Winterwanderung - oder die Last des Leidens

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Atze

Winterwanderung - oder die Last des Leidens

Ungelesener Beitrag von Atze » Di 27. Jan 2015, 08:01

  • Eine Winterwanderung mit Hindernissen oder die Last des Leidens
  • (Wenn ein Kanute mit einem Wanderer gemeinsam im Zittauer Gebirge auf Tour gehen)
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Pünktlich um 6 Uhr 30 kam Ede um die Ecke. Irgendwie traute ich meinen Augen nicht. Bepackt mit Rucksack, der nicht so recht sitzen wollte, sowie in der Hand eine riesige Tasche, stand er vor mir. Ich wies auf seine Tasche und fragte ihn, was es damit auf sich habe,- Wasser, bekam ich zur Antwort. Mir verschlug es glatt die Sprache. Bevor ich etwas sagen konnte, kam auch schon unser Bus. Der brachte uns nach Lückendorf, von wo wir unsere Tour aus starten wollten. In Lückendorf angekommen, klärte mir Ede erst einmal auf. Man brauche doch schließlich für die Tour, ausreichend Wasser. Na ja, aber müssen es denn gleich 10 (zehn) Liter sein.

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Bevor die Wanderung beginnt, wird in Lückendorf erst einmal versucht das Gepäck auf ein erträgliches Maß neu zu packen. Als mein Kumpel Ede nun anfing seine Reisetasche sowie den Rucksack zu leeren, wurden meine Augen indes immer größer. Ich kann zufrieden sein das ich Brillenträger bin und somit verhindert wurde, das meine Augen zu Boden fielen. Was Ede da zu Tage förderte schlägt dem Fass den Boden raus. Als da waren, ein 4 Personenzelt, einen schweren Schlafsack, eine TAR-Matte, eine Stirnlampe, sowie einen Kocher und Gas. Als High-lite eine mittelgroße Axt, ein Buschmesser, sowie noch ein kleines Messer und Besteck. Zum Schluss das bereits erwähnte Wasser mit 10 Ltr ! Erwähnt müssen noch die diversen Packtaschen die er zur Sicherung seines Gutes dabei hatte. Von seiner Kleidung will ich gar nicht erst anfangen, vielleicht nur soviel, er war der Witterung gemäß mehr als sehr gut gekleidet. Für das leibliche Wohl war natürlich auch gesorgt. Angefangen von der Flasche Wein und dem Kräuterschnaps, bis hin zu der Verpflegung. Ich hatte das Gefühl, mein Freund Ede wollte für mehrere Wochen auf Tour gehen und nicht nur für knapp 3 Tage. Wie dem nun auch sei, Ede war nicht bereit sich z.B. vom vielen Wasser zu trennen. Also packte er seine Sachen so, das es für ihm halt erträglich war. Vielleicht noch soviel, Ede war noch nie Wandern, geschweige denn zu Fuß unterwegs.
Ede ist nämlich ein eingefleischter Kanu/Kajak- Fahrer. Das was er nun auf seinen noch nicht geforderten Rücken trägt, hat er grundsätzlich auch im Boot dabei. Und was er im Boot dabei hat, auf das möchte er auch bei einer Wanderung nicht verzichten. Nun, ich sagte nichts mehr, sondern dachte mir meinen Teil.
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Frohen Mutes und gut gelaunt machten wir uns auf dem Weg durch eine herrliche Landschaft.
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Während 500 Höhenmeter weiter unten im Tal über Zittau die Sonne scheint und der Himmel sich im strahlenden wolkenlosen Blau zeigt, herrscht hier Oben dichter Nebel und die Bäume sind durch eisigen Wind und Frost mit Raureif überzogen.
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Während ich diese unwirkliche Szenerie betrachte und genieße, merke ich wie mein Freund Ede doch erheblich mit seiner Last zu kämpfen hat.

