ein bisschen Harz oder hin&her

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Sternenstaub
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ein bisschen Harz oder hin&her

Ungelesener Beitrag von Sternenstaub » So 11. Okt 2015, 01:33

Irgendwie hatte ich das Bedürnis, mal ein wenig mehr Natur um mich zu haben und so sitze ich an einem Montagmorgen Ende September im Bus von Berlin nach Quedlinburg. Es schwebt mir vor, mich von Qburg aus in Richtung Stiege zu schlagen, dort habe ich im Herbst 2012 zuletzt Harzluft geschnuppert.
Da alles relativ kurzfristig geplant war, kommt mal wieder eine leicht chaotische Tour zustande. Wer mich kennt weiß, dass das kein Novum ist. ;)
Teils möchte ich den Selketalstieg gehen, wobei der aber 4 Etappen hat, mir stehen aber mit An- und Abreise nur 4 Tage zur Verfügung. Und die Lust mich zu quälen ist außerordentlich gering, schlicht, ich will einfach nur raus aus dem Alltag. Zumal am darauf folgenden Montag mein erster Arbeitstag auf einer Stelle beim Flüchtlingsmanagement Berlin sein wird, wo ich mich freiwillig habe hin abordnen lassen. Also gut, vorher noch einmal richtig abzuschalten!

Kurz vor 11.00 biegt der Bus in die Straße am Quedlingburger Bahnhof ein. Qburg kenne ich nur vom Umsteigen, also letztlich gar nicht und ich weiß nur, dass ich relativ weit dadurch die Stadt latschen muss, um dann sozusagen ins Freie zu kommen. also Rucksack aufgesetzt und mit der Kamera im Anschlag los.
Und ich werde angenehm überrascht. Qburg ist eine ausgesprochen schöne und angenehme Stadt. Bereits nach einigen Metern bleibe ich erstmals stehen, um der Bode beim Dahinströmen zuzuschauen.

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direkt hinter der Brücke beginnt sozusagen die wirkliche Stadt. Viele sehenswerte Häuser umrahmen die Straße, eigentlich viel zu viel Ablenkung, wenn man richtig ins Draußen will. ;)

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Nachdem ich unm einige Ecken gegangen bin, öffnet sich am Ende der Straße ein großer Marktplatz, von vielen Fachwerkhäusern umstanden. Es gibt natürlich durchaus auch Touristen, sie fallen aber nicht unangenehm auf bzw bevölkeren sie nur in erträglichen Zahlen den inneren Stadtkern. Wobei es natürlich hoffentlich für euch klar ist, dass ich neverever zu diesen Touristen gehöre. :cool:

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Ich gehe ein wenig hin und her und finde gleich in eine tiefe Entspannung hinein. Und genügend Fotomotive finde ich natürlich auch.

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Quedlinburg ist definitiv eine Stadt, in der man sich stundenlang aufhalten, schauen und natürlich fotografieren kann.

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Wie man sieht, ist das Wetter ausgesprochen schön.

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Ich bremse mich jetzt ein wenig mit Qburg-Fotos, schließlich soll das kein Bericht über eine Städtetour werden, wer mag, kann ja im entsprechenden Fotoalbum nachschauen.
nur noch 2-3 ;)

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mein Rucksack setzt sich in Pose bei einem kleinen Frühstück

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Ich erreiche den Brühlpark, wo ich auf das erste Wanderzeichen zum Selketalstieg stoße.

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Jetzt bin ich wirklich im Außenbereich der Stadt.

Und schaue hinüber zum Schloss

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die Straße, die aus der Stadt hinaus führt.

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noch ein schöner Blick, bevor ich den Brühlpark verlasse

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noch einmal ein Wanderwegschild

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und danach geht es über eine die Bode querende Brücke.

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Die Bode interessiert sich aber nicht für mich und plätschert so vor sich hin.

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Endlich geht es ins DRAUSSEN - so schön es in Qburg war und so sehr mir die Stadt gefallen hat, merke ich sofort, dass meine Schritte beschwingter werden, als ich in die offene Landschaft hinaus wandere.

