinein guckt, sieht man die Verwahrlosung. Bereits der nächste Sturm mag dieses Strohdach vom Haus reißen, es dem Wind und dem Regen und somit dem Verfall anheimgeben.

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Mit düsteren und traurigen Gedanken drehe ich irgendwann einfach um und gehe genau die Strecke zurück, die ich gekommen bin. Als ich an der Farm von vorhin vorbei gehe, bellt laut ein Hund, mein Begleiter von vorhin, er ist angeleint ist und der Farmer winkt mir freundlich zu.
Ich komme zur Jugendherberge, es ist inzwischen später Nachmittag und ich stöhne innerlich, als ich ein bekanntes Gesicht sehe. H springt erfreut auf, man habe ihm erzählt, dass ich ein wenig wandern gegangen sei. ah so.

Die Frau von vorhin steht am Kamin und bemüht sich das Torffeuer in Gang zu bringen, was schlecht gelingt, weil der Torf nass ist. Und flucht laut deswegen, was H zu verstören scheint. Also sowas findet er nun wirklich nicht gut, mich bringt es zum Lachen und ich helfe ihr, indem ich mit so einem seltsamen Teil Sauerstoff in Richtung Feuer blase. Zuletzt flackert das Feuer und gibt erfreuliche Wärme ab. Seltsam, dass nach diesem so warmen Tag mir nun so kalt ist. Dabei friere ich eigentlich nie.

Auch heute habe ich keinen wirklichen Hunger, mümmele an meinen letzten Keksen herum. Als H mich fragt, was ich für den nächsten Tag plane, ob ich wieder wandern gehe, es gäbe hier bestimmt auch Räder zu mieten... antworte ich kurz, dass ich Valencia verlassen würde. Ich habe diesen Entschluss zwar gerade erst gefasst, aber hier will ich einfach nicht bleiben. Als er murrt, er würde sich die Insel gern näher anschauen, ermuntere ich ihn herzlich dazu. Das hätte ja auch nicht wirklich was mit ihm zu tun, ob ich nun morgen abreisen würde oder nicht. Die Frau, ich erinnere mich blass, sie hieß Evi oder Inga?, lacht scheinbar unmotiviert und fragt ihn, ob er das als Abfuhr verstehen würde. hm. Er wird unwirrsch und verkündet, er gehe zu Bett, was er morgen mache, dass wüsste er auch nicht. Und geht. Evi oder Inga ruft ihm nach: who cares?
da tut er mir schon fast wieder leid.

Am nächsten Morgen bin ich nach der Erledigung einiger wenigen Pflichten schon recht früh am Fähranleger, setze mich auf eine Bank und warte. Aber nicht die Fähre kommt (ok, später schon), es erscheint der Obligatorische. Und strahlt mich an. So interessant könne Valencia Island doch gar nicht sein, ob ich nicht Lust hätte, mit ihm morgen abend zu den Dubliners zu gehen. Ob ich die kennen würde. Natürlich habe ich schon einmal von ihnen und auch mal Musik im Pub von ihnen gehört. Wo sie denn spielen würden. Unklugerweise setze ich hinzu, dass ich mir das ganz interessant vorstellen könnte. Während der ganzen Überfahrt erklärt er mir, was deren sound so besonders mache und welche Platten er von ihnen bei einem Freund schon einmal gehört habe. Der würde ganz blass vor Neid werden, wenn er erzählen würde, dass er auf einem Livekonzert gewesen wäre. Dies ist wohl auch der Freund, von dem er diesen Riesenrucksack hat und der ihm gesagt hat, was er alles so unbedingt braucht bei einer Tour in wild Ireland. Wir fahren im Hafen von Cahersiveen ein, nehmen unsere Rucksäcke und überlegen, wohin wir uns am besten stellen, um einen guten Lift zu bekommen. Da er erst frühstücken will, ok, ich nicht, ich habe aber versprochen derweil draußen zu warten, kann ich nicht sofort los, wie ich eigentlich möchte. Er will vom Marktplatz los, was ich für Schwachsinn erkläre und beherzt zum Ortsausgang marschiere. Wenn er mit mir trampen will, muss er wohl folgen.
Er grummelt, als aber nach etwa 20 Minuten ein Milchwagen hält und uns einsteigen lässt, strahlt er. Er habe ja gehört, Cahersiveen wäre SOOO schwierig, man fände da schlecht einen Lift. Und redet freundlichst auf den Fahrer ein. Der dairy man bittet uns, uns etwas zu ducken, weil eigentlich dürfe er niemanden mitnehmen, aber er wolle sich mal wieder mit einem hübschen Mädchen unterhalten. Darauf verstummt der hübsche junge Mann und überlässt mir das Gespräch. Nur um später nach dem Aussteigen in irgendeinem Kaff unterwegs missmutig von immer flirtenden Iren zu reden. Und ich ginge ja noch darauf ein. Aber hallo? Warum nicht, der dairy man war schon ein ansehnlicher. Als ich das sage, schweigt er verkniffen.