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Welch ein Glück dass es hier im Zittauer Gebirge viele Sitzgelegenheiten gibt. So sei ihm eine kleine Pause gegönnt.
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Während Ede sich von den körperlichen Strapazen erholt, genieße ich die kleinen Dinge am Wegesrand.
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Schwer haben die Bäume und Sträucher unter der Last des Eises zu tragen.
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Unser Tagesziel sollen für Heute die Mühlsteinbrüche sein. Der Weg dorthin ist schon unter normalen Bedingungen recht beschwerlich.
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Bevor es ganz nach Oben geht, ist erstmal eine Stärkung angesagt. Ede tat mir leid. aber von seinen Wasser wollte er sich partout nicht trennen.
Nein, mein Ede hatte seinen Stolz.
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Noch ein paar mal Luft holen und wir erreichten das schwarze Loch. Hier befindet sich ein Schaubergwerk und ist wenige Meter unterhalb vom Tagesziel der alten Schmiede entfernt.
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Geschafft. Wir sind an der Schmiede angekommen.
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Ede riss sich seinen Rucksack vom Rücken, stellte ihn auf einen Baumstubben und war völlig am Ende seiner Kräfte.
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Nachdem Ede sich erholt hatte, machten ohne wir ohne Gepäck eine Runde um das Gelände. Ach was für eine Wohltat ohne die schwere Last auf dem Rücken. Obwohl Ede in Zittau schon seit einigen Jahren wohnt, hat er bis dato noch nie einen Fuß hier her gesetzt. Warum sollte er auch, hier kann man schließlich kein Kajak fahren.
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Hier ist zwar keine Hütte, aber ein Dach über dem Kopf mit Tisch und Bänke macht es auch. Was will man mehr. Übrigens, die Decke auf der Bank stammt natürlich auch von Ede. Großzügig wie er ist, überließ er sie mir, damit ich nicht auf der blanken und kalten Bank sitzen muss. Ist er nicht nett.
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Bevor es Dunkel wird, werden schnell die Zelte aufgebaut und das Nachtlager hergestellt. Nachdem die Arbeit verrichtet wurde, gingen wir zum gemütlichen Teil des Tages über und ließen uns das sehr üppige Mahl inklusive Wein und Kräuterschnaps schmecken. Ede ließ sich dann auch noch überzeugen, dass das Wasser doch etwas sehr reichhaltig vorhanden war. Da ich auch noch im Besitz von 2 Ltr. war, kippte er schließlich seins weg.
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Der nächste Tag hatte es in sich. Es war sehr kalt und ein eisiger Wind ließ uns seinen Hauch spüren. Wir beeilten uns mit dem Frühstück und packten sehr schnell unsere Sachen zusammen, damit uns beim laufen wieder Warm wird.
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Wobei Ede mit dem Warm werden die geringsten Probleme hatte. Obwohl sein Rucksackgewicht um einige Kilo leichter geworden ist, war er immer noch schwer genug um nach Pausen zu verlangen. Er war einfach zu ausgelaugt und das Wandern nicht gewöhnt.
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Unsere letzte Nacht wollten wir auf dem Töpfer verbringen. Der Weg dorthin war nicht so schwer, da es fast nur Bergab ging.
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Trotzdem nutzte Ede sich jede bietende Gelegenheit, um kurz zu verschnaufen. Es sei ihm gegönnt.
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Irgendwann im laufe des Tages erreichten wir dann auch den Töpfer mit seiner gleichnamigen Baude.
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War es unterwegs schon recht windig, so erlebten wir hier eine eisige Hölle.
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Trotz der Kälte und dem Wind, sind wir von den bizarren Formen fasziniert, die Frost und Wind herbei zaubern können.
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Bevor wir es uns in der Baude gemütlich machten, fragten wir um eine Erlaubnis nach, um unsere Zelte auf dem Platz der Baude aufzustellen.
Ungläubig schaute uns die Hüttenwirtin an und fragte ob es unser ernst wäre. Wir bejahten und bekamen trotz Kopfschütteln die Erlaubnis uns den Hintern abzufrieren. An einen Windgeschützten Platz stellten wir die Zelte auf.


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Liebevoll umsorgt von Hüttenwirtin und Personal, ließen wir den Tag ausklingen.
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Der neue Tag fing vielversprechend an. Es ging Heimwärts.
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Während die Temperaturen hier oben zu wünschen ließen, schien unten im Tal die Sonne. Schnell noch das obligatorische Töpferfoto und ab.
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Nach Hause.

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Atze wurde von mir autorisiert diese Geschichte so zu veröffentlichen. Eines kann ich dem Atze aber versprechen, die nächste Tour wird er paddeln ! :bg:

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Re: Winterwanderung - oder die Last des Leidens

Ungelesener Beitrag von Peter » Di 27. Jan 2015, 08:04

Hallo Atze,
schöner Bericht. Sieht aber nach sehr ungünstiger Lastenverteilung aus... ;-)

Atze

Re: Winterwanderung - oder die Last des Leidens

Ungelesener Beitrag von Atze » Di 27. Jan 2015, 08:09

Guten Morgen Peter,
kann man so sagen. lach

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Re: Winterwanderung - oder die Last des Leidens

Ungelesener Beitrag von Erny » Mi 28. Jan 2015, 17:19

Schöner Bericht. Und tolle Fotos mit schönem Raureif.

So ein bisschen hättest du aber bei deinem Kumpel vorgewarnt sein müssen. Ein Kanu verführt nun mal dazu, mehr als unbedingt notwendig mitzunehmen. Wer noch nie gewandert ist, und nur Kanutouren kennt, hat keine Übung darin, zu entscheiden, was denn nun wirklich mit muss, und was überflüssiger Luxus (und im Zweifel eben eine unnötige Last) ist.

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