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Blick hinüber zu einem Teil der Teufelsmauer

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vielerlei Rot und Grün

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Es ist recht flach und neben dem Weg wachsen allerlei Obstbäume ein Stückchen in den Himmel, vorwiegend Apfel aber auch Birnbäume.

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Eine kurze Rast, die Sonne brennt vom Himmel, da ist ein schattiger Platz zwischendurch sehr angenehm.

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Es ist eine offene, heitere Landschaft, Menschen begegne ich nicht.

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Ich erreiche die Dreibogenbrücke und stelle fest, dass ich doch tatsächlich immer noch auf dem Selketalstieg bin. ;)

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Nun geht es in Richtung Bad Suderode, dass ich kurz darauf auch erreiche.

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Bei einem Eisbecher am Marktplatz überlege ich, wo ich heut mein Haupt zur Nacht betten soll, klaro geht es erstmal in Richtung Gernrode, aber dann?

Am Rande von Bad Suderode gehe ich einen Hangweg hoch, der etwas oberhalb des Tales und der größeren Straße angenehm leicht nach oben steigt.

Blick auf Gernrode

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Ich überlege, ob ich zum Bremer Teich wandern soll, das sollte eigentlich nicht mehr sehr weit sein und laut einiger Berichte im Internet liegt der angeblich gar nicht so weit ab vom Selketalstieg. Vielleicht übernachte ich ja auch irgendwo wild, ggf gehe ich halt zum Campingplatz am Bremer Teich. Nachdem ich Bad S verlassen habe, ist aber keine Möglichkeit zu sehen, irgendwo mein Zelt aufzuschlagen, erstens ist es rechts und links zu steil, außerdme bin ich noch zu nahe an der Zivilisation.
hm, was tun? Ich begegne einem älteren Spaziergänge, der mit seinem recht großen, unanagleinten Hund auf mich zukommt. Er weist den Hund an, sich neben den Weg zu legen und als ich ihn frage, ob ich auf dem richtigen Weg zum Bremer Teich bin, nickt er und erklärt mir den genauen Weg bzw den seiner Meinung nach schönsten Weg dorthin. Er betrachtet neidisch meinen Rucksack, der erkennbar nicht für eine Tagestour dimensioniert ist. Leider, leider könne er nicht mehr auf längere Touren gehen, sein Arzt habe ihm das wegen seiner Herzprobleme verboten. Er beneide mich sehr, dass ich das machen könne. Und dann plauschen wir kurz über Norwegen, wo er bevorzugt unterwegs war und heute halt nur noch in Ferienhäusern Urlaub machen könne. Dann scheiden wir in freundlichem Einvernehmen und ich gehe nach seiner Beschreibung weiter und biege dann vor dem Damm ab. Endlich steht auch mal ein Hinweisschild zum Bremer Teich, danach sind es fast noch 6 km. Örks. Will ich noch so weit wandern heute? Nunja, ggf haue ich mich in die Pampa, wenn ich keine Lust mehr habe. Ich stelle dann aber fest, dass daraus eher nichts werden wird, rechts geht es relativ steil hoch und links halt hinunter, außerdem steigt der Weg ganz schön an, was an sich kein Problem ist, nur einen vernünftigen Platz für mein Zeltlein ist hier eher nicht zu finden.
Egal, einfach weiter. Nach längerem Wandern erreiche ich den Neuen Teich, der sehr idyllisch liegt, leider stehen da zwei Autos und Leute wandern herum bzw angeln. Schlecht, hier gäbe es nämlich ebene Stellflächen.

Ich mache ein Foto vom Teich

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und folge dem Schild in Richtung Bremer Teich. Langsam sollte ich dort ankommen bzw einen Übernachtungsplatz findern, es ist schon gegen halb 7 und allzu lange wird es nicht mehr hell sein.