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Der nächste Fahrer fährt fröhlich und flott mit uns in seiner Limousine Richtung Killarney. Als er ein Polizeiauto erblickt, wird er blass, fährt rechts ran und bittet uns, uns komplett zu ducken. Es dürfe uns niemand sehen und ihn auch nicht. er habe die tax fürs Auto nicht bezahlt. Man bekommt da wohl ein carnet, welches man oben an der Windschutzscheibe aufhängen muss und sowas hat unser Held nicht. Grinsend mache ich mich so klein wie möglich und ziehe noch H herunter, weil der überhaupt nicht reagiert - vermutlich ist ihm wieder was peinlich - und die gardia fährt vorbei. Was unserem Fahrer ein tief empfundenes Seufzen entlockt. In Killarney setzt er uns dann genau vor der Jugendherberge ab, winkt noch fröhlich, hupt und ist wieder weiter, vermutlich die nächste Tramperin auflesen.

arrrggh - und dann passiert das Schreckliche, es ist kein einziger Platz frei, irgendein größeres Treffen von wem auch immer hat alle freien Plätze belegt
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Re: Irland - eine ganz persönliche Reise

Ungelesener Beitrag von Sternenstaub » Sa 14. Apr 2012, 14:29

Was nun? Ein verschmitzt lächelnder H schlägt vor, wir könnten doch in ein B&B gehen, da wäre doch nichts dabei. Was sollte auch dabei sein? Na gut, etwas missmutig stapfe ich in den Ort und bei der zweiten Pension bekommen wir auch ein Zimmer, zum Glück mit zwei getrennten Betten. Das hätte mir auch noch gefehlt, mit H in einem Ehebett zu pennen. Abends lasse ich mich breit schlagen, doch ausnahmsweise mal mit in einen Pub zu gehen. Das ist so eine Art Singing Pub, der mich aber alles andere als überzeugt, viele amerikanische Touristen sitzen dort, singen schunkelnd irgendwelche Lieder mit, das hört sich mehr nach einem HillbillyAbend an und ich kann wirklich nicht sagen, dass mir das irgendwie gefällt. Ich bekomme Heimweh nach Clear Isle. Dieses Touristenkaff ist nichts, was mir gefallen kann. H hat sich während ich missmutig an meinem cider nuckel ganz dick mit irgendwelchen touris angefreundet, sie spendieren ihm ein Guiness nach dem anderen und zum Abschluss noch irish whiskey, ich verzichte aber dankend. Nachdem ich das mir angebotene und trotz Ablehnung bestellte Getränk einfach nicht getrunken habe, lassen sie es sein, mir etwas aufdrängen zu wollen. Endlich gehen sie weiter in einen anderen Pub und wir gehen zurück zur Pension. Ziemlich angedüdelt fällt H sogleich in einen tiefen SChlaf, wofür ich recht dankbar bin. Der nächste Morgen kommt und mein Zimmergenosse tut mir ganz fürchterlich leid, während er eine Kopfschmerztablette einwirft und der Gedanke an FRühstück ihn bleich werden lässt, gehe ich frohgemut runter zum breakfast. Ich heuchel auch fast gar nicht, als ich ihn fürchterlich bedauere und dann leiderleider allein etwas durch Ort und angrenzenden Nationalpark gehe, während er seinen Kater kuriert. Wenn wir nicht geplant hätten, abends zum Konzert der Dubliners im Glen Eagle zu gehen, hätte ich mich sicherlich komplett abgeseilt.

Nach einem erfreulichen Tag allein, kehre ich zur Pension, die übrigens Shangri La heißt, zurück. Ich habe im Park auf der Wiese gelegen, in meinem Jack Kerouac gelesen, nachgedacht, bin ziellos mal dem einen und mal dem anderen Weg gefolgt. So wie ich es mag.
H fühlt sich inzwischen besser, er will vor dem Konzert zum Abendessen in ein Restaurant gehen. Ich ermutige ihn genau das zu tun, mache aber gleich klar, dass ich etwas Brot und Schokolade esse, weil ich dazu keine Lust habe. Nach einer Stunde kehrt er wieder und wir machen uns langsam auf den Weg. Zum Glen Eagle ist es mehr als eine halbe Stunde Fußweg, man muss am Ross Castle vorbei und dann noch ein Stückchen weiter. Das Glen Eagle ist ein recht großes Hotel und die Lounge ist ebreits brechend voll, als wir ankommen. Es gibt eine Bühne, einige Sitzplätze, einzeln und an Tischen und wir ergattern noch freie Stühle. Der Manager hält eine kurze Rede von der ich kaum ein Wort verstehe, nur den Namen Danny Doyle heraus höre. Das ist der Sänger einer kleinen Band, die sozusagen die Aufwärmer machen. Teils etwas kitschig, aber auch etliche Sachen, die mir gut gefallen. und dann schreit der Manager: Ladies and Gentlemen - I present you - THEeee DUBbbbLINnnnERS.