Dann erreiche ich tatsächlich den Campingplatz, am Rezeptionshäuschen steht eine Telefonnummer, die Ankommende wählen sollen, der freundliche Herr am Ende der Leitung erklärt mir, dass ich mir einfach einen Platz suchen soll und benennt mir den Code für das Schließfach, aus dem ich dann den Schlüssel fürs Sanitärhaus und Duschmarken entnehmen kann. Im Dunklen baue ich das Zelt auf, nutze noch mal die sanitären Einrichtungen und falle recht bald in einen tiefen Schlaf.
um eine Provokation als solche zu erkennen bedarf es auch eines gewissen Scharfblicks.(Sternenstaub)

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Re: ein bisschen Harz oder hin&her

Ungelesener Beitrag von Erny » So 11. Okt 2015, 19:11

Ach - wie schön. Doch mal wieder ein Reisebericht. Schöne Fotos. Weiter so.

eWald

Re: ein bisschen Harz oder hin&her

Ungelesener Beitrag von eWald » Mo 12. Okt 2015, 15:27

Ein kleiner Hinweis für Unterkunft in Quedlinburg.

https://www.airbnb.de/rooms/1849080

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Re: ein bisschen Harz oder hin&her

Ungelesener Beitrag von Sternenstaub » Mi 21. Okt 2015, 21:07

freut mich, dass dir der Bericht und die Fotos gefallen, Erny.

und auch dir danke, Ewald, der Link ist echt interessant, das wäre wirklich mal eine Alternative für einen Aufenthalt.

baer jetzt erstmal weiter mit dem Bericht.


Ich schlafe doch tatsächlich gute 10 Stunden, mit ein bisschen Bibbern zwar, richtig warm ist mein Schlafsack nicht, aber es scheint doch ein wenig Müdigkeit in mir zu stecken, die letzten Wochen waren nicht wirklich unanstrengend.
Ich habe gestern Abend noch entschieden, dass ich nicht den gleichen Weg zurück zum Selketalstieg wandere, die gesamte Strecke ist in der mir zur Verfügung stehenden Zeit eh nicht zu schaffen, sondern vom Teich aus direkt in Richtung Selke und Selketalbahn gehe. Ich müsste nach meiner Planung nach in Mägdesprung auskommen.

Nachdem ich geduscht und meinen Krimskrams zusammen gepackt habe, mache ich mich ehrlich und bezahle bei der inzwischen eingetroffenen Platzwartin meinen Obolus, um mich dann auf den Weg zu machen. Den ersten und meiner Meinung nach richtigen Weg versperrt mir ein protziger Amischlitten, der gerade aussteigende Herr, seines Zeichens Dauercamper untersagt mir hier entlang zu gehen. Das gehe hier nur zu einigen Dauercampstellen, blafft er mich, da hätte ich nichts zu suchen. Ach? Meines Wissens ginge hier ein normaler Weg entlang, korrigiere ich ihn. Das regt ihn dermaßen auf, dass er knall rot anläuft. Bevor der gute Mann einen Herzinfarkt bekommt, zwinkere ich ihm zu, da es seiner Gesundheit anscheinend abträglich wäre, wenn ein Wanderer hier den Weg nutzt, würde ich einfach einen anderen nehmen. Vollkommen baff schaut er hinter mir her und an der Ecke winke ich ihm noch einmal fröhlich zu. Was für Idioten es doch gibt. Aber lasse ich mir dadurch die Laune verderben? och, nööööö.
Ich wandere also frohgemut zuerst über einen breiten Weg, biege dann aber links auf einen schmaleren ab. Weiter geht es über nasse Wiesen und schlammige Pfade, die ab und an plötzlich enden, aber die Richtung müsste in etwa stimmen.

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keine Ahnung, ob diese Pilze zu den essbaren zählen.

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Dann höre ich etwas tuten, die Selketalbahn kann also nicht weit sein und trete aus dem Wald oberhalb des Gleisbettes auf die nächste nasse Wiese.

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Ich folge dem Gleisverlauf und gelange an eine Straße, auf welcher nur wenig Verkehr ist.

Hier mache ich erst einmal eine kleine Rast und schaue mir die Karte an.

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Langsam wird es ja auch Zeit für ein Frühstück

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Ein Schild weist in Richtung Mägdesprung und zu dieser schmalen Brücke über die Selke. Also bin ich tatsächlich in etwa dort, wo ich auskommen wollte.

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Ein schöner Weg führt immer an der Selke entlang durch den Wald.

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Das hier ist aber nicht die Selke, sondern ein Bach, der in ihr mündet.