Das Schlimme ist, dass ich mich nicht mehr so wirklich erinnere. Und das schmerzt mich mehr, als vieles und anderes. Das erste Mal, dass ich die Dubliners life höre - sie gefallen mir sicherlich - sogar ausgesprochen gut - aber ob Luke Kelly (me other man) dabei ist, weiß ich nicht mehr zu s agen. Blöde Erinnerung, die mir nicht bringt, was ich suche.
Luke ist heute mein Favourite bei den Dubliners.
http://www.youtube.com/watch?v=kz_dHcdu ... re=related
Er hatte so eine ganz besondere Ausstrahlung, die ich mit den Dubliners in Verbindung bringe, die mich ganz seltsam anrührt. Fast so wie Phil, aber meine story about Phil kommt ja erst später.
Manchmal vermischen sich Emotionen und Realität oder was immer zum Teufel das ist. Erinnerungen.
http://www.youtube.com/watch?v=ZS6l6M0odl4

Ich wünschte, meine Gedanken würden so weit reichen, dass ich mich an all das erinnere, was da so ganz offensichtlich noch in mir da ist. Und dieser dumme Junge, der sich tierisch freut und abfeiert, dass er DIE Dubliners hier im Glen Eagle life sieht, er versteht diese Musik gar nicht, so scheint es mir. Was mich zerreißt, da ist er kühl. naja, ganz nett, was hat das mit mir und meinem Leben zu tun, fragt er mich später?

Es ist MEIN Leben!. so vieles versteht man erst später. Bin ich sentimental? Scheiß was drauf, dann bin ich das eben. Das gehört zu mir, zu meiner Persönlichkeit und wem das peinlich ist, der schaue weg und halte den Mund. go AWAY

http://www.youtube.com/watch?v=rGT7h29L ... re=related

my simplicity - ich kann damit leben oder anders, ich will damit leben und verdammt soll der sein, der meint, es wäre möglich mich daran zu hindern.
Irland hat mich nicht zu einem anderen Menschen gemacht. Ich habe mich gefunden, Teile von mir, die ich so nicht kannte. Ich bin simpel, das habe ich vor langer Zeit mal geschrieben. Und ich will nichts anderes sein, nichts anderes scheinen.

hm - ob ichjemals mit diesem Reisebericht weiter komme, das wage ich fast zu bezweifeln. Es verrät zu viel über mich, was ich schreibe.

maybe next time.

ok, another try on another day

Voller Gedanken gehe ich neben H zurück zum shangri La. Als wir vor der Türe stehen, fragt er mich plötzlich: " na, das sagt dir doch bestimmt nichts, dieser Name, so wie du auf Irland fixiert bist" Irritiert blicke ich ihn an. "klar, James Hilton und sein Buch Lost Horizon, wer kennt das nicht?" "Und wie fandest du das?" - "Ich bin nicht auf der Suche nach einem verlorenen Paradies, deswegen fand ich es interessant, mehr nicht." Meine Antwort gefällt ihm nicht, ich stünde doch scheinar auf mystische Orte, wieso ich nicht dorthin wollte. Irgendwie habe ich den Eindruck, als ob er Streit suchen würde. Über Shangri La? "Weil es um eine sehr englische und in der Verfilmung amerikanische Erfindung des verlorenen Paradieses geht und ich mich sicherlich dort nicht wohl fühlen würde, wenn es es gäbe." Zum Glück öffnet gerade die Landlady die Tür und fragt, ob das Konzert gut war. Wir plauschen noch ein wenig mit ihr und gehen dann auf unser Zimmer.

Und nun wird es schwierig. Weil er offensichtlich erwartet, dass ich mit ihm schlafe, immerhin habe ich zugestimmt, mit ihm ein Zimmer zu teilen. Und ich hätte ihn geküsst, das wäre ja wohl die pure Anmache gewesen. Und so Sachen, wie Angebote machen etc und dann wieder einen Rückzieher, da stände er überhaupt nicht drauf. Er schmollt.
Verdammt, wie komme ich da jetzt nur heraus? Ich kann doch nicht sagen, dass ich ihn absolut unattraktiv finde. Nicht, weil er hässlich oder sonstwas wäre, nein, seine Art erstickt mich. Ich bin bestimmt nicht prüde, aber mit jemandem schlafen, weil er es erwartet? Irgendwie schaffe ich es ihn zu beschwichtigen, indem ich verspreche morgen mit ihm nach Cork zu fahren, um mein Fährticket umzutauschen, damit ich mit ihm nach Dublin fahren kann. Er will wenigstens noch eine Chance haben, mich umzustimmen, das müsse ich ihm doch als allermindestens zugestehen.