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Kurz vor Mägdesprung komme ich an einer verrammelten und verriegelten Kirche (?) vorbei, aber vielleicht täusche ich mich ja und das Gebäude stellt etwas anderes dar.

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Ich überquere die Selke und komme in Mägdesprung an.

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Dort gibt es ein Gasthaus und ich trinke eine Tasse Kaffe und esse ein Stück Apfelkuchen. Der Kellner, der überraschend formell gekleidet ist und wie aus einem Film entsprungen daher kommt, ganz langsam redet und serviert, wird von einer plötzlich aus der Küche auftauchenden Frau unfreundlich angewiesen, er solle schnell das Geschirr der anderen Gäste bringen, das stände immer noch auf dem Tisch herum. Mich würdigt sie keines Blickes und entschwindet wieder. Er murrt und schluft hinter ihr daher. Ich kann mich eines breiten Grinsens nicht erwehren, weia, ob die hier doch einen Film drehen? 15 Minuten muss ich warten bis er wieder auftaucht und ich bezahlen kann, aber nun sollte ich mich wirklich sputen.

Schade, dass dieses alte Rathaus (?) immer mehr verfällt, das war sicherlich mal ein schönes Gebäude.

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Dann fällt mein Blick auf dieses Gitter und ich bin wieder ein wenig mit dem teilweisen Verfall um mich herum versöhnt.

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Am Ende des kleinen Ortes gelange ich über eine Brücke wieder auf die andere Seite der Selke und in den Wald hinein. Unter einer Mägdetrappe kann ich mir nicht so recht etwas vorstellen, mal gucken, was das ist.

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Es gefällt mir wirklich gut hier, ich erfreue mich an der Natur um mich herum.

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Ich setze mich auf diese urige Bank und schaue weit ins und übers Tal

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Ich wandere weiter in Richtung Alexisbad und mache einen Abstecher zu diesem Aussichtspunkt.

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Weiter geht es, der Pfad soll zur Köthener Hütte führen, da ich einmal durch Köthen geradelt bin, bin ich auf diese Hütte gespannt.

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Das Wandern macht auf dem herrlich weichen Untergrund viel Freude.

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Die Hütte enttäuscht mich nicht, seht selber

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hier könnte ich mühelos mehrere Tage verbringen, ich befürchte aber, dass hier normalerweise einfach zu viele Leute unterwegs sind, ich treffe doch tatsächlich auf zwei kleinere Wandergruppen, die ersten Menschen, die mir seit dem Gasthaus begegnen.

Im Gegenlicht

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Ich beschließe, dass ich nun genug herum getrödelt bin und gehe forschen Schrittes weiter, ahso so wenige Kilometer sind es also noch nach Alexisbad.

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Obwohl so forsch nun auch wieder nicht, es gibt immer wieder gute Gründe stehen zu bleiben und zu schauen.

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Und zu fotografieren ;)

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Ein weiter Blick bis zum Brocken

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Der Weg geht sacht hinunter zur Selke

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Obwohl eine Brücke hinüber führt, bleibe ich auf dieser Seite, hier ist es gerade so schön.

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Danach erreiche ich die nächste Brücke und Alexisbad, das ich aber recht enttäuschend finde, ein paar moderne Hotels, 1-2 schöne alte Gebäude und dann bin ich auch schon am Bahnhof.

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Ich studiere den Fahrplan und überlege, hier im Ort kann ich das mit dem Übernachten vergessen, wohin jetzt also? Da ich mich am morgigen Tag mit X in Stiege treffen will und die Bahn in etwa 40 Minuten das letzte Mal heute fahren wird, erstehe ich kurzentschlossen ein 3-Tages-Ticket für die Harzbahn. Da das einzelne Ticket schon 12 € kostet und ich übermorgen mit der Bahn quer durch den Harz zurück nach Quedlingburg fahren will, ist der Preis mit 17 ? Euro echt ein Schnäppchen. Ist vielleicht seltsam, dass ich den Preis nicht mehr genau weiß, aber wenn das Geld ausgegeben ist, erinnere ich mich (obwohl ich nicht so eine enorm gefüllte Geldbörse mein Eigen nenne), so gut wie nie, was etwas gekostet hat. Verdrängung? Grübel.

Egal, unter der Uhr warte ich auf die Bahn nach Stiege.

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Die Fahrt dauert relativ lange, macht aber echt Spaß. In Stiege angekommen, muss ich noch vom Bahnhof nach Stiege hinein und dann wieder hinaus dackeln, der mir bereits bekannte Campingplatz liegt näher an Hasselfelde als an Stiege, es ist also noch ein Eckchen zu laufen.

Am Campingplatz, wo ich doch irgendwie müde ankomme, ist aber niemand zu sehen, die Rezeption ist geschlossen und auch das Restaurant, vermutlich ist einfach nicht genug los. Dann finde ich ein Hinweisschild zu einem Nebengebäude und nach einiger Zeit eine Möglichkeit auf mich aufmerksam zu machen, nämlich eine etwas ramponierte eiserne Glocke. Die Cheffin (die ich noch vom letzten Besuch in 2012 kenne) kommt tief verschnupft und ganz offensichtlich recht angeschlagen herbei. Da ich beim Gang übers Gelände 4 oder 5 Hüttchen gesehen habe, frage ich, was diese denn kosten. ok 10 € und sie reduziert noch einmal für mich etwas. Klasse, dann muss ich das Zelt nicht mehr aufbauen, das ist nämlich von der letzten Nacht recht nass und außerdem ist es inzwischen fast dunkel. Sie gibt mir den Schlüssel für eine der Hütten und fragt, ob ich einen Schlafsack dabei habe oder ob sie mir Bettwäsche vorbei bringen solle. Da sie wirklich total mitgenommen aussieht, verzichte ich auf das Bettzeug, dann wünscht sie mir eine gute Nacht und ich ihr gute Besserung.

Es ist gerade noch so hell, dass ich mein Bett beziehen kann (es sind zwei schmale Betten in dem kleinen Raum und ein paar Kleiderhaken) und ich mein Gepäck in die Ecke pfeffern kann. Danach noch einmal ins Sanitärgebäude und Wasser geholt und dann geht es ab mit mir unter die Bettdecke.
um eine Provokation als solche zu erkennen bedarf es auch eines gewissen Scharfblicks.(Sternenstaub)

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Re: ein bisschen Harz oder hin&her

Ungelesener Beitrag von Erny » Fr 23. Okt 2015, 20:07

Nett. Hier ging es also auch weiter. Du hast teilweise richtig schöne kleine Wanderwege gefunden. Tolle Fotos.

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Re: ein bisschen Harz oder hin&her

Ungelesener Beitrag von Sternenstaub » Sa 5. Dez 2015, 23:39

und vorhin fiel mir ein, dass ich noch gar nicht weiter geschrieben habe, so geht das wirklich nicht. ;)

also der Rest:


In der Nacht habe ich teils wirklich gefroren, vielleicht sollte ich mir doch langsam einen vernünftigen Schlafsack zulegen? Immerhin kam ich irgendwann am sehr frühen Morgen auf die Idee, dann eben eine der beiden Bettdecken noch über mir auszubreiten, das war sozusagen die Idee des Jahres. ;-)

Nach einigem Faulenzen im inzwischen warmen Bett, stehe ich dann aber doch auf, um zu duschen und zu frühstücken. Ursprünglich hatte ich ja Brötchen fürs Frühstück bestellen wollen, da aber dann die kranke Chefin hätte am frühen Morgen in den Ort fahren müssen, um welche zu besorgen, habe ich das natürlich abgelehnt. Ich habe ja noch Müsliriegel und abgepacktes Studentenfutter dabei.

Ich genieße die Morgenstimmung und schaue mich ein wenig um.

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Es ist neblig und es hat in der Nacht offensichtlich etwas Frost gegeben. Kein Wunder, dass ich zuerst gefroren habe.

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Die Viecher in den Hütten sind offensichtlich auch noch nicht wirklich munter.