Diese Nacht schlafe ich verdammt schlecht. Nicht weil ich etwa Angst vor ihm hätte, aber war ich wirklich zu sehr herausfordernd, habe ich ihn angemacht? Weil erst etwas versprechen und dann nicht einhalten nicht so wirklich mein Ding ist.

Endlich aber schlafe ich ein.
Am nächsten Morgen frühstücken wir und gehen zum Bahnhof, der Zug nach Cork fährt etwas gegen 10.00 Uhr. Ich bin wortkarg, aber es reicht ja aus, wenn H auf mich einplappert. anders kann ich nicht sehen, obwohl ich mich schon als ungerecht empfinde.

Ich hoffe so, dass eine so kurzfristige Umbuchung der Fährreise nicht möglich ist, aber leider gibt es überhaupt kein Problem damit. H strahlt. Um erst gar keine komischen Ideen bei ihm aufkommen zu lassen, sage ich klipp und klar, dass ich mir Bedenkzeit erbitten würde bis zum letzten Tag in Dublin, ob ich wirklich etwas mit ihm anfangen wolle. Wenn nicht, würde ich stracks zurück gehen und ab Cork fahren.
Zum Glück bekommen wir in der Jugendherberge eine Unterrkunft, ich hätte nun wirklich nicht die Lust, in einem trauten Pensionszimmer mit ihm zu übernachten, Distanz ist das, was ich jetzt wirklich brauche. Nicht zum letzten Mal verfluche ich mich, dass ich meine Grenzen nicht stärker verteidige/abgrenze. Warum mache ich mir Gedanken, ob er verletzt ist?
Am nächsten Morgen stehe ich seltsamerweise mit guter Laune auf, vielleicht gefällt es mir ja in Dublin total gut und ich kann auch noch nach Glendalough trampen, das ist ein sehr bekannter Klosterort recht nahe bei Dublin.
Recht schnell bekommen wir mehrere Lifts, bis wir dann ein paar Kilometer von Cashel entfernt von einem schnuckeligen jungen Mann aufgelesen werden. In Cahsl hält er an und fragt, ob er uns auf einen Tee einladen dürfte. that woud be nice, sage ich, bevor H mal wieder was unpassendes äußert. Wir sitzen dann im tea-room und unterhalten uns angeregt, also der Fahrer und ich. Er erzählt vom gaelic football und wie er bei der letzten Meisterschaft so total ähem blau war, weil sie gewonnen hatten, und als er heim ging, um zu schlafen .... : I snored so loud that me mother woke up from it, hell was she angry. Because I am a police man and such people should know it better, like she says. -
Er lacht so ansteckend, dass ich natürlich mitlache und als H zur Toilette geht, fragt er mich: your boy friend???? Ich muss wohl so entsetzt geguckt haben, dass er grinst und sagt: better is not.
okok, wir fahren dann wieder los und ich bedauere wirklich H nicht den Abschied geben zu können und mit Mr Policeman weiter irgendwohin zu fahren. nuja. thats life. Aber ich habe ja mein Wort gegeben und das breche ich im Regelfall nicht.
Aber mich hat die Geschichte schon erheitert und deswegen hält meine gute Laune an. irgendwann kommen wir recht spät in Dublin an, suchen die nächste Pension, ergattern ein Zimmer mit getrennten Betten und ich träume von Mr, Policeman und bin froh H vergessen zu können, der drüben in seinem Bett schnarcht.

jetzt müsst ihr aber wirklich noch etwas warten, denn ich muss noch einen Teil schreiben, bevor dann der bereits geschriebene Abgesang ;) kommt, der bereits als allererstes Teil fertig war und mich darauf brachte, den Bericht zu schreiben.
vielleicht an diesem WE? Irgendwie hab ich grad Bock auf SChreiben und bin wieder in der Geschichte drin.
Aber nur, wenn ihr mehr lesen wollt. :cool:
Zuletzt geändert von Sternenstaub am Mi 18. Apr 2012, 22:40, insgesamt 1-mal geändert.
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troubadix
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Re: Irland - eine ganz persönliche Reise

Ungelesener Beitrag von troubadix » Di 17. Apr 2012, 00:26

Na los, klar wollen wir mehr lesen
LG Jürgen

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