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ich liebe solche Morgen

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Ich wärme mich noch etwas im Schlafsack und gehe dann duschen. Ich bin wirklich elendig faul auf dieser Tour.
Nach dem Duschen setze ich mich in die etwas kahle Küche und trinke dort Wasser und mümmele mein Zeug vor mich hin. Immerhin ist es dort geheizt. Ein wenig später ist die Rezeption geöffnet, richtig fit sieht die Dame aber immer noch nicht aus und ich beschließe schon einmal zu bezahlen, wer weiß ob das am nächsten Morgen alles so klappt. Während ich bezahle, kommt ein anderer Gast herein, vermutlich von dem Zelt, welches neben einer der Hütten aufgebaut ist. Sie sind mit zwei mittelstarken Motorrädern unterwegs, wie ich jetzt sehe kommen sie aus dem Kohlenpott. Wir unterhalten uns über das Ruhrgebiet und dass ich aucgh von dort stamme. Seine Frau kommt auch heraus, sie fahren mit ihren Maschinen gern herum, bleiben ein paar Tage an einem Ort, schauen sich um und fahren ein wenig durch die Gegend. Wir plauschen ein wenig und als sie los fahren, jetzt soll es weiter Richtung Teutoburger Wald gehen, lassen sie mir ein paar Reiswaffeln da, was ich dankend annehme.

Ich überlege, ob ich faul bin und mit dem Bus zum Bahnhof in Stiege fahre, denn dort wollen X und ich uns später treffen, da sich aufgrund des Fahrplans ein Treffen zB in Netzkater nicht ausgehen würde. Aber die Entscheidung verschiebe ich erst einmal. Ich laufe ein wenig über den Platz, er liegt richtig schön und ich kann ihn wirklich empfehlen. Am Wochenende und in der Saison ist auch die Gaststätte geöffnet und zumindest in 2012 hat es dort geschmeckt.

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Nettes Federvieh wohnt auch hier

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auch eine weiße Henne wohnt hier ;)

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Da wir uns um 12.30 am Bahnhof treffen wollen und ich ganz schön getrödelt habe, bin ich mit dem Bus gerade so eben pünktlich am Treffpunkt und kurz darauf sehe ich schon den Bulli von X heran fahren und natürlich kommt er mal wieder aus der nicht vermuteten Richtung. Das scheint echt ein Hobby von dem Typen zu sein, tstst.
Wir begrüßen uns und ausgerüstet mit einigen nahrhaften Dingen, Trinken etc beschließen wir um den See herum zu gehen. Erreichen aber erstmal mit Not nur eine Bank, wo wir uns mit leckerem Apfelkuchen und Kaffee stärken. Und reden. Wenn man sich eher selten sieht, gibt es halt immer viel zu erzählen. Nach einer längeren Pause gehen wir weiter, es ist hier wirklich landschaftlich schön und ich mache anstandshalber einige Fotos.

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ein paar noble Häuschen stehen hier am See

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Auf dem Weg zum Bahnhof gehen wir beim kleinen Konsum ein paar Dinge einkaufen, X sucht sich eine spezielle Ostcola oder war es ne Limo *grübel* aus und fragt die Ladeninhaberin, ob sie noch genauso wie früher schmecke. Ein kritischer Blick, dann bestätigt sie das und es entsteht ein kleines Gespräch. Sie tütet uns offensichtlich beide als ehemalige DDR-Bürger ein und taut etwas auf. Sie ärgere sich etwas über die geplanten Feierlichkeiten zum 03. Oktober, sie habe keinen Grund zum Feiern. Geschäftlich gehe es schlechter als früher und der Neid und die Missgunst hätten sehr zugenommen. Viele versuchten den anderen zu übertrumpfen und jetzt mit den ganzen Flüchtlingen sei alles noch sehr viel schlimmer geworden. Ich versuche mich möglichst zurück zu halten und antworte eher ausweichend, obwohl ich einiges doch recht anders sehe. Ich kann zum Teil ihre Sichtweise schon verstehen, zum Glück geht X recht behutsam darauf ein, als echtem Ossi steht es ihm auch eher zu, sich dazu zu äußern.
Wir fahren dann zum Campingplatz und unterhalten uns noch lange in der Hütte über Ost&West, über Vergangenheit &Zukunft, Schweden&Deutschland. Und auch darüber, dass mein Schlafsack wirklich recht dünn ist und ich mir dringend einen neuen zulegen sollte. Und vielleicht auch ein neues Zelt? ;)

Nach dem Treffen habe ich noch in Ruhe in der Küche ein halbes Brötchen zum Abendbrot gegessen, dazu eine Flasche Bier getrunken und mich danach früh hingelegt. Und nachgedacht.
Es kam mir so allerlei in den Sinn, auch weniger gute Erinnerungen. Ich dachte über Neid und Missgunst nach, den jene Frau nun offensichtlich bei anderen verspürt. Aber irgendwie gehe ich da nicht konform. Neid und Eigensucht sind doch bereits in einem Menschen angelegt, den entwickelt er doch nicht, weil er jetzt vielleicht andere Möglichkeiten hat. Vorher gab es vielleicht weniger "Grund" jemanden zu beneiden, wenn alle weniger haben, spielt das eben nicht eine solche Rolle für manchen. Ich habe selten viel gehabt, habe aber trotzdem niemanden um das mehr beneidet, ist das nicht abhängig von der Person? Und natürlich spielt ein kleiner Laden heute nicht mehr so eine wichtige Rolle, weil es eben andere Einkaufsmöglichkeiten gibt. Ich erinnere mich an Erzählungen meiner Freundin D., wie sie es verabscheut habe, auf das Wohlwollen der Leute im Konsum oder beim Fleischer angewiesen zu sein, damit sie zu bestimmten Festen ebenfalls Bückware erhielten und als wie angenehm sie es enmpfand nach der Wende ganz andere Möglichkeiten zu haben. Es ist halt immer so oder eben anders, je nachdem auf welcher Seite der Theke man steht oder wer wem etwas geben oder eben vorenthalten kann. Alles nicht so einfach.

Nachts bekam ich dann den ersten bewussten Alptraum meines Lebens, ich kann mich nicht daran erinnern, vorher schon einmal einen gehabt zu haben.
Ich stand vor einem Aufzug zusammen mit mehreren Menschen. Es war mir irgendwie unangenehm, weil alles so überfüllt war. Als ich dann im Aufzug stand, sagte ein seltsamer Typ, dass wir alle hier nun einige Zeit verbleiben würden, man könne sich ja gemeinsam amüsieren. Ich hatte eine ganz starke Ablehnung gegen diesen Typen und drängte mich an die Wand. Es war eine sehr unangenehme Situation, obwohl sich die anderen unterhielten, fühlte ich mich beobachtet und bedroht. Dann erkannte ich rechts an der Fahrstuhlwand eine Lücke, durch die ich mich vielleicht zwängen könnte. Und machte das auch. Ich ließ mich dort hinunter und hing an den Händen, außerhalb der Sicht dieses merkwürdigen Menschen, meine Füße baumelten im Nichts. Mir war klar, dass ich, wenn ich loslassen würde, abstürzen und ins Nichts fallen würde, ich entschied mich dafür, weil das besser als alles andere war.
Nach dem Sturz hatte ich das Gefühl, dass ich in meiner Hütte liege, aber nicht geschützt, mich überrannte Panik und ich bekam Angst wie noch nie zuvor.
Es lag eine zentnerschwere last auf meinem Oberkörper, ich konnte mich nicht bewegen.
Ich wurde zornig und sagte zu irgendjemandem rechts von mir sehr laut: WAS WOLLEN Sie VON MIR!? Dabei konnte rechts von mir nur die dünne Bretterwand sein, das war mir sehr bewusst.

Durch diesen Satz verschwand alles - langsam und allmählich. Ich habe mich noch nie so frei gefühlt, wie in in dem Moment, wo ich aus eigenem Willen wach wurde und der Druck nach und nach weg ging.

Lange noch liege ich wach und fühlte mich förmlich von einemn Alp befreit, bevor ich wieder beruhigt einschlafe.

Warum ich davon so ausführlich erzähle? Irgendwie war diese ganze Wanderung geprägt vom Nachdenken, Resümé ziehen, von dem Willen nach einer Veränderung, ich bin also noch mehr als sonst "mit mir" gewandert.

Am nächstgen Morgen - ich habe den Wecker gestellt, weil ich den Harzzug nach Quedlingburg erreichen muss, um den Bus nach Berlin zu bekommen, genieße ich kurz den Luxus noch einige Minuten in Ruhe wach werden zu können, bevor ich aufspringe.
Als ich aber aus der Hütte schaue, sehe ich einen wundervollen Morgen und so genieße ich erst einmal den Sonnenaufgang.

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Danach springe ich unter die Dusche, packe meinen Kram ein und frühstücke dann draußen, um rechtzeitig den Bus zum Bahnhof zu bekommen.

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Es ist eine Dampflok, die mich nun tutend und schnaufend bis nach Quedlinburg bringt.

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ich erreiche rechtzeitig den Bus und wenige Stunden später hat Berlin mich wieder.
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Re: ein bisschen Harz oder hin&her

Ungelesener Beitrag von Erny » So 6. Dez 2015, 12:39

Wow - die Fotos sind wirklich stimmungsvoll.

Na, dann hast du es ja doch noch geschafft, den Bericht fertigzustellen ;-)

Man kann sicher die Frage stellen, wieso du gerader heutzutage einen Alptraum bekommst, wenn du vorher nie einen hattest. Allerdings könnte man dir auch glatt gratulieren, wenn du davon bis jetzt verschont geblieben bist.

Drück dir die Daumen, dass es bei dem einen Alptraum bleibt.

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Re: ein bisschen Harz oder hin&her

Ungelesener Beitrag von Peter » So 6. Dez 2015, 12:44

Oh ja- irgendwie verwunschen. Märchenharz...

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Re: ein bisschen Harz oder hin&her

Ungelesener Beitrag von Sternenstaub » Mi 9. Dez 2015, 21:13

freut mich, dass euch der Bericht gefällt. Und ja, der Harz hat schon etwas ganz besonderes.

Erny, leider sind die jetzigen Zeit geradezu prädestiniert, um Alpträume zu bekommen, haben selten welche erlebt, die mich so belastet haben. aber aufgeben gibbet nüch.
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Re: ein bisschen Harz oder hin&her

Ungelesener Beitrag von Besini » Fr 11. Dez 2015, 16:19

Schöner Reisebericht! Als wäre man dabei gewesen. Ich habe vor vielen Jahren mal einen Ausflug in den Harz gemacht und war wirklich überwältigt. Mit deinen Fotos hast du mich wieder dahin versetzt. Danke dafür! Allgemein muss ich sagen, dass mir die Reiseberichte im Forum sehr gut gefallen, sie nehmen mich immer auf die Reise mit. Am liebsten würde ich das Ganze natürlich selbst miterleben, aber das lässt das Budget leider nicht zu. Vielleicht sollte ich Hoteltester werden. :D Ich wusste gar nicht, dass der Beruf Hoteltester tatsächlich existiert, bis ich den Beitrag auf dem Blog hier gelesen habe. Schon toll, irgendwie. :) Naja, man kann ja mal träumen...

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Re: ein bisschen Harz oder hin&her

Ungelesener Beitrag von Sternenstaub » Sa 12. Dez 2015, 00:55

Also Hoteltester würde ich nie sein wollen ;) - ich geh nicht gern in Hotels, da ziehe ich Zelt oder Hütte/Fewo bei weitem vor.
Aber danke für dein Lob. ;-)
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Re: ein bisschen Harz oder hin&her

Ungelesener Beitrag von Besini » Mo 14. Dez 2015, 16:28

Ach ich finde es gibt wirklich schöne Hotels, die einen ganz gewissen Charme ausstrahlen. Aber du hast recht, bei manchen Urlaubsausflügen mag ich Ferienwohnungen auch sehr. Gezeltet habe ich früher sehr viel, mittlerweile bin ich da irgendwie raus. :)

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Re: ein bisschen Harz oder hin&her

Ungelesener Beitrag von Sternenstaub » Sa 26. Dez 2015, 16:06

ich denke, es liegt einfach daran, dass mir meine Privatsphäre wichtig ist. Ruhe und wenig Menschen sind einfach ein Luxus für mich. Und mich aufbrezeln, weil Hotel, neeeee. So wie ich daheim oder unterwegs herumstromere, kann ich nirgend wohin. ;)
um eine Provokation als solche zu erkennen bedarf es auch eines gewissen Scharfblicks.(Sternenstaub)

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